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Droht Unterversorgung?

In vier Jahren werden wieder mehr Klinikbetten benötigt

Hat die stationäre Versorgung ein Kapazitätsproblem? Noch nicht. Ab 2020 könnte es aber eng werden.

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DÜSSELDORF. Entwickeln sich Krankenhaus-Fallzahlen mit gleicher Dynamik weiter, wie aktuell zu beobachten, dann könnte bereits ab 2020 die bundesweit bestehende Bettenkapazität voll ausgelastet sein. "Danach droht Unterversorgung", lautet der Befund der Unternehmensberatung Deloitte in ihrem am Montag veröffentlichten Report "Health Care Indicator 2016".

Von 2013 auf 2014 haben sich demnach die stationären Behandlungsfälle um zwei Prozent auf 19,6 Millionen erhöht. Das sei der stärkste Fallzahlzuwachs seit fünf Jahren, heißt es. Die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus sei in der Berichtszeit von 7,56 Tagen auf 7,45 Tage gefallen.

Zusätzlicher Bettenbedarf von 23.000 

2020 werden die Kliniken laut Deloitte voraussichtlich 21,4 Millionen Behandlungsfälle abarbeiten, 2030 weitere 1,5 Millionen Fälle mehr. Konsequenz: Bundesweit ergäbe sich in absehbarer Zeit Anpassungsbedarf. Besteht derzeit noch eine Überkapazität von 4,5 Prozent – das sind den Angaben zufolge rund 22.000 Betten –, so prognostiziert Deloitte bis 2030 einen zusätzlichen Bettenbedarf von 23.000.

In einer nach Bundesländern differenzierten Betrachtung lasse sich heute schon Unterversorgung in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen und dem Saarland beobachten. Dagegen würden in anderen Ländern wie Rheinland-Pfalz, NRW, Sachsen-Anhalt und Thüringen auch in vier Jahren noch mehr Betten vorgehalten als tatsächlich benötigt.

Zunahme von Volkskrankheiten

Als Ursache für den insgesamt zu konstatierenden Bettenbedarf wird die demografisch bedingte Zunahme von Volkskrankheiten wie insbesondere Rückenprobleme und Herzinsuffizienz genannt. Zudem steige die Geburtenrate inzwischen wieder an – zuletzt (2014) um sechs Prozent auf 513.000 Geburten.

Prozentual die höchsten Fallzahl-Steigerungen werden im Fünf-Jahres-Zeitraum bis 2030 den Fachbereichen Neurologie (25 Prozent), Augenheilkunde (22,4 Prozent) und Innere Medizin (19 Prozent) vorhergesagt. Regional müssten sich bis 2030 vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Brandenburg auf deutlich stärkeren Patientenandrang einstellen.

Ebenfalls Zuwächse, wenn auch nicht ganz so dramatische, verorten die Berater in Rheinland-Pfalz, Hessen, der Bundeshauptstadt, Hamburg und Niedersachsen.

Jedenfalls besteht Handlungsbedarf, ist Deloitte-Analyst Dr. Gregor Elbel überzeugt: "Sollte sich die aktuelle Tendenz zu mehr Fallzahlen auch in den nächsten Jahren halten, müssen die Verantwortlichen schon heute Strategien entwickeln, um die Versorgung in bestimmten Regionen sicherzustellen." (cw)

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