Rauchprävention

Harter Tobak für die Tabakbranche

Was soll die Politik gegen Nikotinsucht tun? Wie schädlich sind Tabakerhitzer? Diese Fragen beschäftigten die diesjährige Tabakkontroll-Konferenz.

Von Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Wie lässt sich die Nikotinsucht eindämmen? Eine der größen Fragen auf der Tabakkontroll-Konferenz.

Wie lässt sich die Nikotinsucht eindämmen? Eine der größen Fragen auf der Tabakkontroll-Konferenz.

© Knut Wiarda / fotolia.com

HEIDELBERG. Geht es nach dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR), kommen harte Zeiten auf die Tabakindustrie in Deutschland zu. Sieben Forderungen an die Politik umfasst der Katalog von DKFZ und ABNR, den Dr. Ute Mons, beim DKFZ Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention, am Mittwoch bei der 15. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg vorstellte.

Das sei auch dringend nötig, berichtete Mons, denn Deutschland bleibe hinter dem EU-Durchschnitt zurück, wenn es darum gehe, den Anteil der rauchenden Bevölkerung zu reduzieren. Im Vergleich zum Jahr 2006 sei der Anteil der Raucher EU-weit um sechs Prozentpunkte, in Deutschland um fünf Punkte gesunken. Verglichen mit dem Jahr 2009 sei der Anteil der Raucher in Deutschland gleichgeblieben, während EU-weit drei Prozentpunkte weniger Bürger rauchten.

Was sind die konkreten Forderungen aus Heidelberg? Als Erstes solle der Nichtraucherschutz in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen, am Arbeitsplatz und im Auto verbessert und vereinheitlicht werden. Als Zweites seien Werbung, Promotion und Sponsoring für Tabakprodukte und E-Zigaretten in jeder Form zu verbieten.

Die weiteren Punkte haben eine deutliche und kontinuierliche Erhöhung der Tabaksteuern und eine Einschränkung der Vertriebsmöglichkeiten von Tabakwaren zum Inhalt. Die Tabakindustrie mit im Boot hat das ABNR bei der Forderung, den illegalen Handel von Tabakprodukten zu unterbinden. Hierbei geht es unter anderem um häufig überschrittene Grenzwerte von Additiven und Ingredienzien in illegal hergestellten Zigaretten. Als letzte Punkte sollen sowohl die Einflussnahmen der Tabakindustrie transparenter und weniger als auch Hilfen zum Rauchausstieg verbessert werden.

Rauchfreie Produkte, wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer, die von einem Teil der Konsumenten als Alternative zur Verbrennungszigarette genutzt werden, standen bei der Konferenz ebenfalls im Fokus. Nadja Mallock vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) präsentierte für die Tabakerhitzer bisher noch unveröffentlichte Untersuchungsergebnisse zur Schadstoffexposition beim Inhalieren des Aerosols. "Im Wesentlichen bestätigen unsere Untersuchungsergebnisse die Daten des Herstellers", kommentierte Dr. Frank Henkler-Stephani vom BfR die Untersuchungsergebnisse.

Vor einem Jahr hatte der Hersteller eines Tabakerhitzers, Philip Morris International, Studiendaten veröffentlicht, die eine Reduktion der Schadstoffexposition beim Inhalieren des Aerosols belegten. Die Zytotoxizität war um 90 Prozent geringer, die Mutagenität um 95 Prozent geringer im Vergleich zu einer Verbrennungszigarette (Regul Toxicol and Pharmacol 2016, 81:S27-S47).

In seiner Untersuchung hatte sich das Forscherteam des BfR vor allem auf die Konzentration der Hauptkanzerogene im Zigarettenrauch konzentriert, unter anderem 1,3-Butadien und Benzol. Die Dosierung dieser Kanzerogene war "deutlich reduziert" im Vergleich zu einer herkömmlichen Verbrennungszigarette, erklärte Henkler-Stephani.

Wichtig sei jedoch, dass ein verminderter Schadstoffgehalt im inhalierten Aerosol nicht automatisch mit einer im gleichen Maße verminderten Exposition des Konsumenten mit diesen Stoffen einhergehe, wandte er ein. Beim Dampf eines Tabakerhitzers wie auch einer E-Zigarette handle es sich weiterhin um ein mutagenes Aerosol. "Den Konsum davon wird das BfR nicht empfehlen und sich auch keiner Reduced-Risk-Einstufung anschließen", sagte Henkler-Stephani im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Mehr zum Thema

Positionspapier zur Vorsorge

Plädoyer für „Herz-Check 50“

Zankapfel

Kinderärzte streiten heftig über IGeL

Das könnte Sie auch interessieren
Management tumorassoziierter VTE

© Leo Pharma GmbH

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

© Leo Pharma GmbH

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

© Bristol-Myers Squibb

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

© Alpha Tauri 3D Graphics / shutterstock

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

© Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lange wurden Jugendliche nur als Zielgruppe für Corona-Impfungen wahrgenommen, nicht aber als Pandemieopfer. Das sorgt jetzt für volle Wartezimmer bei Therapeuten.

© Frank Hoermann / SvenSimon / picture alliance

Zi-Trendreport

Corona wirkt weiter auf Fallzahlen

Bei der Knie-Totalendoprothese gibt es einiges zu beachten, mahnt ein Orthopäde.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Appell des BVOU

Mehr Zurückhaltung bei der Indikation zu Knieendoprothesen!

Eher unbegründete Ängste und Unsicherheiten sollten nicht dazu führen, dass notwendige Impfungen bei Kindernoder Erwachsenen unterlassen werden.

© Mareen Fischinger / Westend61 / picture alliance

Kollegenratschlag

So impfen Ärzte bei Dermatosen richtig