Geldanlage

„Am Gold scheiden sich zurecht die Geister“

Investments in Gold oder in Aktien von Schürfgesellschaften sind riskant. Aktien und Dividenden von Unternehmen, die Minenbetreiber liquide halten, entwickeln sich dagegen stabil.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 06.07.2020, 16:33 Uhr
„Am Gold scheiden sich zurecht die Geister“

Aktien von Streaming-Unternehmen, die Minen Gold zu festen Preisen abnehmen, werden von Profi-Anlegern durchaus geschätzt.

© bodnarchuk / Getty Images / iStock

Neu-Isenburg. Unternehmen wie Franco-Nevada, Sandstorm Gold, Royal Gold und Wheaton Precious Metals sind kaum in den Wirtschaftsnachrichten zu finden. Ihre Aktienkurse jedoch steigen seit Jahren kontinuierlich. Das Papier von Franco-Nevada hat seit 2010 mehr als 380 Prozent gewonnen. Der Kurs von Sandstorm Gold hat sich seit 2015 verdoppelt. Denn diese auch an deutschen Börsen notierten kanadischen und US-amerikanischen Unternehmen arbeiten mit einem Geschäftsmodell, dass ihnen fortwährend steigende Erträge beschert.

Das sind sogenannte Royalty oder Streaming Companies. Die englischen Fachausdrücke stehen für Unternehmen, die Gold- und Silberminen finanzieren, in dem sie zu einem vorweg vereinbarten Preis den Bergwerksbetreibern deren jährlich geschürfte Menge an Edelmetallen abkaufen, um sie anschließend zum jeweiligen Marktwert an Industrieunternehmen, Schmuckhersteller und Notenbanken zu verkaufen.

Stabiles Dividenden-Plus

„Betreiber von Edelmetallminen gelangen nur schwer an Bankkredite“, erläutert Stephan Albrech, Vorstand des Kölner Vermögensverwalters Albrech & Cie. Darum sind sie zur Finanzierung ihrer Bergwerke auf die Royalty Companies angewiesen und verkaufen diesen das geförderte Edelmetall deutlich unter Marktwert.

Der Vorteil für die Minengesellschaften: Sie wissen exakt, welchen Preis sie für die jährlich gewonnene Menge an Gold und Silber erhalten werden und können daraufhin ihre Kalkulation tätigen. Die Streaming-Gesellschaften wiederum vereinnahmen die Differenz zum realen Marktwert als Gewinn.

„Das Geschäftsmodell überzeugt seit Jahren“, sagt Albrech. Obwohl die Edelmetallpreise stark schwanken, sei es den Royalty Companies bislang immer gelungen, Gewinne zu erzielen. Ihre Aktionäre profitieren dabei nicht nur von den steigenden Börsenkursen. Die meisten Streaming-Gesellschaften schütten auch von Jahr zu Jahr höhere Dividenden aus.

Die Inflation ist immer ein guter Preistreiber für Gold gewesen.

Rainer Beckmann, ficon Vermögensmanagement, Düsseldorf

Bei der kanadischen Wheaton Precious Metals ist die Dividende in Euro umgerechnet von 2018 auf 2019 von 0,31 Euro auf 0,32 Euro pro Aktie gestiegen. Für dieses Jahr soll die Ausschüttung nach dem Durchschnitt der Analysten-Prognosen auf 0,52 kanadische Dollar pro Aktie steigen. Nach dem gegenwärtigen Wechselkurs entspräche das 0,34 Euro pro Aktie.

Profianleger sind geteilter Meinung, ob Direktinvestments in Edelmetalle überhaupt sinnvoll sind. Rainer Beckmann, Geschäftsführer der Düsseldorfer ficon Vermögensmanagement rät zum Kauf von Gold-Zertifikaten, die mit dem Edelmetall hinterlegt sind, wie etwa dem Xetra-Gold-Zertifikat mit der Wertpapierkennnummer A0S9GB. Langfristig werde die durch die Corona-Krise steigende Staatsverschuldung zu einem Anstieg der Teuerungsrate führen, meint Beckmann. Und: „Die Inflation ist immer ein guter Preistreiber für Gold gewesen.“

Ganz anderer Ansicht ist Uwe Zimmer, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Fundamental Capital in Hennef. Er sagt: „Gold bietet keinen Schutz in Krisen.“ Es werfe keine Zinsen ab und biete keinen praktischen Nutzen. „Mit Goldbarren und -münzen lassen sich weder Brötchen noch Klopapier kaufen“, so Zimmer.

Zudem dürften die Notenbanken weiterhin mit niedrigen Zinsen die Staaten bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise unterstützen – was die Aktienkurse in die Höhe treiben werde.

Minen-Aktien schwanken stark

„Am Gold scheiden sich zurecht die Geister“, sagt Albrech. Anleger, die unsicher sind, ob sie in das Edelmetall zur Absicherung ihres Portfolios investieren sollen oder nicht, sollten deshalb die Aktien von Streaming-Unternehmen als Alternative in Augenschein nehmen. Denn deren Börsenkurse hätten in Phasen eines steigenden Goldpreises stärker zugelegt als die Notierungen des Edelmetalls. Hingegen seien die Aktienkurse deutlich geringer zurückgegangen, wenn der Goldpreis gefallen ist.

Hingegen rät Albrech davon ab, in Aktien von Betreibern von Gold- und Silberminen zu investieren. „Ihre Börsennotierungen unterliegen sehr starken Schwankungen, da ihr Erfolg im Extremfall von einem einzigen Bergwerk abhängen kann.“ Beispielhaft steht dafür die US-Schürfgesellschaft Coeur Mining. Seit 2010 ist ihr Aktienkurs um mehr als 65 Prozent gefallen.

Selbst mit dem Papier der kanadischen Barrick Gold, mit einer jährlichen Fördermenge von 200 Tonnen das größte Goldbergbauunternehmen der Welt, ließ sich in den vergangenen zehn Jahren kein Gewinn einfahren: Der Aktienkurs in Euro notiert heute 37 Prozent tiefer als im Sommer 2010.

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