Der Umgang mit Journalisten will gelernt sein

Mit einer gelungenen Pressearbeit können Praxischefs es schaffen, sich und ihr Team vor pauschalen Anschuldigungen von Patientenseite zu schützen, wenn die Medien mal wieder gegen Ärzte schießen. Pressearbeit können Ärzte zum Beispiel in Seminaren lernen.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Ärzte sind nicht nur im Lokalfunk gefragte Ansprechpartner für Gesundheitsthemen.

Ärzte sind nicht nur im Lokalfunk gefragte Ansprechpartner für Gesundheitsthemen.

© Foto: Vladimir Mucibabicwww.fotolia.de

Ärzte stoßen zunehmend in den Medien auf Gegenwind, etwa, wenn es um das Debakel der Honorarreform geht. Schnell kann es dann passieren, dass Patienten Unmut in die Praxis tragen und mediale Aussagen auf das Praxisteam übertragen. Hier ist Prävention angesagt - im Sinne von Pressearbeit für die Praxis.

Wichtig ist, das Anliegen deutlich zu transportieren

Pressearbeit kann man lernen. Voraussetzung für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit ist, dass Journalisten verstehen, was Ärzte ihnen mitteilen wollen. Das Problem: In vielen Redaktionen wurde in den vergangenen Jahren Personal abgebaut. Redakteure haben somit immer weniger Zeit, Informationen, die sie bekommen, für ihre Leser aufzubereiten.

"Signalisieren Sie uns gute Themen und Ansprechpartner, dann berichten wir auch darüber", sagte Matthias Röder, Leiter des Landesbüros Hessen der Deutschen PresseAgentur (dpa), kürzlich auf dem 3. Frankfurter Forum für Gesundheitskommunikation.

"Katastrophal" kommen seiner Meinung nach Pressemitteilungen an, die sich nicht an eine breite Öffentlichkeit richten. "Uns interessieren in der Regel nicht die Bilanzen oder ein Personalwechsel in der Chefarztetage." Interessanter seien die Geschichten dahinter: Etwa über die Logistik der Klinik-Apotheke. Auch aus der einzelnen Arztpraxis können spannende Themenanreize kommen. Ankommen würden Gesundheitsthemen auch immer dann, wenn es um den Geldbeutel der Menschen geht. "Wenn die Krankenversicherung wieder teuerer wird, dann berichten wir darüber."

Beim privaten Fernsehsender RTL in Köln landen nur Neuigkeiten, die auch einen Gebrauchswert haben. "News to use ist das Stichwort", so RTL-Redakteur Mark Kohlbecher. "Unsere Nachrichten sollen den Zuschauern auch etwas bringen." Zudem müssten in den Berichten Emotionen transportiert werden. "Wenn wir über eine Krankheit berichten, müssen wir auch Patienten zeigen, die daran leiden." Ansonsten, so die Erfahrung des TV-Redakteurs, habe die Berichterstattung über Gesundheitsthemen bei seinem Sender deutlich abgenommen. "Früher gab es in ‚RTL aktuell‘ jeden Tag ein Gesundheitsthema, heute ist das selten geworden."

"Man braucht zu jeder Geschichte ein Gesicht" - diese Erfahrung hat Gabriele Eberle gemacht. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit des Gesundheitskonzerns "MediClin" in Offenburg zuständig. Besonders gut laufen ihrer Meinung nach Themen wie Wellness, Gesundheit und Ernährung, wenn die Themen "kompetent nach außen vertreten werden". Einige Ärzte des Konzerns - zu "MediClin" gehören bundesweit 33 Akut- und Rehakliniken, sieben Pflegeeinrichtungen und vier Medizinische Versorgungszentren - haben deshalb ein spezielles Medientraining hinter sich. "Wir haben dazu einen Rundfunk-Nachrichtensprecher ins Haus geholt", so Gabriele Eberle. Er übte mit den Chefärzten ein, wie knappe und präzise Statements gemacht werden - für einen Beitrag im Rundfunk oder Fernsehen bleiben ihnen im Schnitt etwa 20 Sekunden, um das Wichtigste zu vermitteln.

Auch Detlef Hans Francke von der Agentur "FuP Kommunikation" bietet Workshops an, in denen Ärzte lernen, wie sie unter Zeitdruck und in schwierigen Situationen einen "kühlen Kopf" behalten können. "Krisen kommen meist überraschend und man muss sofort reagieren", sagt Francke. Ein negatives Medienecho rührt nach Einschätzung der Schweizer Beraterin Karin Müller auch daher, dass viele Journalisten zu wenig von der Komplexität der Themen verstehen. "Damit handelt es sich um ein klassisches Kommunikationsproblem", so Müller im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Abtauchen ist in der Krise die schlechteste Alternative

Grundsätzlich gelte für die Pressearbeit: Nichts verheimlichen und auch in schwierigen Situationen jederzeit für Interviews zur Verfügung stehen. Dies gelte für den Chef einer Praxis in einer Großstadt ebenso wie für einen auf dem Land niedergelassenen Arzt: "Ein Landarzt ist normalerweise sogar noch mehr in sein Umfeld eingebettet. Man kennt ihn. In einer Klinik in der Großstadt können Verantwortliche noch eher abtauchen. Auf dem Land geht das nicht."

www.fup-kommunikation.de und www.km-kommunikation.ch

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?