Hochschulrektoren

Argwohn gegen Ausbildung an Zweitcampus

Rektorenkonferenz zweifelt an Qualität und warnt vor dem Irrglauben einer günstigen Mediziner-Ausbildung.

Christoph BarkewitzVon Christoph Barkewitz Veröffentlicht:

ROSTOCK. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat sich auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung skeptisch zu sogenannten Zweitcampus-Modellen geäußert. In Rostock mahnten die Rektoren zudem, bei der Kooperation zwischen Universitäten und kommunalen oder privaten Kliniken in der Mediziner-Ausbildung dürfe es keine Qualitätsabstriche geben.

Insbesondere angesichts der drohenden Unterversorgung auf dem Land sind in jüngster Zeit verstärkt Zweitcampus-Modelle eingerichtet worden, mit dem Ziel, die Zahl der Medizinstudienplätze zu erhöhen. So hatte das hessische Wissenschaftsministerium im Oktober mitgeteilt, an der Philipps-Universität in Marburg im Fach Medizin 185 Teil- in Vollstudienplätze umzuwandeln. Die betroffenen Studenten sollen den klinischen Abschnitt des Studiums am Klinikum Fulda absolvieren.

Besser Ursachen bekämpfen

Doch um den Mangel an niedergelassenen Ärzten in ländlichen Regionen zu bekämpfen seien derlei Modelle weniger tauglich. Dies gelänge nach Meinung der HRK besser durch Schaffung von Versorgungszentren, Teamlösungen und ein verbessertes Zusammenwirken der Gesundheitsberufe.

Die HRK lehnt in diesem Zusammenhang Pläne zur Ausbildung eines neuen Arzt-Typs ab, bei dem im Zuge solcher Kooperationen– im Hinblick auf eine spätere berufliche Tätigkeit im ländlichen Raum – Abstriche bei der wissenschaftlichen Qualifikation und bei der Einbindung in die aktuelle Forschung gemacht würden.

„Die Gesundheitsversorgung in strukturschwachen Räumen stellt keine geringeren Anforderungen als anderswo – im Gegenteil, die komplexen Versorgungsprozesse sind angesichts der hohen Innovationsgeschwindigkeit in der Medizin eher noch anspruchsvoller“, warnt HRK-Präsident Professor Peter-André Alt.

Messlatte Unimedizin

Die HRK lehne Zweitcampus-Modelle nicht grundsätzlich ab, sagte Alt, allerdings müssten sie denselben Ansprüchen genügen wie die klassische universitätsmedizinische Ausbildung. Daran zweifeln die Rektoren offenbar.

Bei den aktuellen Partnerschaften sei dies oft nicht gegeben. Es sei eine falsche Annahme, auf diese Weise ließe sich eine Mediziner-Ausbildung zu günstigen Preisen etablieren oder es könnten strukturelle Probleme in der ärztlichen Versorgung behoben werden.

Auch bedeuteten die räumlichen Distanzen zwischen Uni- und Partnerklinik eine große Herausforderung für das im Masterplan Medizinstudium 2020 formulierten Ziel, klinische und theoretische Ausbildung vom ersten Semester bis zum Ende der Ausbildung zu verzahnen.

Mehr zum Thema

Zwei Ärzteverbände positionieren sich

MEDI und ze:roPraxen wollen mit Klinik-Kauf MVZ-Optionen erweitern

Fachkräftemangel

Neue Kontakt-Plattform für sozialpädiatrischen Nachwuchs

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Alexander Baasner und Dr. Stefan Spieren (v.l.) haben die Idee der Digitalen Hausärztlichen Versorgungsassistenten (DIHVA) entwickelt.

© Digitales Facharzt- & Gesundheitszentrum

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Patient bei einer Videosprechstunde mit Ärztin

© AJ_Watt / Getty Images / iStock

Digitale Gesundheitsanwendungen

DiGA oder doch lieber App?