IT-Vernetzung steht bei Ärzten hoch im Kurs

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Ihren Software-Systemen geben Ärzte überwiegend gute Noten. Doch für die Zukunft wünschen sie sich mehr Vernetzungs- und Online-Funktionen. Und immer noch erfassen viele Ärzte in Kliniken und Praxen Patientendaten nicht digital.

BERLIN (reh). Das Zeitalter der Software-gestützten Dokumentation wurde in Praxen und Kliniken eigentlich schon vor Jahren eingeläutet. Trotzdem erfassen nach wie vor 42 Prozent der Klinikärzte und 30 Prozent der niedergelassenen Ärzte Patientendaten nicht digital.

Überraschend ist das Ergebnis nicht: Niedergelassene sind generell vertrauter und auch zufriedener mit den in der Praxis eingesetzten Software-Produkten als Klinikärzte. Das liege wohl daran, dass die Komplexität der Klinikinformationssysteme (KIS) größer sei, aber auch schlicht daran, dass die Ärzte in Praxen für die Beschaffung ihrer Software meist selbst zuständig seien - also die freie Wahl haben -, mutmaßen die Autoren des Branchenbarometers.

Das Ergebnis in Zahlen: 92 Prozent der niedergelassenen Ärzte sind mit den häufig genutzten Funktionen ihrer Software zufrieden, bei den Klinikärzten sind es nur 52 Prozent.

Befragung von je 100 Ärzten in Kliniken und Praxen

Für die Anwenderstudie wurden je 100 Ärzte verschiedener Fachrichtungen aus dem niedergelassenen und stationären Bereich über den Jahreswechsel 2011/12 befragt - via Onlinefragebogen. Die Rücklaufquote betrug laut bvitg über 50 Prozent.

Markant ist, dass die Klinikärzte vor allem in Sachen elektronische Patientenakte weniger aktiv sind, zumindest was das Einbinden von Fremdbefunden und anderen Dokumenten in die elektronischen Akten anbelangt.

Diese Möglichkeit wird nur von 46 Prozent der befragten Klinikärzte genutzt. Wohingegen 80 Prozent der Niedergelassenen die Funktionen der Dateneinspeisung in ihre Patientenakten vor Ort nutzen.

Bemerkenswert: Um die Dokumente ins eigene System zu integrieren, werden sie zum größten Teil nach wie vor gescannt. Das ist bei 84 Prozent der Ärzte in den Praxen und bei 46 Prozent der Klinikärzte so.

Zwei von drei Ärzten können Patienten sofort einen Arztbrief mitgeben

Immerhin zwei Drittel der befragten Ärzte können Patienten beim Verlassen der Praxis oder Klinik einen Arztbrief mitgeben, der aus dem System heraus generiert wird. Dabei wünschen sich die Ärzte für einen besseren Bedienkomfort Eingabehilfen in Form von Textbausteinen oder die Übernahme von Texten aus anderen Dokumenten, heißt es. Funktionen, die die meisten Programme bereits böten, erklärt der bvitg.

Nachbesserungsbedarf sehen die Ärzte vor allem bei den integrierten Terminkalendern. 78 Prozent der befragten Klinikärzte und 67 Prozent der befragten Niedergelassenen nutzen die Kalenderfunktionen ihrer Software. Aber nur etwa die Hälfte ist mit der Bedienbarkeit zufrieden.

Dabei wünschen sich Niedergelassene vor allem die Anbindung an einen Online-Terminkalender oder die Implementierung eines Online-Kalenders ins System selbst. Und auch die Vernetzung mit Kalendern anderer Ärzte steht bei ihnen ganz oben auf der Wunschliste.

Den Klinikärzten fehlen hingegen eine Erinnerungsfunktion und die Vernetzung mit anderen Programmen, die sie im Klinikalltag nutzen.

Thema Vernetzung brennt niedergelassenen Ärzten auf den Nägeln

Das Thema Vernetzung brennt gerade den niedergelassenen Ärzten aber auch an anderer Stelle unter den Nägeln: Auf die Frage, welcher Bereich des Internets/Intranets in den nächsten fünf Jahren für sie an Bedeutung gewinnen wird, antworteten 62 Prozent der Teilnehmer aus Praxen, dies sei der Austausch von Befunden mit Kollegen.

55 Prozent meinten, dass die "Vernetzung mit Kollegen und die Gestaltung der Homepage" weiter ausgebaut würden. Und danach gefragt, welche technischen Innovationen in Zukunft ihre Arbeit verbessern könnten, antworteten 70 Prozent der niedergelassenen Ärzte: durch Systeme der sektorübergreifenden Vernetzung.

Bei den Klinikärzten, die sich an der Umfrage beteiligt haben, steht hingegen die Information über Fachwissen mit 82 Prozent an erster Stelle. Aber auch hier rangiert die Vernetzung mit Kollegen mit 70 Prozent auf Platz zwei.

Immerhin rund drei Viertel der Klinikärzte sehen übrigens im Einsatz mobiler Geräte für die Visite eine deutliche Arbeitserleichterung.

Große Zeitunterschiede bei Datenerfassung

Für die Erfassung der Daten eines Patienten im EDV-System brauchen niedergelassene Ärzte laut Umfrage übrigens im Schnitt 7,2 Minuten, Klinikärzte hingegen 16,9 Minuten.

Stellt sich ein Patient erneut vor, reduziert sich die Erfassungszeit in der Praxis auf 3,1 Minuten und in der Klinik auf 9,1 Minuten.

Und es ergibt sich ein weiterer Unterschied zwischen Klinik und Praxis: Ärzte in den Praxen geben die Patientendaten meist während des Patientengesprächs (55 Prozent) ein. In der Klinik werden die Daten häufig erst im Anschluss an das Gespräch dokumentiert (46 Prozent).

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