Koagulation mal anders

Chirurg signiert Patientenleber

War er nur ein Witzbold, oder trieb ihn die Eitelkeit? Ein britischer Chirurg soll mindestens eine Patientenleber mit seinen Initialen "graviert" haben. Die Sorge geht um, dass es noch mehr Fälle gibt.

Veröffentlicht:
Queen-Elizabeth-Hospital in Birmingham: Gibt es hier Signaturen auf die Leber?

Queen-Elizabeth-Hospital in Birmingham: Gibt es hier Signaturen auf die Leber?

© dpa

BIRMINGHAM. Ein britischer Viszeralchirurg ist von seinem Job beurlaubt worden, weil er Patientenlebern "signiert" haben soll. Der Mann soll am Queen-Elizabeth-Hospital in Birmingham bei mindestens einem Patienten seine Initialen auf ein Lebertransplantat gebrannt haben, berichten britische Medien.

Nach Agenturangaben hat der britische Gesundheitsdienst NHS bestätigt, dass es derzeit eine Untersuchung wegen des Vorfalls gebe. Einzelheiten wollte der NHS aber nicht nennen. Der Chirurg sei vom Dienst suspendiert worden.

"Nach Vorwürfen des Fehlverhaltens hat die Krankenhausgesellschaft des Universitätskrankenhauses Birmingham einen Operateur suspendiert, während eine interne Untersuchung abgeschlossen wurde", teilte der NHS in einer knappen Stellungnahme mit. Der Chirurg bestritt britischen Medien gegenüber, beurlaubt worden zu sein.

Über den Fall berichtete zunächst die britische Zeitung "Daily Telegraph". Dem Blatt zufolge soll Dr. Simon Bramhall, Experte für hepatobiliäre Chirurgie, auf ein Lebertransplantat "SB" gebrannt haben. Aufgefallen seien die Buchstaben später einem Kollegen bei einem routinemäßigen Eingriff.

Für seine "Unterschrift" soll der Chirurg einen Argonbeamer verwendet haben. Die Argon-Plasma-Koagulation (APC) wird, ähnlich wie andere Geräte der Hochfrequenzchirurgie, üblicherweise zur Blutstillung sowie zur Resektion von Geweben und Tumoren eingesetzt.

In Großbritannien macht sich derweil die Sorge breit, dass der bekannt gewordene Fall kein Einzelfall war. Joyce Robins von der Patientenorganisation "Patient Concern" verurteilte die Tat: "Wir reden hier über einen Patienten und nicht ein Autogrammbuch", sagte sie Medienberichten zufolge. (nös)

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