Ein Anlageklassiker wird wiederentdeckt

Totgesagte leben länger: Die klassische Lebensversicherung ist zurück. Lange wurde sie als verstaubte Kapitalanlage, ja, als Renditegrab geschmäht. Doch im Zuge der Finanzkrise ist die Versicherung wieder attraktiv geworden. Aus gutem Grund.

Von Anja Krüger Veröffentlicht:

Die Welt der Lebensversicherung ist nicht leicht zu durchschauen. Ärzte können zwischen einer ganzen Palette verschiedenartiger Angebote wählen. Die vergleichsweise günstige Risikolebensversicherung ist ausschließlich zur Deckung des Todesfallrisikos gedacht. Erlebt die versicherte Person den Ablauf des Vertrags, sind die gezahlten Prämien weg.

Rendite oder Sicherheit - oder geht doch beides? Themen für ein Beratungsgespräch. © 12foto.de / Fotolia.com

Rendite oder Sicherheit - oder geht doch beides? Themen für ein Beratungsgespräch. © 12foto.de / Fotolia.com

© 12foto.de / Fotolia.com

Das ist bei einer vermögensbildenden Lebensversicherung auf den ersten Blick anders. Der Kunde erhält bei Vertragsende die für ihn angesparte Summe vom Anbieter. Stirbt er vorher, bekommen die Begünstigten die festgelegte Versicherungssumme, die in der Regel geringer ist als bei einer Risikolebensversicherung. Denn Hauptzweck der Police ist nicht der Risikoschutz, sondern der Vermögensaufbau. Der Anteil der Prämie, der für das Todesfallrisiko verwendet wird, ist auch hier bei Ablauf verloren.

Bei den Policen zur Kapitalbildung für die Altersvorsorge, für eine große Anschaffung oder für die Ablösung eines Kredits wiederum gibt es zwei verschiedene Varianten: die klassische und die fondsgebundene Lebensversicherung. Bei klassischen Policen erhält der Kunde auf den Sparanteil seiner Prämie eine jährliche Garantieverzinsung, die der Versicherer für die gesamte Laufzeit des Vertrags zusagt. Die maximale Höhe, die von fast allen Anbietern aus Wettbewerbsgründen gewährt wird, legt das Bundesfinanzministerium nach einem festgelegten Schlüssel fest. Sie liegt zurzeit bei 2,25 Prozent, bei älteren Verträgen ist sie höher und kann bis zu vier Prozent betragen.

4,2 Prozent im Schnitt zahlten Versicherer 2009

Darüber hinaus bekommen Kunden jährlich eine Gewinnbeteiligung gutgeschrieben. Das ergibt zusammen die sogenannte Überschussbeteiligung. Sie liegt im Jahr 2009 im Branchenschnitt nach Angaben der Kölner Ratingagentur Assekurata bei 4,2 Prozent. Hat der Versicherer die Überschussbeteiligung einmal gutgeschrieben, kann er sie Kunden nicht mehr wegnehmen. Durch diesen Mechanismus haben Kunden mit klassischen Lebens- und Rentenversicherungen in der Finanzkrise keine Federn lassen müssen.

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen sieht die Sache ganz anders aus: Hier trägt allein der Kunde das Kapitalanlagerisiko. Die Anbieter werben für die Verträge mit dem Argument, dass sie dadurch auch höhere Renditechancen als bei klassischen Policen haben. Der Absatz der fondsgebundenen Policen stieg kontinuierlich, der Verkauf der klassischen sank - bis zum Beginn der Finanzkrise.

Seitdem steigt die Nachfrage nach den Klassikern. "Viele Kunden legen großen Wert auf Sicherheit", sagt Dirk Dettbarn vom Leitungsteam Vorsorgemanagement beim Versicherungsmakler Ecclesia, der im Besitz der Kirchen ist.

Sicherheit wird heute höher geschätzt als vor drei Jahren

Für die Versicherer sind die fondsgebundenen Verträge praktisch. Sie haben nicht das Problem, heute Garantien für Jahrzehnte laufende Verträge aussprechen zu müssen, von denen sie nicht wissen, ob sie sie am Kapitalmarkt verdienen können. Deshalb haben die Anbieter sie gerne in den Beständen und sie auch fleißig verkauft.

Verbraucherschützer halten nicht viel von fondsgebundenen Versicherungen, weil sie für Kunden teuer und unsicher zugleich sind. Obwohl die klassischen Policen Sicherheit versprechen und bieten, standen sie auch lange mit diesen Verträgen auf Kriegsfuß. "Früher wurden klassische Lebensversicherungen gerne als Teufelszeug gebrandmarkt", sagt Hans-Ludger Sandkühler, Vorsitzender des Bundesverbandes mittelständischer Versicherungs- und Finanzmakler. Verbraucherschützern und Beratern galten die Policen als zu renditeschwach.

"Diese Einschätzung hat sich geändert", sagt er. Denn die Finanzkrise hat gezeigt, dass andere Kapitalanlagen nicht nur theoretisch hohe Risiken in sich bergen. "Eine klassische Lebensversicherung dagegen ist sicher und der Kunde bekommt eine solide Überschussbeteiligung", sagt Sandkühler. Allerdings haben die Verträge auch Macken. Sie sind für Verbraucher kaum zu durchschauen und oft mit hohen Kosten belastet.

Deshalb ist die genaue Auswahl für den Kunden vor dem Abschluss wichtig. Über die Kosten etwa für Verwaltung und Provision können sich Ärzte im sogenannten Produktinformationsblatt zu den Verträgen ein Bild machen.


(akr)

Lesen Sie dazu auch: Flexibles Konsortium soll hohe Rendite dauerhaft gewährleisten

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Geldtipp-Podcast Pferdchen trifft Fuchs

Welche Anlageklassen sich 2026 lohnen

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe