Externe Kommunikation

Ärzte stehen weiter auf Papier

Die praxisinterne Digitalisierung in der vertragsärztlichen Versorgung ist bereits relativ weit vorangeschritten. Bei der externen Kommunikation zwischen den Praxen und vor allem mit Kliniken ist jedoch Papier weiterhin das bevorzugte Medium.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Intern kommunizieren Ärzte schon oft digital, Experten hapert es daran noch.

Intern kommunizieren Ärzte schon oft digital, Experten hapert es daran noch.

© ipopba / Getty Images / iStock

BERLIN. Große interdisziplinär arbeitende Praxen und Hausärzte sind Vorreiter bei der Digitalisierung der vertragsärztlichen Versorgung. Dies geht aus dem am Dienstag vorgestellten "Praxisbarometer Digitalisierung" hervor, das das Berliner IGES-Institut im Auftrag der KBV erstellt hat.

Grundlage dafür ist die Auswertung einer Umfrage, an der sich 1764 Praxen beteiligt haben, die näherungsweise repräsentativ für die vertragsärztliche Versorgung sind. Gefragt wurde nach der Nutzung der Digitalisierung für das praxisinterne Management, die praxisexterne Kommunikation, die Kommunikation mit Patienten sowie nach Chancen/Nutzen und Risiken/Hemmnissen der Digitalisierung.

Demnach nutzen 58 Prozent aller Praxen ihre EDV zur Dokumentation, 56 Prozent für die Terminplanung. In 74 Prozent der Praxen sind digitale Schnittstellen von der Praxissoftware zu medizinischen Geräten vorhanden. Telemedizinische Optionen nutzen erst 14 Prozent, unter den Hausärzten aber schon 21 Prozent. Hohe Bedeutung haben digitale Anwendungen für die Arzneimitteltherapiesicherheit: Diese Option wird von 51 Prozent aller Praxen und sogar von 60 Prozent der Hausärzte genutzt.

Hausärzte auf dem dritten Platz

Am stärksten ausgeprägt ist der Digitalisierungsgrad der Dokumentation in versorgungsebenen-übergreifenden sowie stark spezialisierten Praxen mit 83 und 76 Prozent. Es folgen mit 74 Prozent die Hausärzte, die ihre Patientendokumentation nicht mehr papiergebunden führen.

Ganz anders sieht es bei der Digitalisierung der externen Kommunikation aus – mit Ausnahme des digitalen Empfangs von Labordaten, der in 69 Prozent der Praxen realisiert ist. So erfolgt die schriftliche Kommunikation zwischen verschiedenen Praxen immer noch zu 86 Prozent mehrheitlich oder komplett in Papierform, in der Kommunikation mit Krankenhäusern sind es 94 Prozent.

Der Anteil der Praxen, die Bildmaterial, Arztbriefe oder Befunddaten digital austauschen, liegt zwischen 11 und 17 Prozent. 37 Prozent aller Praxisinhaber wären bereit, auf einheitliche Dokumentationsstandards für eine einrichtungsübergreifende Patientenakte umzustellen – am niedrigsten ist diese Bereitschaft bei den Psychotherapeuten (21 Prozent), am höchsten bei spezialisierten/interdisziplinären Facharztpraxen mit mehr als 50 Prozent.

In der Kommunikation mit Patienten sehen 37 Prozent aller Praxen inzwischen vom Patienten selbst erhobene Daten als mindestens teilweise hilfreich an, unter den Hausärzten sind es sogar 67 Prozent.

Mehr Kassen-Pragmatismus nötig?

Als wesentliche Hemmnisse für den Ausbau und die Nutzung digitaler Kommunikation nennen KBV-Chef Dr. Andreas Gassen und sein Vorstandskollege Dr. Thomas Kriedel Sicherheitsmängel und Fehleranfälligkeiten sowie erhebliche Schnittstellenprobleme, die Hard- und Softwareanbieter bislang nicht gelöst hätten.

Notwendig sei auch mehr Pragmatismus auf Seiten der Krankenkassen bei der elektronischen Signatur von Rezepten und Bescheinigungen. Die gegenwärtigen Anforderungen seien nicht praxistauglich. Ferner fordert Kriedel gesetzliche Normen, mit denen sämtliche Systeme interoperabel gemacht werden könnten.

Lesen Sie dazu auch: In vier Punkten: So geht‘s endlich voran bei der Digitalisierung

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