Mecklenburg-Vorpommern

Boombranche Gesundheitswirtschaft

Mecklenburg-Vorpommern sucht den stärkeren Schulterschluss mit Unternehmen aus anderen Staaten. Vorbild ist hier die Medizintechnik.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 26.05.2018, 06:39 Uhr

ROSTOCK. Mecklenburg-Vorpommern und die Schweiz wollen in der Gesundheitswirtschaft künftig enger kooperieren und ihre besonders in der Medizintechnik schon bestehenden Verbindungen vertiefen. Dies bekräftigten Vertreter der Alpenrepublik und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstag zum Auftakt der 14. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock.

Die Schweiz ist dieses Jahr Partnerland der Konferenz, zu der rund 700 Teilnehmer nach Rostock kommen. Schwesig unterstrich zugleich den Wunsch ihres Bundeslandes nach intensiveren internationalen Partnerschaften.

Schweiz als starker Partner

Die Gesundheitswirtschaft eignet sich dafür nach Ansicht beider Länder besonders, weil sie in dieser Branche bereits gut aufgestellt sind. Die Schweiz erwirtschaftet jeden zehnten Franken im Gesundheitssektor und ist insbesondere in den Sparten Pharma, Life Science und Medizintechnik innovativ. Mecklenburg-Vorpommerns Bruttowertschöpfung aus dem Gesundheitswesen liegt mit 15,3 Prozent über Bundesdurchschnitt und ist in den vergangenen zehn Jahren jährlich um 5,2 Prozent gewachsen. Damit lag die Branche 2,8 Prozentpunkte über dem Wachstum der Gesamtwirtschaft.

Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Jahresdurchschnitt um 2,1 Prozent. 150.000 Menschen in dem Bundesland arbeiten inzwischen in der Branche, die damit jeden fünften Arbeitsplatz an der Ostsee stellt. Die in Rostock genannten Zahlen sind vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung 2018 erhoben worden.

"Die Gesundheitswirtschaft ist ein starker Impulsgeber und Jobgeber für unsere Wirtschaft", erklärte Schwesig, die früher selbst Gesundheitsministerin in Mecklenburg-Vorpommern war. Nach Angaben des amtierenden Landesgesundheitsministers Harry Glawe (CDU) sind in Mecklenburg-Vorpommern bislang 1500 Arbeitsplätze durch Schweizer Projekte und Ansiedlungen entstanden.

Aktuell siedelt sich mit der Schweizer Ypsomed ein weiteres Medizintechnikunternehmen im Nordosten Deutschlands an. Christoph Jäggi, Managing Partner des Züricher Beratungsunternehmens Walkerproject, sieht eine der Stärken der Schweiz im guten Klima für gesundheitswirtschaftliche Existenzgründer. Dies zeige sich unter anderem an steigenden Zahlen angemeldeter Patente und an der guten Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Start- ups. Jäggi sieht aber auch Potenzial für Verbesserungen in der Schweiz.

Mehr Tempo bei E-Health gefordert

In Sachen elektronischer Patientenkarte forderte er ein schnelleres Vorgehen und empfahl, sich an Vorbildern wie etwa Estland zu orientieren. Bei der Standortpolitik müsste die Schweiz nach seiner Ansicht mehr darauf achten, dass eine Abwanderung junger Unternehmen ins Ausland durch bessere Unterstützung von staatlicher Seite verhindert wird.

Für Leistungserbringer schließlich müsse die Schweiz ihre Anreizsysteme überprüfen und stärker darauf achten, dass angebotsinduzierte Eingriffe unterbleiben. Als Beispiele nannte Jäggi die überdurchschnittlich hohe Anzahl Hüft- und Kniegelenkseingriffe in seinem Land. Die Anreizsysteme für die Leistungserbringer sollten nach seiner Ansicht stärker darauf ausgerichtet sein, die Lebensqualität für die Patienten zu erhöhen.

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