Bremer Klinikum Mitte wieder für Frühchen offen

Ein Klebsiellen-Keim tötet drei Frühchen im Bremer Klinikum Mitte, mehrere Frühgeborene erkranken. Die Station wird geschlossen, desinfiziert und umgebaut. Jetzt ist sie wieder geöffnet - und der erste Patient schläft schon friedlich im Brutkasten.

Veröffentlicht:
Für rund eine Viertel Million Euro wurde die Neonatale Intensivstation des Klinikums Mitte in Bremen erneuert.

Für rund eine Viertel Million Euro wurde die Neonatale Intensivstation des Klinikums Mitte in Bremen erneuert.

© Ingo Wagner / dpa

BREMEN (dpa). Der kleine Junge im Brutkasten liegt ruhig auf dem Bauch. Den Kopf mit den schwarzen Locken hat er zur Seite gedreht, die Hände zu winzigen Fäusten geballt. Instrumente überwachen seinen Herzschlag und jeden Atemzug.

Das Baby kam am Sonntagabend zur Welt und ist damit der erste Patient auf der Bremer Intensivstation für Früh- und Neugeborene - noch vor der offiziellen Wiedereröffnung am Montagnachmittag.

Etwas mehr als zwei Monate war die Station geschlossen, nachdem sich dort seit April mehrere Neugeborene mit einem resistenten Darmkeim angesteckt hatten. Drei von ihnen starben an der Infektion.

Wie sich die Kinder mit dem Erreger infizierten, ist nicht bekannt

Die Staatsanwaltschaft ermittelt sogar wegen sechs Todesfällen. Die Klinik gab die Vorfälle jedoch erst Anfang November bekannt. Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) ließ die Station daraufhin schließen und schaltete das Robert-Koch-Institut ein.

Die Experten vom Robert Koch-Institut nahmen die Abteilung genau unter die Lupe, konnten aber auch nicht mehr eindeutig feststellen, wie sich die Kinder dort mit dem Erreger infiziert hatten.

Sie empfahlen, die Station umzubauen, die Hygienemaßnahmen zu verbessern und ein Frühwarnsystem für Infektionswellen einzurichten. Darüber hinaus zog das Klinikum das Deutsche Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg hinzu.

"Hygiene ist hier das oberste Gebot"

Der Großteil der von den Fachleuten empfohlenen Veränderungen ist inzwischen umgesetzt. "Hygiene ist hier das oberste Gebot" prangt in großer Schrift auf einer Tafel direkt am Eingang der Frühchenstation. Darunter sind viele Hinweise für die Besucher aufgelistet. Auch vor den Patientenzimmern, der Milchküche und den anderen Räumen fordern Schilder zum Desinfizieren der Hände auf.

"Wir haben die Durchgänge zwischen den Zimmern geschlossen und die Zahl der Betten reduziert", erläutert der kommissarische Chefarzt Thorsten Körner. Seinen Vorgänger hatte die Klinikleitung Mitte November entlassen, seither sucht sie einen Nachfolger.

In den vergangenen zwei Monaten wurden außerdem alle Böden, Waschbecken und Schränke auf der Station ausgetauscht. Rund 250.000 Euro haben die Neuerungen laut Körner gekostet. "Wir können nur durch gute Arbeit das Vertrauen langsam wiedergewinnen", sagt der Chefarzt.

Seit die tödliche Infektionswelle bekannt wurde, sind die Geburtenzahlen im Bremer Klinikum Mitte stark eingebrochen. 2010 seien dort mehr als 1100 Kinder zur Welt gekommen, im vergangenen Jahr waren es rund 100 weniger. In den anderen Häusern des Bremer Klinikverbundes ist die Zahl dagegen leicht gestiegen oder gleichgeblieben.

Personal hat unter Situation gelitten

Rund eine Million Euro werde der Geburtenrückgang schätzungsweise kosten, sagt Klinikverbund-Sprecher Rolf Schlüter. "Das hängt von der Entwicklung in den nächsten Monaten ab." Doch nicht nur für die Kassen der Klinik ist die Rückkehr zum Alltag wichtig. Auch das Personal hat unter der Situation gelitten.

"Ich glaube, da hat sich jeder verantwortlich gefühlt und sich gefragt, ob er sauber gearbeitet hat", meint Krankenschwester Kerstin Kathmann. "Jetzt sind wir froh, dass wir alle wieder zurückkehren konnten."

Mit strahlendem Gesicht verlässt Ibtisem Slaimi die Frauenklinik. Vor wenigen Tagen hat sie dort ihr zweites Kind entbunden - obwohl sie von den Vorfällen auf der Frühchenstation wusste.

"Das kann überall passieren", sagt die junge Mutter. "Das ist natürlich traurig, aber mein Vertrauen hat das nicht zerstört." Auch ihr nächstes Kind würde sie wieder im Klinikum Mitte zur Welt bringen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Bundessozialgericht

BSG klärt Verjährungsfristen für Krankenhausrechnungen

Urteil

BSG definiert, wann Neugeborenen-Infektion „angeboren“ ist

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?