Medizintechnik

Absatzrekord mit Wermutstropfen

Die deutschen Medizintechnikunternehmen haben 2018 die 30-Milliarden-EuroUmsatzmarke geknackt. Für Trübsal sorgt die Zulassungssituation, für Euphorie die Digitalisierung.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:

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BERLIN. Die deutsche Medizintechnikindustrie hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Schallmauer von 30 Milliarden Euro Umsatz durchbrochen.

Nach Angaben des Branchenverbandes Spectaris setzten die Unternehmen 2018 insgesamt 30,28 Milliarden Euro um, 2017 waren es 29,9 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwartet Spectaris ein weiteres Umsatzplus von maximal drei Prozent.

„Medizintechnik ist weiterhin ein überdurchschnittlich starker Motor der deutschen Wirtschaft, auch wenn die Entwicklung nicht alle Erwartungen erfüllt hat“, kommentierte Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer am Dienstag angesichts der Vorstellung der Zahlen.

Moderater Exportzuwachs

Bei einer Exportquote von rund 65 Prozent sei das Auslandsgeschäft von zentraler Bedeutung für die Hersteller. Aufgrund zunehmender Handelshemmnisse und des Brexits sei der Exportzuwachs im vergangenen Jahr mit einem Plus von 3,3 Prozent moderat ausgefallen.

Während der Export nach China um 12,3 Prozent gegenüber Vorjahr zulegte, bewegten sich die Zuwachsraten für Ausfuhren in die USA (+3,9 Prozent) und nach Frankreich (+3,5 Prozent) auf eher niedrigem Niveau. Die Exporte nach Großbritannien stagnierten (-0,4 Prozent).

Die Unsicherheit über die Entwicklung der Türkei unter Präsident Erdogan ging auch an der deutschen Medizintechnikbranche nicht spurlos vorüber – die Exporte gingen um 12,7 Prozent zurück.

Nicht unbedingt in Champagnerlaune

Die Branche befindet sich nicht unbedingt in Champagnerlaune. Vor allem im Inland seien die ersten Auswirkungen der novellierten europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) zu spüren.

„Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass das Umsatzwachstum auf dem europäischen und heimischen Markt durch die MDR an Dynamik verlieren wird“, erklärte Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender des Spectaris-Fachverbandes Medizintechnik.

Wie berichtet, sind noch viele Fragen der Umsetzung offen, wenn die MDR nach dreijähriger Übergangsfrist im Mai 2020 scharf gestellt wird. Unter anderem ist ein Engpass bei den Benannten Stellen zu erwarten, die für die Zulassung innovativer Medizintechnik zuständig sind.

Doch der Schuh drückt noch an anderer Stelle: „Neben der MDR ist auch eine allgemeine konjunkturelle Eintrübung zu spüren, Investitionen werden eher zurückhaltend getätigt“, so Leonard.

Jährliches Umsatzplus von 16 Prozent berechnet

Einen immensen Schub verspreche sich die Branche, wenn sie das Potenzial hebe, das ihr die Segnungen der Digitalisierung beschert.

Laut Prognose soll sie 2028 allein mit digitalen Produkten und Dienstleistungen einen Umsatz von 15 Milliarden Euro erzielen – aktuell sind es noch 3,3 Milliarden Euro.

„Das entspricht einem jährlichen Umsatzplus von 16 Prozent in diesem Segment“, betont Mayer. „Sollte es zu diesem Anstieg kommen, wird 2028 fast ein Drittel der Umsätze durch digitale Produkte erwirtschaftet. Kein Zweifel: Hier liegt die Zukunft, denn Medizinprodukte und Services ohne digitale Komponenten dürften künftig eher die Ausnahme als die Regel sein.“

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