Digitalisierung

Europäischer Gesundheitsdatenraum kommt voran

Die EU will die Digitalisierung der Medizin aktiv vorantreiben, um nicht von anderen abhängig zu werden.

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Hamburg. Ein zentrales Anliegen der im Dezember auslaufenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft war es, einen europäischen Gesundheitsdatenraum auf den Weg zu bringen. Kern ist ein sogenannter „Code of Conduct“, der innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten einheitliche rechtliche und ethische Rahmenbedingungen zum Umgang mit Gesundheitsdaten vorgeben soll.

Auf einer Veranstaltung der Techniker Krankenkassen (TK) versicherte das Bundesgesundheitsministerium, während der Ratspräsidentschaft deutliche Fortschritte in diesem Bestreben gemacht zu haben.

„Keine Spielerei“

„Digitalisierung ist keine Spielerei. Sie stellt die Grundlage der kompletten zukünftigen Medizin und unseres Gesundheitssystems dar“, betont Dr. Gottfried Ludewig, Abteilungsleiter Digitalisierung und Innovation im Gesundheitswesen im BMG. „Wir müssen entscheiden, ob wir die Dynamik selbst gestalten wollen oder ob der Fortschritt von anderen Kontinenten zu uns kommt und wir nur noch Empfänger sind.“

Sowohl bei der Bewältigung als auch bei der Prävention von Krankheiten spiele die Analyse großer Datenmengen eine immer wichtigere Rolle. Dafür aber brauche es europäische Standards, die den hiesigen Werten und Rechtsrahmen gerecht werden.

Zuweilen wird die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als ein Hemmnis für die Digitalisierung in Europa bezeichnet, wie aktuell in den Diskussionen um den Nutzen der Corona-Warn-App immer wieder zu hören ist. Einen konträren Ansatz, für den er auch Zustimmung bei den Experten aus dem BMG fand, vertritt TK-Chef Dr. Jens Baas.

„Die Digitalisierung wird zu häufig als Problem für den Datenschutz angesehen. Vielleicht müssen wir häufiger auch über die Chancen für den Datenschutz sprechen“, so Baas am Mittwoch.

E-Patientenakte bietet Überblick

Die elektronische Patientenakte böte Patienten eine deutliche größere Chance zur Selbstbestimmung über seine Daten, als jede analoge Akte. „Die Daten liegen heute überall verstreut. Da fällt es schwer, einen Überblick zu haben.“ Zudem könne die Digitalisierung mittelfristig auch wirtschaftliche Entlastungseffekte haben, etwa durch Zeitersparnisse.

Das TK-Symposium ist Teil des assoziierten Programms des Bundesministeriums für Gesundheit im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. (mu)

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