Neuer Hausarzt-EBM

Enttäuschung in Nordrhein

In Nordrhein zeigen die Abrechnungsergebnisse des vierten Quartals 2013 große Abweichungen zwischen der KBV-Simulation und den Echtdaten. KV-Chef Bernhard Brautmeier sieht sich damit in den Bedenken der KVNo gegen die EBM-Reform bestätigt.

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Ernüchternde Analyse des Hausarzt-EBM in Nordrhein.

Ernüchternde Analyse des Hausarzt-EBM in Nordrhein.

© George M Muresan /iStock

KÖLN. In der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) haben die ersten Abrechnungsergebnisse nach dem neuen Hausarzt-EBM für Ernüchterung gesorgt.

"Der Leistungsbedarf ist insgesamt rückläufig, damit ist das Ziel der Punktsummenneutralität nicht erreicht worden", berichtete Vorstand Bernhard Brautmeier auf der KVNo-Vertreterversammlung.

Die Abrechnungsergebnisse des vierten Quartals 2013 zeigen große Abweichungen zwischen der Simulation der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für Nordrhein und den Echtdaten.

Ohne Leistungsbereiche wie die Geriatrie und die Palliativmedizin ging bei den nordrheinischen Hausärzten der Leistungsbedarf um 1,99 Prozent zurück, die KBV hatte nur mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet. Bei den Kinderärzten gab es sogar statt der veranschlagten plus 0,7 Prozent einen Rückgang um 3,09 Prozent.

Die Hausärzte haben die Gesprächsleistungen in 33,6 Prozent der Behandlungsfälle in Anschlag gebracht. Das war deutlich weniger als die 48 Prozent aus der KBV-Simulation. Im vierten Quartal 2013 haben 78 Prozent der Hausarztpraxen das Gesprächsbudget unterschritten, 22 Prozent haben es überschritten.

Damit hätten sich die Bedenken der KVNo gegen die EBM-Reform bestätigt, sagte Brautmeier der "Ärzte Zeitung". "Wir haben mit unserer Kritik richtig gelegen, und die KBV hat mit ihren Annahmen falsch gelegen."

Entwicklungen sollen weiter beobachtet werden

Zwar würden die Hausärzte dasselbe Honorarvolumen erhalten wie vorher, sagte er. "Aber wenn eine Gebührenordnung dazu führt, dass wir weniger Leistungsbedarf haben, dann ist das kontraproduktiv."

Auch bei der Chronikerpauschale war im vierten Quartal 2013 der Leistungsbedarf bei den Hausärzten rückläufig. Die Abrechnung stieg zwar um 14,3 Prozent. "Um den Leistungsbedarf zu halten, müsste die Abrechnung der Chronikerpauschale nach der KBV-Simulation um 21 Prozent gesteigert werden."

Die neuen EBM-Leistungen in der Palliativmedizin, der Sozialmedizin und vor allem der Geriatrie sind in der KVNo von den Hausärzten deutlich stärker veranschlagt worden als zuvor angenommen.

Brautmeier setzt darauf, dass es bei den Ärzten noch einige Lerneffekte im Umgang mit dem neuen Gebührenwerk geben wird. "Wir wollen nach dem ersten Quartal mit dem Hausarzt-EBM noch kein endgültiges Fazit ziehen."

Die KVNo werde jetzt noch keine Konsequenzen ziehen und etwa durch den HVM gegensteuern, sagte er. Die Entwicklungen in Nordrhein sollen ein weiteres Quartal beobachtet werden. (iss)

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