Medizinstudium

Erste Lösungsvorschläge im Vergabe-Chaos an Uni Frankfurt auf dem Tisch

Sollen die wieder zurückgepfiffenen Studienanwärter auf alle Medizinhochschulen verteilt werden? Oder ein garantierter Start im Sommersemester? Auf einer Infoveranstaltung wurden Ideen gesucht.

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Noch ein Lösungsvorschlag? Die Studienberatung der Uni Frankfurt hatte zu einer Infoveranstaltung für die Betroffenen des Vergabe-Chaos geladen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

Noch ein Lösungsvorschlag? Die Studienberatung der Uni Frankfurt hatte zu einer Infoveranstaltung für die Betroffenen des Vergabe-Chaos geladen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Frankfurt /Main. Über den Umgang mit den 282 Medizinstudienanwärtern, deren Zulassung die Goethe-Uni Frankfurt wieder zurückgezogen hat, wird weiter gerungen.

Am Donnerstagabend hat sich die Studienberatung der Universität den Fragen der Betroffenen in einer Online-Veranstaltung gestellt. Allerdings gab es auch hier zunächst keine Antwort auf die drängende Frage, ob die Betroffenen doch noch am Nachrückverfahren teilnehmen können.

Darüber beratschlagen derzeit die Stiftung Hochschulzulassung (SfH), Ministerien und Gremien, wie die Uni auf ihrer Homepage mitgeteilt hat. Nachdem das Nachrückverfahren zunächst wie berichtet bis zum 1. September ausgesetzt worden war, hat die SfH die Suspendierung am Freitag nun bis zum 6. September, 24 Uhr, verlängert. Bis jetzt sind die Betroffenen vom Koordinierten Nachrücken wegen der falschen Zulassung ausgeschlossen.

Sieben zusätzliche Studenten je Hochschule?

Die Betroffenen selbst haben in der Veranstaltung vorgeschlagen, sie doch auf die übrigen Medizinhochschulen in Deutschland zu verteilen. So bekäme jede Hochschule etwa sieben zusätzliche Bewerber. Ein Weg dahin könnte sein, die anderen Hochschulen direkt anzuschreiben. So seien die Abgewiesenen beispielsweise bereits mit Professor Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg, in Kontakt. Doering-Manteuffel habe ihnen gegenüber angedeutet, dass sieben zusätzliche Studienplätze im Rahmen des Möglichen liegen könnten.

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Das Studium erst im Sommersemester zu beginnen, war eine weitere Idee der Betroffenen. Zumindest für einen Teil von ihnen schien diese Lösung akzeptabel zu sein, sofern die Plätze im Sommersemester dann wirklich sicher wären. Ulrike Helbig von der Zentralen Studienberatung erklärte, dass das bereits heftig diskutiert werde. Auch zusätzliche Kurse im Sommer würden in Betracht gezogen.

Kürzeres Freiwilliges Soziales Jahr anrechnen

Sollten sich die Bewerber tatsächlich nächstes Jahr wieder bewerben müssen, forderten sie, dass die Uni Frankfurt auch für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Punkte im Auswahlverfahren gibt. Und: Bisher muss ein FSJ, um beim Vergabeverfahren berücksichtigt zu werden, mindestens elf Monate lang andauern. Um diesen Zeitraum rechtzeitig abzuleisten, hätten die Betroffenen aber bereits am 1. September damit beginnen müssen. Daher möchten sie, dass in ihrem Fall auch kürzere FSJ angerechnet werden würden.

Die Landesärztekammer Hessen hat sich am Freitag mit einem Offenen Brief an Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) gewandt und ebenfalls eine Verteilung an andere Unis ins Spiel gebracht. „Auch vor dem Hintergrund des zunehmend dramatischen Ärztemangels muss hier schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden“, schrieb Kammerpräsident Dr. Edgar Pinkowski.

Dorn müsse dafür sorgen, dass die Bewerberinnen und Bewerber zeitnah für das kommende Wintersemester 2022 die Zusage für einen Medizinstudienplatz erhielten. „Sicher wird es in dieser Ausnahmesituation – auch mit Hilfe der Stiftung für Hochschulzulassung – möglich sein, bei den 36 staatlichen medizinischen Universitäten in Deutschland ausreichende Ausweichplätze zu generieren“, so Pinkowski. (ker/bar)

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