Klamme Kliniken

Hilft ein zweites Standbein im Handel?

Der Einzelhandel als Rettungsanker für finanziell klamme Kliniken? Mit dieser Idee wartet die Unternehmensberatung Arthur D. Little auf. Finanzinvestoren seien für solche Konzepte leicht zu gewinnen, heißt es.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Shoppingmall unterm Kliniktrakt? – In anderen Ländern nichts Ungewöhnliches.

Shoppingmall unterm Kliniktrakt? – In anderen Ländern nichts Ungewöhnliches.

© zhu difeng / Fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. "Wir sind selten auf ein so großes Interesse im Markt gestoßen, wie bei diesem Thema", versichert Dr. Thilo Kaltenbach, Europa-Leiter des Ressorts Pharma und Healthcare bei Arthur D. Little (ADL).

Die Idee: Krankenhäuser sollen auf ihrem Gelände Geschäfte und Dienstleister ansiedeln. "Einzelhandelskonzepte, wie man sie von Flughäfen und Bahnhöfen kennt, werden in den kommenden Jahren auch in vielen deutschen Kliniken Einzug halten", heißt es in einer Mitteilung des Beratungsunternehmens.

Alle Häuser kommen in Frage

Potenzielle Kundschaft rekrutiere sich aus Klinikmitarbeitern, Besuchern und Anwohnern. Allerdings sollten sich die Häuser, um ihren stationär-medizinischen Fokus nicht zu verwässern, auf die Rolle des Standort-Anbieters beschränken und nicht unbedingt selbst als Ladenbetreiber fungieren, rät Kaltenbach.

Angesichts der regelmäßig prekären Wasserstandsmeldungen in Sachen Finanzausstattung könnten viele Krankenhäuser zusätzliche Mieteinnahmen von Frisören, Reinigungsunternehmen, Gastwirten oder auch Fitness-Studios dringend gebrauchen.

Außerdem seien moderne Einzelhandelskonzepte "besonders attraktiv für internationale Investorengruppen", so dass auch angeschlagene Kliniken Chancen hätten, sich mit Kapital für die nötigen Umbauten zu versorgen.

Grundsätzlich kämen "alle Häuser, vom Universitätsklinikum bis zum städtischen Krankenhaus" als Ladenstandorte in Frage, meint Kaltenbach.

Auf die Lage kommt es an

Er räumt jedoch ein, dass Klinik-Lage und vorhandene Bausubstanz limitierende Faktoren darstellen. Am einfachsten lasse sich die Idee naturgemäß im Zuge eines Neubaus umsetzen.

Bei Innenstadtlagen sei der Wettbewerb im Umfeld zu berücksichtigen. In ländlichen Lagen ergäben sich dagegen Risiken aus möglicherweise zu geringer Nachfrage.

Was sich in Deutschland völlig neu anhört, sei in anderen Ländern bereits Wirklichkeit, berichtet Kaltenbach: "Das Addenbrooke's Krankenhaus in Cambridge hat neben einer Fastfood-Kette und einer Bank auch Cafe, Rechtsanwaltskanzlei und ein Reisebüro angesiedelt. Ein Londoner Krankenhaus wiederum spielt mit einem Werbespruch auf einen wichtigen Nebeneffekt ihres Kinoangebots an: ‚Feel better with film‘".

Auch in Schweden, Dänemark und den USA gebe es etliche Beispiele für Krankenhausneubauten, bei denen die kommerzielle Nutzung durch Hotels, Einkaufszentren oder Konferenzräume von Anfang an mit eingeplant wurde. (cw)

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