Rekord

Immer mehr Medizinstudierende ohne Abi

In Deutschland gibt es so viele Studierende, die kein Abitur haben, wie noch nie. Im Medizinstudium sind es 825, wie eine neue Erhebung zeigt.

Von Thorsten SchaffThorsten Schaff Veröffentlicht:
Viele Studierende ohne Abitur begeistern sich für das Medizinstudium.

Viele Studierende ohne Abitur begeistern sich für das Medizinstudium.

© Peter Atkins / stock.adobe.com (Symbolbild)

GÜTERSLOH. Rund 60.000 Menschen haben im Jahr 2017 studiert, ohne über eine allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife zu verfügen. Das hat das CHE Centrum für Hochschulentwicklung berechnet.

Die Zahl sei ein neuer Rekord und habe sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht, teilte das CHE am Mittwoch in Gütersloh mit.

Mehr als die Hälfte der Studierenden ohne Abitur wählte den Angaben zufolge Fächer aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (55,45 Prozent). Hoch im Kurs stehen auch Ingenieurwissenschaften (20,78 Prozent) und der Bereich Humanmedizin / Gesundheitswissenschaften, der auf 11,50 Prozent kommt (siehe nachfolgende Grafik).

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825 Medizinstudierende ohne Abi

Nach Angaben des Centrums für Hochschulentwicklung gab es vor zwei Jahren insgesamt 825 Personen, die ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife Humanmedizin oder Zahnmedizin studierten.

„Die Zahl setzt sich zusammen aus 639 Studierenden in der Humanmedizin und 186 Studierenden in der Zahnmedizin“, berichtet Dr. Sigrun Nickel, Leiterin Hochschulforschung, der „Ärzte Zeitung“.

Im Jahr 2017 haben 171 Studierende ohne formale Hochschulreife ihr Medizinstudium begonnen: 125 schrieben sich für Humanmedizin ein, 46 für Zahnmedizin. Dabei sei ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen, da es 2012 nur 112 Erstsemester ohne Abitur gab, betont Nickel.

Doch nur wenige Studierende ohne Abitur, die sich für ein Medizinstudium entschieden haben, schließen es erfolgreich ab. Am Beispiel des Fachs Humanmedizin zeigt das eine CHE-Studie aus dem vergangenen Jahr auf: Gezählt wurden 25 Absolventen (im Jahr 2014), 27 (2015), 35 (2016) und 29 im Jahr 2017. (siehe nachfolgende Tabelle).

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Dass es möglich ist, selbst Medizin zu studieren, ohne die schulische Hochschulzugangsberechtigung zu haben, ist laut CHE noch immer weitgehend unbekannt.

Die Qualifikation erfolgt meist über die Berufspraxis. Chancen auf einen Medizinstudienplatz haben Menschen, die „bereits über umfangreiche Berufserfahrung im Bereich Pflege und Gesundheit verfügen und entsprechend hochqualifizierte Berufs- und Fortbildungsabschlüsse vorweisen können“, erläutert Nickel.

Da 60 Prozent der Medizinstudienplätze über das Ausverfahren direkt von den Hochschulen vergeben werden, sei dies der Hauptweg für Studierende ohne allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife, betont sie.

Künftig sollen noch mehr Plätze für das Medizinstudium von den Hochschulen selbst vergeben werden. Nickel berichtet von weiteren zehn Prozent, die der neue Staatsvertrag für die Hochschulzulassung vorsehe.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 03.04.2019 um 14:44 Uhr.

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