Einnahmeausfälle durch COVID-19

„Die PKV ist auf keinen Fall eine Krisengewinnerin“

Die Debeka untermauert die Position des PKV-Verbandes in puncto Corona-Krisenbewältigung mit eigenen Zahlen. Und mahnt: Die Pandemie zeige jedem spätestens jetzt, dass Bürgerversicherungsideen blanker Unsinn seien.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Allenfalls Ärzteträume? Bisher bleibt das vermeintliche Füllhorn der PKV-Branche noch unberührt stehen.

Allenfalls Ärzteträume? Bisher bleibt das vermeintliche Füllhorn der PKV-Branche noch unberührt stehen.

© Lightboxx / stock.adobe.com

Koblenz. Die Debeka, Marktführer in der privaten Krankenversicherung (PKV), weist den Vorwurf zurück, die PKV profitiere wegen sinkender Leistungsausgaben von der Corona-Pandemie. „Die PKV ist auf keinen Fall ein Krisengewinner“, sagt Vorstand Roland Weber im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

Vertreter aus Ärzteschaft, Politik und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) werfen der PKV vor, sich anders als die GKV nicht ausreichend an der Bewältigung der Krisenfolgen zu beteiligen, obwohl es ihr nutze, dass die Zahl der Behandlungen gesunken ist. Der PKV-Verband hat diese Kritik bereits zurückgewiesen.

Nur leichter Rückgang Leistungsaugaben im 2. Quartal

Sie sei nicht durch Fakten zu belegen, betont auch Weber. Zwar habe es bei der Debeka im zweiten Quartal einen leichten Rückgang der Leistungsausgaben um 7 Millionen Euro gegeben, ihm habe im ersten Quartal aber ein Plus von 81 Millionen Euro gegenübergestanden. Im ersten Halbjahr haben sich die Aufwendungen insgesamt um 3,1 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro erhöht. Bei den ambulanten ärztlichen Leistungen gab es ein Plus von 2,0 Prozent, bei Arzneimitteln von 10,7 Prozent, bei allgemeinen stationären Leistungen von 2,6 Prozent und bei der Chefarztbehandlung von 0,6 Prozent. Lediglich bei den zahnärztlichen Leistungen verzeichnete der Versicherer einen Rückgang um 1,8 Prozent.

Die Leistungsausgaben entwickeln sich uneinheitlich. Im April 2020 hat die Debeka für die ambulante ärztliche Behandlung 143 Millionen Euro ausgegeben, verglichen mit 121 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Im Mai sanken die Ausgaben von 144 Millionen Euro auf 107 Millionen Euro, im Juni waren es mit 109 Millionen Euro leicht mehr als im Vorjahr (108 Millionen Euro). Weber verweist darauf, dass die Kunden die Rechnungen heute früher einreichen als noch vor einigen Jahren. Mit wenigen Ausnahmen erstellten die Ärzte beziehungsweise die Privatärztlichen Verrechnungsstellen die Rechnungen monatlich.

6,6 Millionen Euro Corona-Kosten durch Hospitalisierung

Die Zahl der Hüft- und Knie-TEPs bei Debeka-Kunden hat sich im April halbiert, im Mai war es nur noch ein Drittel weniger, im Juni hat sich der Trend weiter abgeschwächt. „Die Kosten eines durchschnittlichen Krankenhausaufenthaltes lagen im Mai 2020 bei 4700 Euro, im Mai 2019 waren es 3900 Euro“, berichtet Weber. Bei der Debeka gab es 2234 Krankenhausfälle mit Corona-Diagnosen, dafür gab der Versicherer 6,6 Millionen Euro aus.

Beim Krankentagegeld verzeichnet das Koblenzer Unternehmen einen deutlichen Anstieg. Die Leistungen für Selbstständige in vom Lockdown betroffenen Bereichen wie der Gastronomie oder dem Eventmanagement sind um 50 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Anträge auf eine Pflegebegutachtung um 30 Prozent zurückgegangen.

Es sei zu früh abzuschätzen, wie die Bilanz am Jahresende ausfallen wird, sagt Weber. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass auch die PKV Sonderzahlungen leistet, um die Folgen der Pandemie für das Gesundheitswesen abzufedern. Er nennt die Zusatzzahlungen bei Krankenhausentgelten und die Hygienepauschalen bei niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten. Für den Hygienezuschlag von 50 Euro bei jedem Krankenhausfall hat die Debeka bislang 2,1 Millionen Euro ausgegeben.

„Wenn wir durch weniger Behandlungsfälle Einsparungen haben, dann geben wir sie an die Versicherten zurück“, betont Weber. Das geschehe über Beitragsrückerstattungen und geringere Prämienanpassungen.

Für Debeka-Chef Thomas Brahm spielt das duale System aus privater und gesetzlicher Krankenversicherung eine wichtige Rolle für die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems und damit auch für die gute Krisenbewältigung. „Wer angesichts der aktuellen Erfahrungen noch immer nach einer staatlich organisierten Bürgerversicherung ruft, wie sie etwa in England mit dem National Health Service besteht, verkennt die Folgen, die ein solches System auch in Deutschland für die Patienten hätte.“

Knapp 2,5 Millionen Vollversicherungen

Freuen kann sich Brahm über die gute Entwicklung der Debeka im Kerngeschäftsfeld Vollversicherung. Im ersten Halbjahr 2020 schlossen Kunden 34.500 neue Policen ab, das waren fast so viele wie die 35.600 ein Jahr zuvor. Der Bestand erhöhte sich um 15.000 auf knapp 2,5 Millionen Vollversicherungen. Mehr als jeder vierte Privatversicherte sei Debeka-Mitglied, sagt Brahm. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr unseren Marktanteil von knapp 28 Prozent weiter ausbauen werden.“
Mehr zum Thema

Arzneimittelpolitik

Hersteller laufen Sturm gegen Biosimilar-Austausch

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
In einem offenen Brief an Lauterbach fordern Ärzte, die TI noch einmal grundsätzlich zu überdenken.

© ©CGM

Gastbeitrag zur Digitalisierung

Offener Brief an Lauterbach: TI sollte gestoppt werden