Chancen für Fondsanleger

Deutsche Börse mischt Indices auf

Börsennotierte Fonds (ETF) auf die deutschen Aktienindices TecDax, MDax und SDax bergen künftig höhere Risiken. Trotz höherer Kosten können deshalb aktiv gemanagte Fonds jetzt interessanter werden.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
MDax, SDax und TecDax werden demnächst neu zusammengesetzt.

MDax, SDax und TecDax werden demnächst neu zusammengesetzt.

© Bildagentur-online/Schoening

NEU-ISENBURG. Ende kommenden Monats werden die Karten für die deutschen Aktienindices neu gemischt. Das kann erhebliche Konsequenzen für Anleger haben, die in börsennotierte Indexfonds investiert sind.

"Anleger sollten sich darüber klar werden, ob und in welcher Form der Umbau Auswirkungen auf ihr Depot haben wird", sagt Sebastian Gebhardt, Stratege bei der ICM Independent Capital Vermögensberatung in Neuss.

Mit dem 24. September beendet die Deutsche Börse die bisherige Trennung zwischen den Segmenten Technologie und Classic. "Somit können auch Unternehmen aus dem Technologiesegment in den MDax und den SDax aufgenommen werden", erläutert ein Sprecher der Deutschen Börse.

 "Zum anderen können Dax-Unternehmen, die den Technologie-Sektoren zugeordnet sind, auch in den TechDax aufgenommen werden." Darüber hinaus steigt die Anzahl der Werte, die im MDax, dem Index der mittelgroßen Unternehmen, vertreten sind, von 50 auf 60.

Im SDax, dem Index der kleinen börsennotierten Firmen, wächst die Anzahl der Konstituenten sogar von 50 auf 70. Unverändert bleibt die Anzahl der im Leitindex Dax sowie im Technologieindex TecDax gelisteten Werte (jeweils 30).

Mehrfachlistung durchaus üblich

Dass die Technologieunternehmen eines Landes in gleich mehreren Indices vertreten sind, ist international nicht ungewöhnlich.

"In den USA sind etwa Apple, Amazon, die Google-Mutter Alphabet, Facebook und Microsoft im Nasdaq gelistet, der den Schwerpunkt auf den Technologiesektor legt", sagt Ralph Rickassel, Stratege bei PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf.

"Alle fünf Konzerne finden sich aber auch im S&P 500 wieder, der die fünfhundert größten Unternehmen der USA abbildet." Darüber hinaus sind Apple und Microsoft zudem im Dow Jones vertreten, der die Kursentwicklung der 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Vereinigten Staaten widerspiegelt.

Auch in Deutschland werden also künftig mehrere Unternehmen gleichzeitig in verschiedenen Indices gelistet sein. "Voraussichtlich werden die Aktien der Deutschen Telekom, des Softwarekonzerns SAP und des Halbleiterherstellers Infineon sowohl  – wie bisher – im Dax als auch im TecDax gelistet sein", sagt Rickassel. "Darüber hinaus dürften einige Unternehmen aus dem TecDax künftig auch im MDax und SDax vertreten sein."

Von der Anpassung seien Anleger kaum betroffen, die entweder direkt in einzelne Aktien oder in aktiv gemanagte Fonds investieren, so Rickassel.

"Da die Manager dieser Fonds einzelne, aus ihrer Sicht aussichtsreiche Titel kaufen, dürften aktiv verwaltete Fonds von den neuen Regeln kaum berührt werden", da die Indexumgestaltung die Kursentwicklung einzelner Werte nachhaltig nicht beeinflusse.

Anders sieht es bei börsennotierten Indexfonds aus. Die im englischsprachigen Finanzjargon "Exchange Traded Funds", kurz ETF, genannten Anlagevehikel bilden Indices nur passiv nach.

Deshalb fallen nur minimale Gebühren an. Da die Anteile zudem ausschließlich an der Börse gehandelt werden, entfällt auch der Ausgabeaufschlag. Allerdings verändert sich mit der Neuregelung der Charakter einzelner Indices massiv.

Risiken für ETF auf kleine Indices

"Den TecDax werden künftig die neuen Schwergewichte aus dem Dax dominieren", postuliert Uwe Eilers, Geschäftsführer der Anlageberatungsgesellschaft FV Frankfurter Vermögen. "Die kleineren Unternehmen werden zu unwichtigen Mauerblümchen degradiert."

Gleichzeitig dürften MDax und SDax künftig stärker von Technologiewerten dominiert werden. Das könnte Konsequenzen für die Kursentwicklung von ETF auf diese Indices haben.

Der TecDax würde deutlich nachgeben, sollte die Aktie eines großen Konzerns fallen. MDax und SDax könnten künftig leichter Kursverluste erleiden, sollten Tech-Aktien generell unter Druck geraten.

Anleger, die diese Risiken meiden wollen, sollten ETF auf die drei kleineren Indices meiden. "Sie können entweder Einzelwerte kaufen oder aktiv gemanagte Fonds ihrem Portfolio beimischen", so Stratege Gebhardt.

Allerdings fallen bei diesen Fonds Gebühren von teilweise mehr als zwei Prozent pro Jahr an. Gebhardt: "Die muss das Management dann erst einmal erwirtschaften".

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