Direkt zum Inhaltsbereich

Pilotprojekt

Hausärzte in die Notaufnahme

In die Notaufnahme kommen viele Patienten, die eigentlich ein Fall für den Bereitschaftsdienst der Vertragsärzte sind. Um sie leichter in die ambulante Versorgung zu überführen, hat sich die MHH hausärztliche Verstärkung geholt. Schon jetzt zeichnet sich ein Erfolg ab.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Eingang zur MHH-Notaufnahme: Dort helfen jetzt Hausärzte mit.

Eingang zur MHH-Notaufnahme: Dort helfen jetzt Hausärzte mit.

© Sebastian Kahnert / dpa

HANNOVER. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat sich hausärztliche Kompetenz in die Notaufnahme geholt und mehrere Allgemeinmediziner den MHH-Kollegen in der Notaufnahme an die Seite gestellt.

Noch sei das Projekt in der Pilotphase, aber es zeichne sich ab, dass es ein Erfolg wird, erklärt der Direktor des MHH-Instituts für Allgemeinmedizin, Professor Nils Schneider. Angeregt hatte das Projekt die KV Niedersachsen.

Wie in vielen anderen Krankenhäusern wird die Notaufnahme der MHH von Patienten geradezu überschwemmt, die mit ihren Rückenschmerzen oder ihrem Husten in der Hausarztpraxis weit besser aufgehoben wären, so Schneider.

In der Notaufnahme der MHH werden sie von speziell ausgebildeten Pflegekräften empfangen und - wie alle anderen Patienten - an die verschiedenen Ärzte weitergeleitet. Seit einem halben Jahr steht nun auch ein Hausarzt bereit, um die "ambulant beherrschbaren Fälle" zu versorgen.

Gerade am Verkehrsknotenpunkt und der Messestadt Hannover kämen aber viele Patienten, die auf der Durchreise sind oder solche, die schon einmal mit einer anderen Diagnose in der MHH lagen und nun in der Hochschulklinik so etwas wie den Hausarzt sehen, also eine Bindung entwickelt haben, so Schneider.

Kommunikation hat sich verbessert

Zur dritten und größten Gruppe gehören alle, die glauben, in der Klinik besser versorgt zu werden als bei ihrem Hausarzt, und zu Zeiten in der Notaufnahme erscheinen, an denen die Praxen auch geöffnet haben.

Darum hat sich die MHH nun hausärztliche Expertise in die Notaufnahme geholt. "Wie viele der Notaufnahmen eigentlich in eine Hausarztpraxis gehören, wissen wir noch nicht", erklärt Schneider. "Die Zahlen liegen noch nicht vor."

Klar ist schon jetzt: Die Hausärzte können die Patienten besser in die hausärztliche Versorgung zurückführen. Auch die kollegiale Kommunikation in den Arztberichten sei besser, berichtet Schneider.

Bezahlt werden die Hausärzte von der MHH. "Wir bieten ganz normale Stellen zur Teilanstellung bei der MHH." Dienstzeiten sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr.

"Die übrigen Zeiten werden durch die Notdienstsprechstunde der KVN abgedeckt", sagt Schneider. Schließlich wolle man dem niedergelassenen Bereich keine Patienten abspenstig machen.

Außer dem Nutzen für Patienten und Ärzte verspricht Schneider sich auch, dass sich Haus- und Fachärzte einander annähern. "Wir bringen hausärztliches Know-how zusammen mit der Uni-Medizin", so Schneider. "Vielleicht ergeben sich so gemeinsame Studien und Projekt-Ideen."

Auf jeden Fall will Schneider mithilfe des Projekts "die Allgemeinmedizin auf Augenhöhe mit den anderen Fächern bringen und die gegenseitige Akzeptanz der Ärzte fördern."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Beitragssatzstabilisierungs-Gesetz

Schmerzmediziner fürchten die Folgen des Sparkurses in der GKV

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Roboterhand zeigt auf ein Stethoskop

© Slowlifetrader / stock.adobe.com / mit KI generiert

Künstliche Intelligenz

ChatGPT im Praxisalltag nutzen: Wieso diese Verlockung gefährlich ist

Ein Mann tippt etwas auf einem Laptop.

© tippapatt / stock.adobe.com

Erfahrungen eines Hausarztes

40 Prozent Home-Office für Ärzte: Wie das funktionieren kann

Eine Frau mit Rhinitis putzt sich ihre laufende Nase.

© onephoto / stock.adobe.com

Ob allergisch oder nicht

Rhinitis ist signifikant mit Migräne verbunden