Thüringen

Corona-Impfteams: KV erwägt nach Angriff auf MFA verschärften Schutz

Zwei verletzte MFA bei einem Angriff auf ein Corona-Impfteam in Thüringen – das sorgt für Entsetzen in Landespolitik und bei der KV. Es ist der erste derartige Vorfall im Freistaat.

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"Mobiles Impfteam" steht auf einer Kiste während einer Impfaktion des Thüringer Gesundheitsministeriums und der Kassenärztlichen Vereinigung im Regierungsviertel.

Mobile Impfteams sind an vielen Orten auch in Thüringen unterwegs. Erstmals gab es einen Angriff auf Helfende.

© Martin Schutt / dpa

Gera. Nach dem Angriff auf ein mobiles Corona-Impfteam in Thüringen erwägt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) verschärfte Schutzvorkehrungen für das Impfpersonal. „Wahrscheinlich werden wir künftig Security dazu buchen“, sagte der KV-Pandemiestabsleiter Jörg Mertz am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Dies solle gemeinsam mit den Impfteams besprochen werden.

Bislang seien die mobilen Impfteams nicht von Sicherheitspersonal begleitet worden. „Das brauchten wir bisher auch nicht.“ Der Angriff eines Mannes am Samstag in Gera sei der erste auf Impfpersonal in Thüringen seit Beginn der Corona-Impfkampagne gewesen.

Bei dem Angriff in Gera waren laut KV zwei medizinische Fachangestellte (MFA) verletzt worden. Nach ihren Angaben hatte der Mann am Nachmittag im Einkaufszentrum „Gera Arcaden“ eine Impfbescheinigung verlangt, wollte sich aber nicht impfen lassen. Als die MFA ihm die Bescheinigung verweigerten, schlug er auf sie ein. Sie wurden in einem Krankenhaus behandelt. Mertz zufolge konnten sie aber bereits am Samstag wieder entlassen werden.

Ramelow: Eine Schande!

Die Daten des Mannes waren laut KV bekannt, da er sich bei der Impfaktion habe registrieren lassen. Der Mann sei bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Polizisten hatten ihn in einem Parkhaus gestellt, gegen ihn laufe eine Anzeige. Er sei auf freiem Fuß.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Gesundheitsministerin Heike Werner (beide Linke) verurteilten die Tat. „Eine unfassbare Schande“, schrieb Ramelow im Kurznachrichtendienst Twitter. Menschen, die sich für „unsere Gesundheit“ einsetzten, würden täglich angegriffen.

„Aus der Hetze der Impfgegner werden Taten“, erklärte Werner. „Das können wir als Gesellschaft nicht akzeptieren. Unsere Impfteams sind unterwegs, damit sich Menschen vor der Infektion mit dem heimtückischen Virus schützen können.“ Dass diese Arbeit bedroht und gewalttätig attackiert werde, mache sie „sehr wütend“.

Auch die KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Annette Rommel verurteilte den Angriff „auf das Schärfste“, wie sie am Samstagabend mitteilte. „Es ist unfassbar, dass Menschen, die die Corona-Pandemie hochgradig engagiert in vorderster Front bekämpfen, angegriffen werden.“

Booster-Impfungen starten in Thüringen

Geras Oberbürgermeister, Julian Vonarb (parteilos), sprach von einer deutlichen Grenzüberschreitung. „Ich bin schockiert über die Gewaltbereitschaft von einzelnen Menschen in unserer Gesellschaft“, sagte er laut Mitteilung. Er hoffe, dass der Täter schnell deutliche Konsequenzen erfahre.

Die Impfaktion in Gera wurde nach der Tat zunächst abgebrochen, bis zum Vorfall waren 120 Menschen geimpft worden. Die Aktion soll der KV zufolge wiederholt werden.

Landesweit boten am Wochenende auch alle regionalen Impfstellen und das Impfzentrum auf der Erfurter Messe neben Immunisierungen mit Termin auch spontane Impfungen an. Allein am Samstag haben nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 4100 Menschen eine COVID-19-Schutzimpfung erhalten.

Am Montag starten in Thüringen auch die Auffrischungsimpfungen in den Pflegeheimen. Dafür wurde die Zahl der mobilen Teams von bislang 15 auf 25 aufgestockt. Ein erstes Team ist am Montag in einem Pflegeheim in Eisenach im Einsatz. (dpa)

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