Recht

"Fick dich" kostet Oberarzt nicht den Job

Ein Oberarzt, der im Streit mit einer Assistenzärztin die Schimpfworte "Leck mich, fick dich" gebraucht, darf deshalb nicht fristlos gekündigt werden. Eine Abmahnung reicht aus, so das Landesarbeitsgericht Chemnitz.

Veröffentlicht: 12.07.2011, 15:00 Uhr
Fristlose Kündigung: Selbst bei scharfen Beleidigungen, muss erst einmal eine Abmahnung her.

Fristlose Kündigung: Selbst bei scharfen Beleidigungen, muss erst einmal eine Abmahnung her.

© M&S Fotodesign / fotolia.com

CHEMNITZ (mwo). Äußert ein Klinikarzt gegenüber einer weiblichen Kollegin die Worte "leck mich, fick dich", so liegt darin eine nicht entschuldbare sexuelle Belästigung.

Dennoch muss das nicht unbedingt den Job kosten; eine Abmahnung reicht gegebenenfalls aus, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Urteil des Sächsischen Landesarbeitsgerichts (LAG) in Chemnitz.

Das Gericht hob damit die Kündigung gegen einen Oberarzt aus dem Raum Dresden auf.

Form und Lautstärke der Beleidigung waren Kündigungsgrund

Der Arzt war am Bett eines Patienten und vor Pflegern und Schwestern mit einer Assistenzärztin in Streit geraten. Der Oberarzt wies die Assistenzärztin auf fachliche Mängel hin und äußerte dabei, dass sie den Patienten gefährde.

Die beiden setzten das Gespräch schließlich im Zimmer des Oberarztes fort. Als die Assistenzärztin das Zimmer schon verlassen hatte, sagte der Oberarzt in größerer Entfernung auf dem Gang: "Leck mich, fick dich".

Eine von ihm wohl nicht bemerkte Krankenschwester hörte dies zufällig mit. Das Krankenhaus nahm Form und Lautstärke der Äußerungen vor den Patienten und nicht zuletzt auch die vulgären Ausdrücke zum Anlass für eine fristlose, hilfsweise ordentliche Kündigung.

Die Würde der Assistenzärztin verletzt

Doch die Vorwürfe wiegen nicht so schwer, dass sie die Kündigung rechtfertigen, urteilte das LAG. Zwar seien die Worte "leck mich, fick dich" ein "die Würde der Assistenzärztin am Arbeitsplatz verletzendes sexuell bestimmtes Verhalten". Doch habe der Oberarzt dies nicht direkt zu der Ärztin, sondern wohl mehr zu sich selbst gesagt.

Zu intensiven Belästigungen oder gar Tätlichkeiten sei es nicht gekommen. Nach elfjähriger Betriebszugehörigkeit sei dies der erste Vorfall dieser Art gewesen.

Und der Oberarzt, dessen handwerklich gute Arbeit als Herzchirurg die Richter anmerkten, habe sich selbst bei seiner Kollegin entschuldigt. Das Krankenhaus wurde daher dazu verurteilt, den Oberarzt weiter in Vollzeit zu beschäftigen.

Nach alledem sei davon auszugehen, dass der Arbeitnehmer gewillt sei, derartiges Verhalten künftig zu unterlassen, so das Landesarbeitsgericht weiter. Daher sei eine Kündigung nicht erforderlich, um weiteres Fehlverhalten zu unterbinden.

Nur dies, und nicht eine Strafe, seien aber die Rechtfertigung für eine verhaltensbedingte Kündigung. Eine Abmahnung reiche im Streitfall daher aus, urteilte das LAG. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

Az.: 3 Sa 461/10

Mehr zum Thema
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Joachim Malinowski

In der Klinik möchte wohl keiner gerne und freiwillig arbeiten...

"...Zwar seien die Worte "leck mich, fick dich" ein "die Würde der Assistenzärztin am Arbeitsplatz verletzendes sexuell bestimmtes Verhalten". Doch habe der Oberarzt dies nicht direkt zu der Ärztin, sondern wohl mehr zu sich selbst gesagt..."

Dass der OA so glimpflich davon kommt, ist schon "interessant". Unter Männern hätte er wohl eine Schlägerei riskiert.

Grundsätzlich beschämend finde ich den rüden Umgangston unter Medizinern in dieser Auseinandersetzung (sicherlich kein Einzelfall), und leider immer nur von "oben nach "unten".

Vom Vorgesetzten sollte man eindeutig mehr Vorbildfunktion erwarten können.

Es gibt da spezielle Kurse, in denen man sich bezüglich netter Umgangsformen auch in Auseinandersetzungen fortbilden kann. Eine Verpflichtung dazu sowie eine kontinuierliche Erfolgskontrolle sollte von der Klinikleitung eingefordert werde, damit so etwas nicht Standard wird.




Egon Manhold

Ich schließe mich ...

... der Meinung von Herrn Dr. Reiner Wildner voll und ganz an.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Die KBV soll bundesweit einheitliche Vorgaben und Qualitätsanforderungen zur Durchführung einer qualifizierten und standardisierten Ersteinschätzung in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser aufstellen, heißt es in einem Gesetzentwurf.

Gesetzentwurf

Neue Paragrafen zur Notfallreform befeuern Kompetenz-Gerangel

Bestimmte Nahrungsmittel, zum Beispiel Lachs, Leinöl, Rosenkohl, Walnüsse und Avocado sind reich an Omega-3-Fettsäuren.

Studie

Viel Omega-3 könnte Herzinfarkt-Patienten helfen

Zu Beginn der Sitzung des Bundestags steht Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Mund-Nasenbedeckung vor Abgeordneten der Fraktionen. In ihrer Regierungserklärung bezeichnet sie die Corona-Lage in Deutschland als „dramatisch“.

November-Maßnahmen

Merkel: Zweiter Corona-Lockdown ist verhältnismäßig