Saison

Die Börsen-Sonne geht im Herbst auf

Von November bis April verzeichnen die Aktienmärkte traditionell die höchsten Kursgewinne im Jahresverlauf. Die internationalen Handelskonflikte belasten zunehmend die globale Wirtschaft.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 22.11.2019, 15:32 Uhr
Die Börsen-Sonne geht im Herbst auf

„...return in November“ – Wenn es Herbst wird, geht an der Börse die Sonne auf.

© Smileus / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Wer als Anleger daran glaubt, dass sich aus statistischen Daten der Vergangenheit die wahrscheinliche Zukunft an den Börsen ableiten lässt, sollte jetzt stärker in Aktien investieren. „Die Zeit von November bis Ende April ist seit Jahrzehnten die traditionell ertragreichste Phase an den Börsen“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.

Von 1950 bis 2017 hätten Aktien in diesen Monaten im Schnitt 7,5 Prozent Kurssteigerungen erzielt. Wären im November vor 67 Jahren 10.000 Euro in Aktien angelegt und die Wertpapiere jeweils Ende April des Folgejahres wieder verkauft worden, wäre daraus ein Betrag „von einer Million Euro angewachsen“, rechnet Albrech vor. „Wäre ein Anleger in diesen 67 Jahren hingegen immer nur von Anfang Mai bis Ende Oktober an der Börse investiert gewesen, wären aus den 10.000 Euro nur 11.000 Euro geworden.“

Ausschüttung pusht Aktienkäufe

Diese Daten, seit Jahrzehnten immer wieder von Analysten und Ökonomen untersucht, haben zu einer bekannten Börsenweisheit geführt: „Sell in May and go away, but remember to return in November“ – frei übersetzt: Verkaufe im Mai und mache Urlaub, aber vergiss nicht, im November wieder an die Börse zurückzukehren. Und: Die Regel gelte für alle Aktienmärkte der Welt, hat der britische Ökonom Ben Jacobsen von der Universität Edinburgh herausgefunden.

Die Zeit von November bis Ende April ist seit Jahrzehnten die traditionell ertragreichste Phase an den Börsen.

Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.

Die wahrscheinlichen Gründe für die saisonal unterschiedlichen Kursentwicklungen an den Börsen: Fondsgesellschaften schütten um den Jahreswechsel herum ihre aus Dividenden und Kurssteigerungen erzielten Gewinne an ihre Kunden aus. Die meisten von ihnen reinvestieren dieses Geld erneut in die Fonds. Das zwingt diese, von November bis in das Frühjahr hinein weitere Aktien zu kaufen. Andere Investoren setzen auf diesen Effekt und erwerben in dieser Zeit ebenfalls Wertpapiere. Die starke Nachfrage treibt deshalb die Börsennotierungen in die Höhe.

Selbst in schwachen Börsenjahren trifft die Regel weitgehend zu: Von Mitte November 2018 bis Ende April dieses Jahres standen die Aktienmärkte zeitweise massiv unter Druck, wegen der von US-Präsident Donald Trump geführten Handelskriege gegen China und die EU. Dennoch legte der deutsche Leitindex Dax der 30 größten börsennotierten Konzerne in dieser Zeit um immerhin noch vier Prozent zu.

Für steigende Aktienkurse in den kommenden Monaten könnte noch eine weitere statistische Auffälligkeit sorgen, sagt Albrech. Im November 2020 sind Präsidentschaftswahlen in den USA. „Diese Wahljahre gelten mit einem mittleren Zugewinn von sechs Prozent an den US-Aktienmärkten als zweitstärkste Börsenjahre.“ Noch stärker legten die amerikanischen Indizes im historischen Schnitt nur in den Jahren vor der Präsidentschaftswahl mit einem Plus von durchschnittlich knapp zehn Prozent zu. Die historische Statistik trifft bislang für dieses Jahr mehr als zu. Der US-Leitindex Dow Jones hat seit Jahresbeginn knapp 20 Prozent gewonnen, der deutsche Dax sogar 25 Prozent.

Allerdings sehen nicht alle Experten die kommenden Börsenmonate mit rosaroter Brille. Denn die Handelskonflikte belasten zunehmend die Weltkonjunktur und damit Umsatz und Gewinn der Unternehmen. „Viele Wirtschaftsdaten haben sich abgeschwächt“, weiß Marc Sattler, Vorstand Investmentresearch bei der Bank für Vermögen in Oberursel. „Wir rechnen bei den Aktienmärkten im aktuellen, sehr unsicheren Umfeld, kaum noch mit nachhaltigen Kurssteigerungen.“

Defensive Papiere gefragt

Deshalb rät Sattler zu sogenannten defensiven Aktien – Papiere von Unternehmen aus Pharma- und Gesundheitsbranche, Nahrungsmittelproduzenten und Energieversorgern. Deren Geschäfte sind kaum von Konjunkturzyklen abhängig, da Menschen immer Medikamente, Lebensmittel und Strom benötigen.

„Die Anzeichen einer weltweiten Rezession mehren sich“, sagt auch Ian Mortimer, Fondsmanager bei der britischen Investmentgesellschaft Guinness Asset Management. Anleger sollten deshalb Aktien „in den Blick nehmen, die sich unabhängig von geopolitischen Ereignissen gut entwickeln“ dürften. Dazu zählt Mortimer Konsumengüterproduzenten wie den Waschmittel- und Klebstoffhersteller Henkel oder den US-Haushaltsmittelhersteller Procter & Gamble.

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