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Anklage wegen Vergewaltigung

Ex-Chefarzt weist Vorwürfe von sich

Vor dem Landgericht Bamberg muss sich seit Dienstag ein ehemaliger Chefarzt verantworten. Dem Gefäßspezialisten wird vorgeworfen, mehrere Patientinnen ruhiggestellt und sich dann an ihnen vergangen zu haben.

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BAMBERG. Als Chefarzt soll er im Klinikum Bamberg Patientinnen und Mitarbeiterinnen mit Medikamenten ruhiggestellt und sexuell missbraucht haben - seit Dienstag steht der Mediziner vor Gericht.

Zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Bamberg wies der ehemalige Chefarzt den Vorwurf zurück, die Frauen sexuell missbraucht zu haben. Der 49-Jährige kündigte über seinen Anwalt an, in dem Prozess ausführlich Stellung nehmen zu wollen.

„Er wird der Wucht der erhobenen Vorwürfe entgegentreten“, teilte Verteidiger Klaus Bernsmann am Dienstag mit. Seine Verteidiger sprachen von Vorverurteilungen.

Unschuldsvermutung missachtet?

Die Unschuldsvermutung sei vielfach grob missachtet worden, unter anderem dadurch, dass die Staatsanwaltschaft mit den Vorwürfen im Sommer 2014 früh an die Öffentlichkeit gegangen sei.

Das Klinikum habe schon jetzt Geld an die betroffenen Frauen gezahlt. „Warum wird nicht abgewartet, bis ein rechtskräftiges Urteil gefallen ist?“, sagte Bernsmann. Das Klinikum hatte dem Arzt nur wenige Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe gekündigt.

Die Anklagebehörde ist überzeugt, dass der Spezialist für Gefäßchirurgie junge Frauen mit Medikamenten ruhiggestellt hatte, um sich sexuell an ihnen zu vergehen.

Die arglosen Frauen habe er in den frühen Abendstunden oder an Sonn- und Feiertagen zu zusätzlichen Untersuchungen oder zur Teilnahme an einer angeblichen Studie gebeten, damit er ungestört gewesen sei.

Die Taten soll der Mann von September 2008 bis Juli 2014 in dem Krankenhaus begangen haben.

Er habe angegeben, ein Kontrastmittel für die Ultraschalluntersuchung zu spritzen, doch keines der in dem Untersuchungsraum vorhandenen Geräte sei für diese Methode geeignet gewesen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Vielmehr habe der Arzt den Frauen heimlich ein Betäubungsmedikament verabreicht, um sie wehrlos zu machen. Unter anderem habe er dann Sexspielzeug benutzt sowie Fotos und Videos vom Intimbereich der Frauen gemacht.

Die Frauen hätten nichts von den mit dem Betäubungsmittel verbundenen Risiken und Folgen gewusst und seien teilweise unter Medikamenteneinfluss Auto gefahren. Zwölf mutmaßliche Opfer treten als Nebenklägerinnen auf.

Vier von ihnen waren zum Prozessauftakt dabei - darunter eine Medizinstudentin, die im vergangenen Sommer die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte.

Jüngstes mutmaßliches Opfer erst 17

Unter dem Vorwand einer Studie, die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nie existierte, soll der Arzt sie missbraucht haben. Die Studentin wurde wegen ihrer Erinnerungslücken stutzig und ließ ihr Blut untersuchen.

Dabei wurde das betäubende Medikament nachgewiesen. Das jüngste mutmaßliche Opfer war zum Tatzeitpunkt laut Anklage 17 Jahre alt.

Die Frau war im Klinikum behandelt worden, der damalige Chefarzt soll sich bei einer angeblichen Untersuchung an ihr vergangen haben.

Der angeklagte Mediziner, der seit Ende August 2014 in Untersuchungshaft sitzt, äußerte sich zum Prozessauftakt zunächst zu seinem Lebenslauf und seiner Arbeit als Mediziner.

Seit 2005 war er Chefarzt für Gefäßchirurgie am Bamberger Klinikum, die Abteilung sei unter seiner Führung ausgebaut worden und hoch angesehen gewesen. Konkret zu den Vorwürfen nahm er nicht Stellung.

Er bereite aber detaillierte Erklärungen vor, erläuterte er. Seine Verteidiger deuteten an, welche Strategie sie und ihr Mandat verfolgen.

Sei es denn auszuschließen, dass der Arzt neue und ungewöhnliche Untersuchungs- und Behandlungswege gesucht habe, hieß es in einer Erklärung der Anwälte.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag (14. April) fortgesetzt. (dpa)

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