Bedenken gegen Sprechstunden im Internet

DÜSSELDORF (pei). "Ärztliche Beratung auf hohem Niveau" verspricht die Internet-Platform qualimedicplus.de Patienten, die diese kostenpflichtige Dienstleistung nutzen wollen. Die Ärztekammer Nordrhein prüft, ob dieses Angebot gegen das Berufsrecht verstößt. Weil auch ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorliegen könnte, wird sich die Wettbewerbszentrale voraussichtlich ebenfalls mit diesem Online-Angebot befassen.

Veröffentlicht:

Für die Online-Sprechstunde stehen auf qualimedicplus.de verschiedene Fachärzte bereit: vom Allergologen über je zwei Orthopäden und Gynäkologen bis hin zum Onkologen und Zahnarzt. Es sei ziemlich sicher, sagte Kammerjustiziar Dr. Dirk Schulenburg, dass die Kammer die Qualimedicplus-Ärzte anschreiben werde, um sie darauf hinzuweisen, dass sie unter Umständen berufsrechtliche Grenzen überschreiten.

Nach Einschätzung des Frankfurter Medizinrechtlers Professor Thomas Schlegel ist die von qualimedicplus.de angebotene Online-Sprechstunde "berufsrechtlich hoch problematisch". Ein alleiniger Erstkontakt von Patienten zu Ärzten über das Internet sei durch das Fernbehandlungsverbot ausgeschlossen.

Zudem seien derartige Offerten für Ärzte auch "sehr haftungsträchtig": "Fehldiagnosen und falsche Therapieentscheidungen sind sehr wahrscheinlich, wenn sich der Internet-Arzt auf die Angaben des Patienten verlässt." Dasselbe gelte für die Haftung bei Aufklärungsfehlern. Für bedenklich hält Schlegel überdies die angebotene Beratung zu Krebserkrankungen.

Der Betreiber der Website, die Qualimedic.com AG, ist nach eigenen Angaben eine "Arzt-Aktiengesellschaft". Wer sich bei qualimedicplus.de registriert, zahlt mindestens 9,90 Euro pro Monat (Jahresvertrag).

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Digitale Leistungserbringung

KV Sachsen: Antrag für Videosprechstunde nicht vergessen!

Veränderte Patientenstruktur

HIV: Wie sich die Versorgung anpassen muss

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cyberangriffe & Co.

So reagieren Arztpraxen im IT-Notfall richtig

Gendermedizin

Lena Marie Seegers: Ein Herz für Frauenherzen

Evolution der Therapiesteuerung

Diabetesmanagement: Das Ende des HbA1c-Werts?

Lesetipps
Madrid bei Sonnenuntergang.

© Shansche / Getty Images / iStock

Vorschau aufs Wochenende

Herzkongress ESC 2025: Diese neuen Studien stehen im Blickpunkt

Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte

© Daniel Karmann/dpa

Stichtage rücken näher

Warum es sich für Praxen lohnt, vor dem 1. Oktober in die ePA einzusteigen