Stress im Praxisalltag

Hohe Arbeitsbelastung der MFA: Welche Strategien zur Entlastung sich lohnen

Stressige Momente lassen sich im Praxisalltag kaum vermeiden, eine hohe Arbeitsbelastung bzw. Überlastung jedoch sehr wohl. Ein deutsches Team zieht Lehren aus den Pandemiejahren und präsentierte diese beim DEGAM-Kongress.

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Eine Ärztin sitzt hinter dem Anmeldepult. Es warten viele Patientinnnen und Patienten in einer Schlange.

Lange Warteschlangen beim Hausarzt waren in der Pandemie keine Seltenheit und sind es phasenweise auch heute noch. Wie lässt sich die Arbeitslast der MFAs in diesen Situationen mindern? Das haben Forscher untersucht. (Symbolbild)

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Hannover. Während der Pandemiejahre stieg der Stress in den Hausarztpraxen bekanntlich deutlich an. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich dies immens auf die Jobzufriedenheit der medizinischen Fachangestellten (MFA) auswirkte.

Ziel der WiSBAH-Studie (Wirksame Strategien zur Bewältigung von hohem Arbeitsaufkommen in der Hausarztpraxis) war es, Einblicke in die Arbeit der MFA zu gewinnen und Maßnahmen zur Entlastung in den Praxen zu entwickeln. Die Ergebnisse wurden von Dr. Elena Hohmann beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) vorgestellt.

Die Forscherinnen und Forscher der Universitäten Witten, Bochum, Essen und Münster führten mit den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern sowohl quantitative Befragungen (n = 355) als auch qualitative Interviews (n = 12) durch.

Der Fragebogen fokussierte sich dabei auf Belastungsfaktoren, wahrgenommene Unterstützung und Strategien zur Arbeitsbewältigung. Die Interviews sollten diese Aspekte noch weiter vertiefen.

Wertschätzung, Kommunikation und auch mehr Gehalt

Die Auswertung der Daten lässt den Schluss zu, dass administrative Aufgaben, Personalmangel und eine ungleichmäßige Aufgabenverteilung die Arbeitslast erhöhten.

Während der ersten Pandemiemonate kam es durch den Patientenkontakt immer wieder zu Überlastungssituationen, da die Patienten ihre Ängste und Anspannung auch immer wieder dem Praxispersonal gegenüber zeigten.

Hohmann erzählt von einer MFA, die scherzhaft berichtete, sie hätte sich einen Baseballschläger hinter dem Anmeldungspult gewünscht.

Positiv bewertet wurden hingegen Teamarbeit und geregelte Kommunikation. Diese Aussagen werden durch die Interviews bestätigt. Insbesondere die offene Wertschätzung durch die Praxisleitung, der Teamzusammenhalt und die kollegiale Unterstützung wurden hervorgehoben.

Kleiner Maßnahmen, große Wirkung

„Telekommunikation und Telefonkonsultationen wurden größtenteils als entlastend wahrgenommen“, fügt Hohmann hinzu. Gleichzeitig wurden die digitale Krankschreibung und Videosprechstunden aufgrund des Einarbeitungsaufwands von einigen als zusätzliche Belastung gesehen.

Auch das Gehalt kann einen Unterschied machen. Die Studienautoren merken an, dass das Gehalt selten ausschlaggebend für die Berufswahl einer MFA ist. Einige der Befragten äußerten jedoch Unzufriedenheit und das Gefühl, nicht angemessen für ihre Leistung entlohnt zu werden.

Das Studienteam sieht Maßnahmen zur Optimierung der Praxisabläufe, eine klare Aufgabenverteilung und eine wertschätzende Kommunikation auch in stressigen Momenten als wirksam an. „Es handelt sich dabei meist um kleine Einzelmaßnahmen, die aber im Alltag auch umgesetzt werden müssen“, betont Hohmann. (help)

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Kommentare
Harald Schneider 12.10.202508:46 Uhr

"Auch das Gehalt kann einen Unterschied machen. Die Studienautoren merken an, dass das Gehalt selten ausschlaggebend für die Berufswahl einer MFA ist. Einige der Befragten äußerten jedoch Unzufriedenheit und das Gefühl, nicht angemessen für ihre Leistung entlohnt zu werden."
Dieses Gefühl teilen die Ärzte mit ihren MFAs. Zudem verweigern die Krankenkassen den Arbeitgebern die Möglichkeit dies selbst zu korrigieren, da wir Honorar-Abschlüsse unterhalb der Inflationsrate aufgedrückt bekommen.

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