Digital Health

Chancen – an der Börse und für Patienten

Wer sich in einer Branche auskennt, hat als Anleger bessere Chancen als auf unbekanntem Terrain. So könnten Ärzte vielleicht früher als andere erkennen, ob ein E-Health-Start-up Chancen hat oder nicht. Für dieses Segment gibt es jetzt auch einen Fonds.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:

KÖLN. Die Digitalisierung in Medizin und Gesundheitswesen ist nicht nur deshalb von Bedeutung, weil sie die Effizienz steigern und die Strukturen nachhaltig verändern kann. Nach Einschätzung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) entsteht im Bereich Digital Health auch eine neue vielversprechende Branche. "Deshalb glauben wir, dass es an der Zeit ist, sich auch als Anleger Gedanken über diesen Bereich zu machen", sagt Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Health Care bei der Apo Asset Management (apoAsset), einem gemeinsamen Tochterunternehmens der apoBank und der Deutschen Ärzteversicherung.

Die apoAsset bringt zum 1. Juni den ersten speziell auf die digitale Medizin ausgerichteten Publikumsfonds auf den Markt, den apo Digital Health Aktien Fonds (wir berichteten kurz). Das Angebot richtet sich in erster Linie an Privatanleger.

Parallelen zur Musikbranche

Lofruthe sieht Parallelen zur Musikbranche. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Schallplatte erfunden. Dann passierte lange Zeit nichts. Erst in den 1960er Jahren kam die Kassette, in den 1980ern die CD, kurze Zeit später der MP3-Spieler. Heute laden sich viele die Musik aus dem Internet, Tonträger haben drastisch an Bedeutung verloren. "Die Zeitsprünge werden immer kürzer", betont er. Dasselbe gelte heute für das Gesundheitswesen. Und dabei spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle.

"Wir sind überzeugt, dass es sich in diesem Segment nicht um einen kurzfristigen Hype handelt", sagt Lofruthe. Die Digitalisierung könne zu einer deutlich höheren Effizienz beitragen. Das ist für ihn vor allem deshalb entscheidend, weil der Kostendruck im Gesundheitswesen ein mindestens ebenso nachhaltiger Treiber wie die demografische Entwicklung ist.

Unternehmen, die bei der digitalen Veränderung des Gesundheitswesens eine wichtige Rolle spielen, bieten seiner Ansicht nach Investoren interessante Chancen. "Der apo Digital Health Aktien Fonds ist eine Lösung, über die Anleger gezielt an der Transformation des Gesundheitswesens partizipieren können."

Der Aktienfonds zur digitalen Medizin ist für apoAsset eine wichtige Abrundung der Produktpalette, sagt Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Health Care. "Ich glaube, dass das Thema Digital Health und die Unternehmen, die in diesem Segment unterwegs sind, eine führende Stellung als eigenständiger Bereich im Gesundheitswesen einnehmen werden."

Für den Fonds hat apoAsset 150 börsennotierte Unternehmen geprüft und davon rund 60 ins Portfolio aufgenommen. Der Fokus liegt auf den USA und Deutschland, berichtet Brüning. Deutsche Unternehmen machen dabei aber den kleineren Teil aus. "Die Musik spielt in den USA."

Breite Streuung reduziert Risiko

Große Branchenakteure mit soliden Kennzahlen bilden die Basis des Fonds. Darüber hinaus finden aber auch vielversprechende neue Geschäftsmodelle Berücksichtigung. Bei der Auswahl der Unternehmen arbeitet apoAsset eng mit Dr. Markus Müschenich vom Vorstand des Bundesverbands Internetmedizin zusammen.

Müschenich sitzt im wissenschaftlichen Beirat der apoAsset. Durch die Mischung im Fonds ist die Anlage für die Kunden weniger riskant, als wenn sie in einen einzelnen Titel investieren würden. Deshalb sieht das Unternehmen auch kein besonders großes Risiko durch staatliche Eingriffe im Gesundheitswesen.

Apo Asset bietet seit 2005 den Fonds "Medical Opportunities" an. Auch dort sind nach Brünings Angaben zu einem kleinen Anteil Werte aus dem Bereich der digitalen Medizin enthalten. Er fürchtet aber nicht, dass sich die beiden Angebote gegenseitig Konkurrenz machen. "Es wird nur minimale Überlappungen geben", sagt er.

Auch für Kleinanleger geeignet

Der Fonds (WKN: A2AQYW, ISIN: DE000A2AQYW4) startet mit einem Volumen von 20 Millionen Euro. Brüning schätzt, dass er im Laufe eines Jahres auf 50 Millionen Euro zulegen wird. Ein Anteil kostet 50 Euro, eine Mindestanlagesumme ist nicht vorgesehen. Der Ausgabeaufschlag beträgt stolze fünf Prozent. Bei dem Papier geht es nicht um eine möglichst hohe Dividendenausschüttung, so Lofruthe. Der Gesundheitsmarkt sei grundsätzlich kein dividendenstarker Sektor. "Dividenden sind nicht das Kernargument für den Fonds, sondern das Argument ist das Wachstum."

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