Anlagen-Kolumne

Geldpolitische Kakophonie erschwert die Orientierung

Das Verhalten der Zentralbanken rund um den Globus hat großen Einfluss auf Investoren. Das höchst divergente Bild sendet indes für Anleger derzeit keine klaren Signale.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Bei der retrospektiven Betrachtung der Börseneinflussfaktoren stellt sich die monetäre Komponente im Vergleich zur fundamentalen und markttechnischen als der prägende Faktor der Aktienindizes in den vergangenen Jahrzehnten heraus. Aktuell wird die Prognose dadurch erschwert, dass die großen Wirtschaftsblöcke keinesfalls eine Geldpolitik "aus einem Guss" aufweisen.

Die Amerikaner haben jüngst den weiteren Aufkauf von Anleihen im Wert von 600 Milliarden US-Dollar beschlossen, was eine neuerliche Erhöhung des Notenbankgeldes bedeutet. Nach offiziellen Aussagen wird so versucht, das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen. Tatsächlich dürften die neuerlichen Maßnahmen den Versuch darstellen, einen erneuten Absturz der Konjunktur zu verhindern. Nur durch extreme fiskal- (Staatsausgaben, relativ niedrige Steuern) und geldpolitische Anstrengungen in Kombination mit statistischen Tricksereien gelingt es den Amerikanern wenn überhaupt noch, leicht positive Wachstumsraten bei den wesentlichen Wirtschaftskennzahlen auszuweisen.

Ganz anders als die amerikanische fährt die chinesische Notenbank einen geldpolitisch zunehmend restriktiven Kurs. Der 1-Jahres-Zins wurde auf 5,56 Prozent angehoben. Das liegt etwa beim 10-fachen der westlichen Länder. Zudem wurde das vierte Mal in Folge die Mindestreservesätze angehoben, womit immer höhere Anteile der Geschäftsbankenliquidität dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden. Mit den Maßnahmen versucht die chinesische Notenbank, die Inflationsrate zu drosseln.

Die chinesische Teuerungsrate stieg im Oktober auf 4,4 Prozent und lag in den vergangenen drei Monaten sogar bei einer Jahresrate von 7,1 Prozent. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Inflationsanstieg ausschließlich auf steigende Lebensmittelpreise zurückzuführen war. Die Kern-Inflationrate lag zuletzt hingegen bei lediglich 1 Prozent und damit im Zielkorridor. Vor diesem Hintergrund bleibt nur zu hoffen, dass die chinesische Notenbank nicht einen geldpolitisch übertriebenen, restriktiven Kurs fährt. So unterschiedlich die geldpolitischen Bilder Chinas und der USA sind, so heterogen sind sie in Europa. Die Europäische Zentralbank versucht den extremen Verschuldungs- und Konjunkturproblemen der Peripherieländer durch niedrige Zinsen und den Ankauf von Anleihen (entsprechende Erhöhung der Notenbank-Geldmenge) entgegenzutreten. Die für den Euro-Raum zwangsläufig einheitliche Geldpolitik bedeutet für Deutschland hingegen übertrieben niedrige Zinsen.

Die geldpolitischen Rahmenbedingungen dürften aber weiterhin gut sein, es dürften sich im weiteren Jahresverlauf zumindest selektiv gute Chancen ergeben. Zur Person: Dr. Ehrhardt ist unabhängiger Fondsmanager. Mit seinen Fonds erreicht er immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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