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Integrierte Versorgung läuft auch ohne Vertrag

Urologen in Leverkusen machen es vor: Nachdem die AOK Rheinland/Hamburg ihnen den IV-Vertrag gekündigt hatte, haben sie das Projekt mit einer Klinik trotzdem weitergeführt. Und ihr Angebot sogar noch erweitert. Der Plan: Die Ärzte wollen Vollversorger werden.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Drei Jahre IV-Arbeit in Leverkusen zeigten: Feste Behandlungspfade in ambulanter und stationärer Versorgung senken die Zahl der Klinik-Neueinweisungen in solchen Projekten.

Drei Jahre IV-Arbeit in Leverkusen zeigten: Feste Behandlungspfade in ambulanter und stationärer Versorgung senken die Zahl der Klinik-Neueinweisungen in solchen Projekten.

© Mathias Ernert / Berufsgenossenschafliche Klinik, Ludwigshafen

MÜNSTER. Das Engagement in einem Projekt zur integrierten Versorgung (IV) kann auch jenseits eines Integrationsvertrags die Basis für eine nachhaltige sektorenübergreifende Zusammenarbeit legen. Diese Erfahrung haben Urologen im rheinischen Leverkusen gemacht. "Der Integrationsvertrag hat viel mehr ausgelöst als die reine Vertragssituation", sagte der niedergelassene Urologe Dr. Michael Stephan-Odenthal auf der Fachtagung "Erfolgsmodelle der Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten" des Bundesverbands Managed Care (BMC) in Münster.

Jeder Patient erhält einen festen Ansprechpartner

2001 haben die niedergelassenen Urologen in Leverkusen gemeinsam mit den Kollegen der urologischen Hauptabteilung am Krankenhaus einen Qualitätszirkel gegründet. "Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Behandlungsabläufe optimieren können", berichtete Stephan- Odenthal. Die Fachärzte aus Klinik und Praxis erarbeiteten Behandlungspfade, die Zusammenarbeit beider Bereiche spielte sich ein. Für das Krankheitsbild lokal begrenztes Prostata-Karzinom entwickelten sie ein Konzept zur integrierten Versorgung und schlossen 2005 einen Vertrag mit den Primärkassen.

Ein wichtiges Kriterium war dabei das Patientenmanagement, sagte Stephan-Odenthal. Patienten erhielten einen festen Ansprechpartner, der sie durch den Behandlungspfad von der ambulanten ärztlichen Behandlung über die stationäre Versorgung bis zu Rehabilitation und Nachsorge begleitete.

Bis 2008 wurde der Integrationsvertrag auf weitere Regionen ausgedehnt, insgesamt 102 Patienten waren eingeschlossen. Nach drei Jahren wurde das Projekt ausgewertet. "Wir konnten nachweisen, dass die Patienten deutlich seltener wegen Komplikationen wieder in die Klinik eingewiesen wurden", sagte er. Eine kostengünstigere Behandlung ließ sich durch die Gegenüberstellung mit den Daten einer Vergleichsgruppe aber nicht belegen. Deshalb kündigte die AOK Rheinland/Hamburg den Vertrag nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung.

Der Zeitraum von drei Jahren war nach Einschätzung von Stephan- Odenthal zu kurz, um einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg zu belegen. "Das hatte nichts damit zu tun, dass die integrierte Versorgung schlecht war."

Deutliche Einsparungen im Röntgenbereich möglich

Die guten Erfahrungen bewogen die Kollegen, an der strukturierten Zusammenarbeit festzuhalten. Drei Urologen folgten dem Angebot des Krankenhauses Leverkusen, sich im Ärztehaus "MediLev"auf dem Klinikgelände niederzulassen. "Wir haben die Kooperation mit den Fachärzten des Hauses ausgeweitet." Die Urologen arbeiten inzwischen mit einer gemeinsamen Dokumentation, ihre Röntgenunterlagen legen sie in einem gemeinsamen Archiv ab, auf das jeder von ihnen Zugriff hat. "Sowohl in meiner Praxis als auch in der Klinik werden dadurch 30 Prozent weniger Röntgenaufnahmen gemacht."

Die Erfahrungen mit der Zusammenarbeit veranlassten die Urologen, ein Prostatazentrum zu gründen. "Zu den bisher angebotenen Leistungen haben wir weitere hinzugenommen." Dazu zählen die Strahlentherapie und die Psychotherapie. Die Ärzte haben die Schnittstellen definiert, betreiben ein gemeinsames Patientenmanagement und haben ihr Qualitätsmanagement abgestimmt.

Die Verzahnung soll noch weiter gehen. "Wir möchten ein regionaler Versorger werden", sagte Stephan- Odenthal. Damit das gelinge, müssten auf beiden Seiten noch Denkblockaden fallen. "Jeder muss bereit sein, seinen eingezäunten Sektor zu verlassen, egal was die Politik und die Paragrafen noch alles bringen."

Als die wichtigsten Gegenkräfte sieht der Urologe die unterschiedliche Finanzierung der Sektoren, die Machtinteressen der KV auf der einen und der Krankenhausgesellschaft auf der anderen Seite sowie Politik und Bürokratie, die eine sektorunabhängige Finanzierung scheuen. Das alles dürfe die Ärzte aber nicht daran hindern, an der sektorübergreifenden Zusammenarbeit festzuhalten. "Ich glaube, dass dies der Weg der Zukunft ist, vor allem, weil es die Patienten wollen", sagte er.

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