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Novartis

Impfstoff vom Mars

240 Millionen Euro hat Novartis in neue Fertigungskapazitäten für Tollwut- und FSME-Impfstoffe investiert. Der Standort Marburg scheint damit auch nach dem Sparten-Wechsel zu GlaxoSmithKline sicher.

Von Gesa Coordes Veröffentlicht:
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier startet offiziell die neue Impfstoffproduktion in Marburg.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier startet offiziell die neue Impfstoffproduktion in Marburg.

© Novartis Vaccines

MARBURG. Der Pharmahersteller Novartis hat eine europaweit einzigartige Produktionsstätte für Impfstoffe in Marburg eröffnet. 240 Millionen Euro haben die Anlagen gekostet, auf denen Vakzine gegen Tollwut und Frühsommer-Hirnhautentzündung (FSME) produziert werden.

Es handelt es sich um eine der größten Investitionen in der hessischen Pharmaindustrie, sagte der Geschäftsführer von Novartis Vaccines, Jochen Reutter, bei der Eröffnung am Mittwoch. "Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Bekämpfung dieser gefährlichen Erkrankungen", betonte der zweite Geschäftsführer Niklas Schier.

Von einem "Meilenstein für das Unternehmen" sprach Ministerpräsident Volker Bouffier, Nobelpreisträger Emil von Behring, der den Standort vor 110 Jahren begründete, wäre sicher stolz auf die Entwicklung.

Mit den Neubauten will das Unternehmen seine Kapazitäten verfünffachen. In Zukunft sollen hier jedes Jahr zehn Millionen Dosen Tollwutimpfstoff und 20 Millionen Dosen FSME-Impfstoff vom Band rollen, die in mehr als 50 Länder gehen. Immer mehr Menschen lassen sich gegen Tollwut und die durch Zecken übertragene Hirnhautentzündung impfen.

Bereits seit März werden die Tollwut-Impfstoffe in der neuen Anlage hergestellt. Ab Juni kann auch in die USA und nach Kanada geliefert werden. Die Produktion des FSME-Impfstoffes soll im Frühjahr 2015 starten.

Die fünf neuen Gebäudekomplexe mit weitem Blick über das Marburger Hinterland bilden den sogenannten "Mars-Campus". "Mars" steht für "Marburger Standort". Auf dem Campus sind künftig mehr als 400 der 1400 Marburger Novartis-Mitarbeiter tätig.

Jede Anlage kann zwei Impfstoffe

Dazu gehört ein Qualitätskontrollgebäude, in dem über 350.000 Tests pro Jahr gemacht werden. Auch Wirkverstärker - etwa für den neuen Meningitis B-Impfstoff - werden auf dem Campus produziert.

Einzigartig ist die neue Produktionsstätte, weil auf deren beiden Anlagen jeweils sowohl Tollwut- als auch FSME-Impfstoffe produziert werden können. Zudem werden die keimfreien Eier, in deren Zellen die Tollwut- und FSME-Viren wachsen, neuerdings per Laserstrahl geöffnet.

Bislang wurde dies von Hand gemacht. Indessen gingen während der Feierlichkeiten fast die anstehenden Veränderungen am Standort unter.

Für 7,1 Milliarden Dollar hat Novartis kürzlich seine Impfstoffsparte an den britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) verkauft. Im Gegenzug kauft Novartis die Krebssparte von GSK.

Die Marburger gehen davon aus, dass die Arbeit am Standort wie bisher weitergeführt oder sogar ausgebaut wird. "Natürlich sind gewisse Unsicherheiten dabei", sagte Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel. Aber GSK übernehme ein bestens aufgestelltes Unternehmen mit sehr engagierten Mitarbeitern.

Noch unklar ist jedoch, was mit der Produktion der Grippe-Impfstoffe passiert. Diese waren von dem Deal ausgenommen, weil GSK in diesem Markt bereits stark vertreten ist. 2007 weihte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Marburg die erste Produktionslage für einen Grippeimpfstoff ein, der mit Zellkulturen arbeitet.

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