Klinik-Management

Deutsche Kliniken buhlen um Scheichs und Oligarchen

Betuchte Scheichs in deutschen Krankenhausbetten: Diese Sparte des Medizintourismus ist noch ein Rand segment. Doch es wächst - und ist nicht nur für Kliniken interessant.

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BERLIN (dpa). Als die Berliner Vivantes-Krankenhäuser 2009 zwei Kliniken mit 200 Betten für Patienten aus dem Ausland eröffneten, gab es hämische Kommentare: Die kriegt ihr doch nie voll. Inzwischen gibt es Wartelisten, besonders gern kommen Russen.

Auch an der Berliner Charité ist der Anteil ausländischer Patienten 2010 um 20 Prozent gewachsen. Das sind Beispiele für den Sektor Medizintourismus, der nach den jüngsten Zahlen für die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) 2009 rund 71.000 Patienten aus 173 Ländern nach Deutschland lockten - 3000 mehr als im Jahr zuvor.

In Berlin sind Krebsbehandlungen, Transplantationen, Neurochirurgie und Kardiologie besonders gefragt, teilte die Tourismuswerbeagentur Visit Berlin mit.

Bundesländer wie Bayern sind Platzhirsche beim Thema Medizin für Patienten aus dem Ausland - bis zu 17.000 Patienten kommen pro Jahr dorthin. In Berlin sind es bisher erst 3500, doch die Hauptstadt arbeitet an sich: Kliniken bieten neben Medizin inzwischen auch Visa- und Reiseservice.

Anteil der Patienten unter einem Prozent

Für mitreisende Angehörige werden gute Hotels gebucht. Dass Medizintouristen und ihr Anhang oft zehn bis 14 Tage bleiben, freut die Tourismusmanager. Städtetouristen sind nach zwei Tagen wieder weg.

Besonders häufig kommen in deutsche Kliniken nach Angaben der Tourismuszentrale Niederländer, Franzosen, Österreicher und Polen. Die attraktivsten Herkunftländer aus Sicht der Kliniken sind jedoch Russland, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Dennoch macht der durchschnittliche Anteil ausländischer Patienten in deutschen Krankenhäusern erst 0,4 Prozent aus. Ihr Anteil am Gesamtumsatz der Kliniken lag oft unter einem Prozent.

Auch wenn sich diese Zahlen vergrößern sollten, herrscht Realismus vor. "Mit ausländischen Patienten lässt sich das deutsche Gesundheitssystem nicht retten. Das ist absurd", sagt Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

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