Studie zeigt

Jedes fünfte Krankenhaus steckt in den roten Zahlen

Wirtschaftlich ging es für viele deutsche Kliniken 2015 bergauf. An bekannten Problemen, allen voran der mangelnden Investitionsfähigkeit und Digitalisierung, hapert es aber weiterhin.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Deutsche Kliniken haben 2015 mehr Umsatz gemacht. Fast ein Drittel steckt aber immer noch in den roten Zahlen.

Deutsche Kliniken haben 2015 mehr Umsatz gemacht. Fast ein Drittel steckt aber immer noch in den roten Zahlen.

© Jürgen Fälchle / fotolia.com

MÜNCHEN. Mit den Strukturimpulsen durch die jüngste Klinikreform sind besonders Investitions- und Innovationsfähigkeit der Krankenhäuser gefragt.

Dass es damit nicht zum Besten steht, ist landläufig bekannt. Und dass sich daran auch so schnell nichts ändert, zeigt eine aktuelle Studie des Münchener Beratungsunternehmens Roland Berger.

Danach hat sich die wirtschaftliche Situation im Kliniksektor 2015 zwar entspannt.

Noch immer aber sind 40 Prozent der Häuser nach Selbsteinschätzung des Managements nicht in der Lage, ausreichend zu investieren. Gefragt wurden Vorstände und Geschäftsführer der 400 bundesweit größten Krankenhäuser. Geantwortet haben den Angaben zufolge am Ende rund 60 Manager.

Mehr Kliniken in Gewinnzone – fast ein Drittel im roten Bereich

Mit 94 Prozent gab die große Mehrheit der Befragten an, 2015 einen höheren Klinikumsatz verbucht zu haben als 2014. 72 Prozent - und damit deutliche 19 Prozentpunkte mehr als bei einer ähnlichen Befragung im Vorjahr - meldeten, einen Überschuss erzielt zu haben.

Bei fast einem Drittel der Häuser sieht es jedoch weiterhin kritisch aus. Sie erzielten entweder nur ein ausgeglichenes Jahresergebnis (acht Prozent) oder schlossen sogar in den roten Zahlen (20 Prozent).

65 Prozent der befragten Klinikmanager gaben an, dass sich ihr Haus aktuell in einer Restrukturierungsphase befindet.

Mehr als 75 Prozent, heißt es, wollen ihre Restrukturierungsbemühungen mit hoher Intensität weiterführen. Im Vordergrund stünden dabei "klassische Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung im Bereich der stationären Erlöse und der medizinischen Sachkosten".

Wichtige Wachstumsschwerpunkte: Kardiologie und Neurologie

Als klinische Wachstumsschwerpunkte nannten die Manager an erster Stelle die Kardiologie (62 Prozent), gefolgt von der Neurologie (56 Prozent) sowie der Hämatologie/Onkologie (53 Prozent) und der Geriatrie (51 Prozent).

Neben stationärer Erlössteigerung (100 Prozent) und strafferem Haushalten bei medizinischen Sachkosten, haben auch die Personalkosten Priorität.

64 Prozent der Befragten meinten, dass darin eine der wichtigsten innerbetrieblichen Stellgrößen zur Verbesserung der Ertragskraft zu sehen ist - "obwohl", so die kritische Anmerkung der Berater, "hier Potenziale nur mittelfristig erschließbar sind und vor allem Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft vor hohen sozialen und politischen Hürden stehen, wenn sie beim Personal einsparen möchten".

Auch der Trend, als Klinik mit ambulanten Versorgungsangeboten Geld zu verdienen, nimmt zu. 49 Prozent der Befragten favorisierten "höhere ambulante Erlöse" als einen wichtigen Baustein im Strukturwandel.

Digitalisierung unzureichend

Der Megatrend Digitalisierung wird von den Klinikverantwortlichen zwar anerkannt. "Allerdings hapert es bisher an der Umsetzung."

Lediglich 17 Prozent der Befragten sehen in ihren E-Health-Anwendungen auch einen wie es heißt "signifikanten wirtschaftlichen Beitrag".

Das könnte unter anderem daran liegen, vermutet Dr. Peter Magunia, Ressortleiter Healthcare bei Roland Berger Deutschland, dass die neuen Informationstechniken bisher "vor allem zur Optimierung interner und externer Informationsflüsse" genutzt würden, nicht aber "zur tiefgreifenden Optimierung der Krankenhausprozesse".

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