Börse

Crash, kein Crash, Crash...?

Eine Dekade währt nun schon der Boom an den Börsen. Skeptiker sehen deshalb die Gefahr eines Crashs wachsen. Optimisten hingegen erwarten, dass die Geldpolitik der Notenbank die Nachfrage nach Aktien anhalten lässt.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 24.01.2020, 15:30 Uhr
Crash, kein Crash, Crash...?

Analysten rechnen nicht mit einer Zinsanhebung durch die EZB. Bei Aktien werden Risiken und Chancen unterschiedlich bewertet.

© tom / Stock.Adobe.com

Neu-Isenburg. Auf den ersten Blick sieht es nicht rosig aus für die Aktienmärkte in diesem Jahr. Die von den USA geschürten Handelskonflikte mit China und Europa belasten die globale Konjunktur. Zudem geht der Aufwärtstrend an den Börsen in das zehnte Jahr. Seit 2010 hat der deutsche Leitindex Dax 123 Prozent gewonnen, der Dow Jones in New York sogar 171 Prozent. Diese Gemengelage werfe die Frage auf: „Wie lange kann das noch so weitergehen?“, sagt Uwe Zimmer, Geschäftsführer des Kölner Vermögensverwalters Fundamental Capital.

Die Geschichte bestätigt, was der gesunde Menschenverstand sich getreu der Devise „nach Regen folgt Sonnenschein“ schon gedacht hat: An den Börsen folgt auf jeden Boom ein Crash. Zuletzt waren die Aktienmärkte rund um den Globus mit der Finanzkrise von 2008 um mehr als 40 Prozent eingebrochen, davor im Jahr 2001, als die Internet-Blase platzte.

Skeptiker wähnen den nächsten heftigen Kollaps in nicht allzu ferner Zukunft. Mit den heftigen Kursanstiegen der vergangenen Dekade seien viele Aktien sehr teuer geworden, sagt Zimmer. „Die Bewertung mancher Unternehmen ist so hoch, dass selbst in Jahrzehnten der Einstiegspreis nicht aus den Dividenden zurückverdient werden kann.“

Stabiles Nullzinsumfeld erwartet

Deutlicher optimistischer ist hingegen Otmar Lang, Chefvolkswirt der Düsseldorfer Targobank. Trotz der internationalen Spannungen deuteten derzeit alle Indikatoren darauf hin, dass die Konjunktur in der Eurozone leicht anziehen werde. Das dürfte die Gewinne der Unternehmen stützen, so dass die Dividenden auf Vorjahresniveau verharren oder leicht steigen könnten. Gleichzeitig werde das Wachstum jedoch nicht so stark ausfallen, um die Inflation in die Höhe zu treiben. „In diesem Umfeld wird sich die Europäische Zentralbank in 2020 nicht bewegen und auch für 2021 keine Zinsanhebung andeuten“, sagt Lang.

Die von manchen vertretene These, eine weltweite Rezession sei kurzfristig unvermeidlich, ja schicksalhaft, ist alles andere als zwingend.

Patrick Franke, Ökonom der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba)

Solange der Leitzins in der Eurozone jedoch bei Null Prozent verharrt, werden Staatsanleihen keine nennenswerten Erträge abwerfen. Auf der Jagd nach Renditen kämen Investoren deshalb um Aktien mit ihren Dividenden nicht herum. Dabei könne es sogar eine positive Überraschung geben: „Sollte das Wirtschaftswachstum stärker anziehen als bisher prognostiziert, würden sich Anleger von Anleihen trennen und verstärkt in Aktien gehen“, sagt Lang. „Ein Plus von mehr als zehn Prozent beim DAX wäre dann möglich.“

Ähnlich schätzt Patrick Franke, Ökonom der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die Situation ein: „Die von manchen vertretene These, eine weltweite Rezession sei kurzfristig unvermeidlich, ja schicksalhaft, ist alles andere als zwingend.“ Die Wirtschaft in Deutschland und der Eurozone dürfte 2020 um ein bis 1,3 Prozent wachsen. Dies sei zu gering für die EZB, um den Leitzins anzuheben und ihre Anleihekäufe zur Stützung der europäischen Konjunktur zu beenden. „Die globale Konjunktur wird sich fangen und die Expansion fortsetzen, wenn auch mit überschaubarer Dynamik“, sagt Franke. Der DAX dürfte deshalb zum Jahresende bei rund 13 500 Zählern notieren – und damit in etwa auf dem gegenwärtigen Stand.

Wertanlagen rücken in den Fokus

Allerdings könnte es dabei eine Rotation unter den gefragten Aktien geben, sagt Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Bank Asset Management in Frankfurt am Main. „Nachdem lange Wachstumsaktien im Mittelpunkt standen, könnten Anleger ihr Augenmerk nun verstärkt auf Value-Aktien richten.“

Wachstumsaktien sind Papiere von Unternehmen, die schnell Marktanteile gewinnen und ihren Umsatz im zweistelligen Prozentbereich steigern. Traditionell zahlen diese Unternehmen keine oder nur geringe Dividenden. Dazu zählen vor allem Technologiewerte wie der Google-Mutterkonzern Alphabet. Value-Unternehmen hingegen sind bereits seit langem am Markt etabliert, so dass ihre Umsätze nur noch im einstelligen Prozentbereich zulegen. Dafür glänzen diese Unternehmen mit langjährigen Dividendenzahlungen. Dazu zählen Chemie- und Pharmawerte wie etwa BASF und Merck sowie Anbieter von Produkten des täglichen Bedarfs wie der Klebstoff- und Reinigungsmittelspezialist Henkel oder der niederländische Nahrungsmittelkonzern Unilever.

„Seit 2014 haben die Aktienkurse von Wachstumsaktien weltweit im Schnitt um 65,3 Prozent zugelegt, die von Value-Aktien im Schnitt nur um lediglich 35,8 Prozent“, sagt Andersen. „Historisch gesehen hat sich jedoch das Gleichgewicht zwischen Wachstums- und Value-Aktien in Wellen bewegt.“ Deshalb dürften Value-Aktien künftig stärker zulegen, während die Kurse von Wachstumsaktien eher verhalten steigen dürften.

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