Krebstherapie

Helios will in Berlin Protonentherapie anbieten

Bekommt Berlin ein Protonentherapiezentrum? Die privaten Helios Kliniken wollen in Sachen innovativer Krebstherapie mit dem Universitätsklinikum Charité kooperieren.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:
Protonentherapie benötigt richtig viel Platz. Im Bild das Gerät eines Münchener Zentrums. Der größte Teil der Anlage ist in einer dahinterliegenden Halle untergebracht.

Protonentherapie benötigt richtig viel Platz. Im Bild das Gerät eines Münchener Zentrums. Der größte Teil der Anlage ist in einer dahinterliegenden Halle untergebracht.

© Rinecker Proton Therapy Cente

BERLIN. Der zum Fresenius-Konzern gehörende Klinikbetreiber Helios will in Berlin-Buch ein Protonentherapiezentrum errichten. Dazu hat Helios mit der Uniklinik Charité nun einen Kooperationsvertrag geschlossen.

Die Protonentherapie ist eine neuartige Bestrahlungsmethode in der Onkologie. Sie gilt als hochpräzise und schonend, und kommt daher laut Helios vor allem zur Behandlung von Kindern und jungen Erwachsenen infrage sowie für Patienten, bei denen der Tumor in der Nähe empfindlicher Organe liegt.

Von bislang weltweit 50 Standorten für Protonentherapie befinden sich fünf in Deutschland. Zentren bestehen in Essen, Dresden, Marburg, Heidelberg und München. Das Berliner Zentrum könnte den Nordosten Deutschlands versorgen.

Investition aus Eigenmitteln

In Berlin gibt es zwar bereits ein Protonentherapiezentrum für die Behandlung von Tumoren am Auge. Das neue Zentrum würde dieses Angebot aber ergänzen und stünde nicht in Konkurrenz dazu, wie der Krebsspezialist Professor Volker Budach von der Charité der „Ärzte Zeitung“ erläuterte. Die Kooperation mit Helios erlaube, dass auch Charité-Patienten an dem geplanten Zentrum behandelt werden.

„Durch diese Kooperation kann die hoch innovative, aber noch nicht ausreichend evidenzbasierte Protonentherapie im Hinblick auf eine potentielle Überlegenheit zur herkömmlichen Strahlentherapie in klinischen Studien bei noch lokal begrenzt wachsenden Krebsarten untersucht werden. Zusammen mit anderen wissenschaftlich tätigen Protonenzentren in Deutschland könnte dies zur Etablierung neuer Therapiestandards bei einigen Krebserkrankungen führen“, so Budach. Dr. Sebastian Heumüller, Geschäftsführer des Helios Klinikums Berlin-Buch: „Durch die Kooperation eines privaten Klinikbetreibers mit Europas größter Universitätsklinik leiten wir eine neue Qualität der Zusammenarbeit ein.“

Helios verspricht sich von dem Zentrum neuen Patientenzulauf. Der Konzern rechnet in dem Protonentherapiezentrum mit 500 bis 800 Patienten pro Jahr.

Der Standort Berlin-Buch ist bereits jetzt der krebsmedizinische Leuchtturm des privaten Klinikunternehmens. Neben dem größten Sarkomzentrum Deutschlands beherbergt er eine große Kinderonkologie und verschiedene Zentren, etwa für Leber-, Darm- und gynäkologische Tumoren.

Für das Protonentherapiezentrum soll ein Neubau in Berlin-Buch errichtet werden. Der mehr als 30 Meter lange, 15 Meter breite und 12 Meter hohe Teilchenbeschleuniger muss dabei von rund vier Meter dicken Mauern umschlossen werden.

Die Investitionskosten will Helios aus Eigenmitteln bestreiten. Sie werden in unbestätigten Medienberichten auf 35 Millionen Euro beziffert. Ein entsprechender Bauantrag ist aber noch nicht gestellt.

Kassen eher reserviert

Die Berliner Politik bewertet das Vorhaben positiv. „In der Krebsbehandlung gehört Berlin schon jetzt zu den führenden Standorten. Die Kooperation zwischen Charité und Helios in der Protonentherapie ist dafür ein weiterer wichtiger Baustein“, erklärte der Berliner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung Steffen Krach (SPD).

Zurückhaltend zeigen sich indessen die Berliner Krankenkassen. Die Versorgung der Patienten ist ihrer Ansicht nach schon mit den bestehenden Zentren in Deutschland gewährleistet. Die Kapazitäten seien für die geringe Anzahl Patienten, die dafür infrage kämen, ausreichend.

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