Japan

Datenleck bei staatlicher Krankenversicherung

In Japan sind Krankenversicherungsdaten geklaut und verkauft worden. Das wirft Schatten auf die Digitalisierungspläne.

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TOKIO. Es ist womöglich Japans bisher schwerwiegendster Fall von Datenklau, der nun ans Licht kam: Listen mit persönlichen Informationen von rund 103.000 Menschen, darunter die Nummern ihrer staatlichen Krankenversicherung, wurden bereits seit 2008 geklaut und zum Teil weiterverkauft.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums, das eine Untersuchung eingeleitet hat, handele es sich dabei wahrscheinlich um Listen, die Krankenhäuser und Apotheken erstellt haben. Dort sind der Name, die Adresse, das Geburtsdatum und zum Teil die Telefonnummer verzeichnet.

Ein Leck, bei dem Daten im Zusammenhang mit ärztlicher Behandlung in einem solchen Ausmaß gestohlen wurden, habe es bisher nicht gegeben, sagte Harumichi Yuasa, Professor an einem Institut für Informationssicherheit in Yokohama, der japanischen Nachrichtenagentur "Kyodo".

Die Daten, die an die Öffentlichkeit gelangten, stammen von Bürgern aus 46 der 47 Präfekturen, vor allem aus Zentraljapan. Am stärksten betroffen ist mit 37.000 Opfern Osaka, gefolgt von den nahegelegenen Präfekturen Nara und Shiga.

Auch Krankenversicherungsnummern gestohlen

Ein Vertreter eines Unternehmens, das sich auf Adressverkauf spezialisiert hat, sagte gegenüber "Kyodo", dass sein Unternehmen solche Daten von einem anderen Broker bereits im Dezember 2008 erworben und zum Teil weiterverkauft hatte - und das, obwohl man sich damals gewundert habe, wie sensibel die angekauften Daten gewesen seien.

Der neuerliche Datenskandal kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für die japanische Regierung. Seit Monaten steht sie in der Kritik für das "My Number"-System, das diesen Januar angelaufen ist. Jedem Bürger wurde eine zwölfstellige Identitätsnummer für Sozialversicherungs- und Steuerzwecke zugeteilt.

Arbeitgeber müssen diese für die Datenverwaltung verwenden. Es ist geplant, dass medizinische Einrichtungen künftig gemeinsam auf Daten zugreifen können sollen.

Sogar Bankkonten sollen ab 2018 auf freiwilliger Basis mit der persönlichen Nummer verknüpft werden. Datenschützer laufen Sturm dagegen, zumal es immer wieder massive Fälle von Datenklau gegeben hat.

Zuletzt musste das private Unternehmen Benesse, einer der größten Dienstleister im Bildungsbereich in Japan, zugeben, dass große Datenmengen veruntreut wurden. Über 28 Millionen Japaner waren betroffen.

Am Datendiebstahl dieses Mal ist besonders heikel, dass darunter Krankenversicherungsnummern waren. Diese dienen in Japan zur persönlichen Identifikation.

Sie können dazu verwendet werden, um Bankkonten zu eröffnen und Kreditkarten zu beantragen. Ist jemand im Besitz der nötigen Informationen, könnte eine Krankenversicherungskarte leicht neu ausgestellt und für Betrug benutzt werden. (bso)

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