Assekurata

Im PKV-Rating zählen auch Gesundheitsdienstleistungen

Viele Krankenversicherungen wollen weg von dem Image als Kostenerstatter und sich als Gesundheits-Partner positionieren. Nun hat die Ratingagentur Assekurata ein Bewertungsverfahren für das Gesundheitsmanagement entwickelt.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Individuelle Versorgungsprogramme für jeden Patienten sind entscheidend für das Rating der Krankenversicherungen.

Individuelle Versorgungsprogramme für jeden Patienten sind entscheidend für das Rating der Krankenversicherungen.

© nirutft / stock.adobe.com

Köln. Die auf Versicherer spezialisierte Ratingagentur Assekurata reagiert auf die Tatsache, dass Gesundheitsdienstleistungen für die privaten Krankenversicherer (PKV) immer wichtiger werden. Das Tochterunternehmen Assekurata Solutions hat ein Bewertungsverfahren für das Gesundheitsmanagement entwickelt.

Dabei prüfen die Rating-Experten sowohl die Qualität der von den Versicherern angebotenen Programme und weiteren Gesundheitsleistungen als auch die medizinische und betriebswirtschaftliche Effizienz. PKV-Anbieter, die sich der Stärken- und Schwächen-Analyse unterziehen, erhalten dafür das entsprechende Siegel.

Bei den PKV-Anbietern gibt es einen Bedarf für eine solche Zertifizierung, sagt Markus Kruse, Geschäftsführer von Assekurata Solutions, der „Ärzte Zeitung“. „Es handelt sich um einen Bereich, in den die Unternehmen investieren und in dem sie sich für die Zukunft positionieren.“ Die Bewertung soll den Unternehmen eine Orientierung darüber geben, ob sie in dem Bereich gut aufgestellt sind und das investierte Geld gut angelegt ist.

Gesundheitsmanagement gefragt

Viele Krankenversicherer wollen sich – ebenso wie die gesetzlichen Krankenkassen – bei ihren Kunden als Gesundheits-Partner positionieren und wegkommen vom Image des Kostenerstatters. Zu den Dienstleistungen im Gesundheitsmanagement gehören Versorgungsprogramme für Menschen mit chronischen Erkrankungen, die gezielte Begleitung von Kunden mit schweren Erkrankungen oder nach Unfällen sowie Angebote im Bereich der Prävention oder der Gesunderhaltung.

„Im Gesundheitsmanagement gibt es eine große Bandbreite im Markt“, weiß Kruse. Einige Gesundheitsprogramme seien sich unabhängig vom jeweiligen Anbieter sehr ähnlich.

Das Kölner Unternehmen hat im Frühjahr 2020 damit begonnen, gemeinsam mit drei Krankenversicherern ein Modell für das kostenpflichtige Bewertungsverfahren zum Gesundheitsmanagement zu entwickeln. Das Modell steht, zwei PKV-Unternehmen durchlaufen zurzeit das Verfahren.

Versicherer entscheiden, ob Ergebnisse veröffentlicht werden

Die Assekurata-Experten arbeiten dabei mit Informationen aus den Unternehmen, tauschen sich vor Ort mit den Versicherern aus und schauen sich die einzelnen Gesundheitsdienstleistungen genau an. Die Versicherer entscheiden jeweils darüber, ob die Ergebnisse veröffentlicht werden oder nicht.

Ein Aspekt der Prüfung ist die Betreuung der Versicherten durch die Unternehmen. „Wir schauen, ob sie nur mit einer App arbeiten oder ob ein Coach die einzelnen Versicherten eng begleitet“, erläutert er. Eine wichtige Frage ist auch, ob vor Beginn eines Programms ein vernünftiges Assessment stattfindet, bei dem geklärt wird, welche Probleme der Kunde hat und welche Unterstützung er genau benötigt.

„Die Frage ist: Gibt es ein passgenaues Programm für jeden Versicherten?“, sagt Kruse. Diabetiker oder Patienten mit Rückenschmerzen haben nichts von einer Lösung, die auf alle Erkrankten gleichermaßen zielt.

Weitere Aspekte der Beurteilung

Assekurata interessieren auch Aspekte wie der potenzielle Teilnehmerkreis für Gesundheitsdienstleistungen, die Teilnahmebereitschaft der Versicherten und die Abbrecherquoten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Ratingagentur die Krankenversicherer davor gewarnt, Geld für Services auszugeben, die von den Versicherten nur wenig oder gar nicht in Anspruch genommen werden. „Die Angebote sollten einen Mehrwert entfalten“, betont Kruse.

So kann ein Versicherer die Dienstleistungen nutzen, um sich am Markt zu positionieren. Beim Gesundheitsmanagement gehe es anders als beim Leistungsmanagement nicht darum, die Kosten zu senken.

Insbesondere die medizinische Wirksamkeit müssen die Gesundheitsdienstleistungen unter Beweis stellen. Assekurata Solutions untersucht, ob die Steuerung der Versicherten in die für sie passenden Angebote funktioniert. „Wir bewerten, wie es mit dem Qualitätsmanagement aussieht und ob es eine Erfolgsmessung aus Sicht der Versicherten gibt.“

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