Geldanlage

Bei Fonds auf diese Kennzahlen achten!

Bei der Auswahl eines Fonds sollten Anleger nicht nur auf dessen Performance in der Vergangenheit blicken. Diverse Kennzahlen zeigen, wie die Chancen stehen, langfristig Renditen zu erzielen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Augen auf bei der Auswahl der Fonds: Eine Sharpe-Ratio kleiner als Null zeigt, dass der Fonds nicht einmal die Verzinsung am Geldmarkt übertroffen hat, sagt Andreas Görler von Wellinvest Pruschke & Kalm.

Augen auf bei der Auswahl der Fonds: Eine Sharpe-Ratio kleiner als Null zeigt, dass der Fonds nicht einmal die Verzinsung am Geldmarkt übertroffen hat, sagt Andreas Görler von Wellinvest Pruschke & Kalm.

© vege / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Alpha, Sharpe-Ratio, TER – Anleger, die einen Aktienfonds suchen, sehen sich mit kryptischen Begriffen konfrontiert, wenn sie diverse Investmentvehikel miteinander vergleichen. Dennoch sollten sie „ihre Hausaufgaben machen und nicht einfach in ein vermeintlich tolles Produkt investieren, von dem sie gerade gelesen haben“, sagt Thomas Neumann, Geschäftsführer der bestadvice Vermögenstreuhand in Irschenberg.

„Zunächst sollten die eigenen finanziellen Ziele definiert und ein individueller Vermögensplan erarbeitet werden“, sagt Neumann. Anleger, die noch jung sind, können riskantere Investments wagen und in Fonds gehen, die auf Internet- oder Biotechnologiewerte setzen, deren Kurse überdurchschnittlich stark schwanken. Vorübergehende Verluste würden bis zum Eintritt ins Rentenalter mehr als wettgemacht.

Hingegen sind ältere Anleger meist besser beraten, in Fonds zu investieren, die auf Papiere mit hohen Dividenden setzen. Zum einen entwickeln sich deren Aktienkurse weniger volatil. Zum anderen bessern die jährlichen Dividenden die Rente auf.

Bei Fondsauswahl Kosten beachten

Ist die Strategie festgezurrt, geht es an die Auswahl eines geeigneten Fonds. Genutzt werden können dafür Internetseiten wie Boerse.de oder Onvista.de, Fachmagazine sowie Unterlagen von Bank- und Vermögensberatern.

„Allerdings blicken viele Anleger dabei auf die reine Performance in den vergangenen Jahren“, sagt Andreas Görler, Investmentstratege bei der Berliner Vermögensverwaltung Wellinvest Pruschke & Kalm.

Doch der Fonds, der seit 2015 einen jährlichen Anlageerfolg von durchschnittlich 3,5 Prozent erzielt hat, muss nicht unbedingt besser sein, als das Konkurrenzprodukt, das im Schnitt nur auf 3,4 Prozent pro Jahr kam. Denn wenn beim Investmentvehikel mit der 3,5-prozentigen Performance jährliche Gebühren von 1,5 Prozent anfallen, beträgt die Rendite effektiv nur zwei Prozent.

Betragen die Gebühren beim Vergleichsfonds mit der 3,4-prozentigen Rendite nur 1,1 Prozent, verbleibt den Anlegern hier unter dem Strich ein deutlich höherer Ertrag von 2,3 Prozent. „Anleger sollten die Kosten berücksichtigen, die das Investment versucht“, empfiehlt deshalb Andreas Görler.

Gesamtkostenquote entscheidend

Die jährlichen Kosten setzen sich zusammen aus den Verwaltungsgebühren, den laufenden Beratervergütungen sowie den Gebühren, die bei der Lagerung der Aktien anfallen. Zusammenaddiert werden sie in der Gesamtkostenquote dargestellt. Die heißt im englischen Börsenjargon Total Expense Ratio und wird häufig unter dem Kürzel TER angegeben.

Eine weitere wichtige Kennzahl sei der Sharpe-Quotient, sagt Görler. Das vom US-Wirtschaftswissenschaftler William F. Sharpe entwickelte Messinstrument ermittelt, ob ein Fonds im vergangenen Jahr eine höhere Rendite abgeworfen hat als eine risikolose Zinsanlage in ein Tagesgeldkonto. „Eine Sharpe-Ratio kleiner als Null zeigt, dass der Fonds nicht einmal die Verzinsung am Geldmarkt übertroffen hat“, sagt Görler. „Hingegen ist ein Quotient größer als Eins ein positives Zeichen.“

Die Kennziffer Alpha wiederum zeigt, ob die Wertentwicklung eines Fonds höher oder niedriger als dessen Vergleichsindex war. „Ist diese Zahl positiv, hat das Anlagevehikel eine bessere Performance erzielt; ist die Zahl negativ, hat der Fonds schlechter abgeschnitten“, sagt Görler.

Anleger sollten dabei beachten, dass die Fondsmanager selbst wählen können, welchen Vergleichsindex sie nutzen. Aussagefähig ist die Kennziffer deshalb nur, wenn der gewählte Index zur Investmentstrategie des Fonds passt. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn einem Fonds, der ausschließlich in deutsche Aktien investiert, der deutschen Leitindex Dax als Messlatte gegenüber gestellt wird.

Quote der indexfremden Aktien

„Auch die Kennzahl active share ist wichtig“, sagt Andreas Heinrich, Gründer der Berliner Vermögensverwaltung Hansen & Heinrich. Der Wert zeigt, wie sehr sich das Portfolio eines Fonds vom Vergleichsindex unterscheidet.

Nach einer Studie der Finanzwissenschaftler Antti Petajisto von der New York University und Martijn Cremers von der University of Notre Dame in South Bend im US-Bundesstaat Indiana weisen langfristig jene Fonds die höchste Überperformance gegenüber dem Index aus, deren Portfolio zu zumindest 60 Prozent aus anderen Aktien besteht.

Der active share sollte somit mindestens 60 Prozent betragen. Die Aktien eines aussichtsreichen Deutschlandfonds mit dem Dax als Messlatte dürfte daher maximal zu 40 Prozent mit den Werten im Leitindex übereinstimmen.

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