Kaum noch Familienleben für Chirurgen

BERLIN (gvg). Drei Viertel der deutschen Chirurgen haben zu wenig Zeit fürs Familienleben, 40 Prozent klagen über eine geringe Lebensqualität. Ein Grund dafür ist nach ersten Daten einer Befragung der hohe bürokratische Aufwand.

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Für die Untersuchung wurden insgesamt 3600 Teilnehmer unterschiedlicher Chirurgenkongresse in Deutschland im Jahr 2009 befragt. Privatdozent Dr. Thomas Bohrer von der thoraxchirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Würzburg hat jetzt eine vorläufige Auswertung präsentiert, in der etwa die Hälfte der Fragebögen berücksichtigt ist.

Den Daten zufolge verbringen deutsche Chirurgen im Schnitt nur etwa ein Drittel ihrer Zeit im Operationssaal. Der Rest werde überwiegend von administrativen Tätigkeiten aufgefressen, so Bohrer bei einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin. Diese Quote an administrativen Tätigkeiten werde von den Kollegen praktisch durchgehend als zu hoch empfunden.

Auch bei der Lebensqualität liege einiges im Argen. So schätzten vier von zehn Chirurgen ihre eigene Lebensqualität geringer ein als die des Bevölkerungsdurchschnitts. Und immerhin jeder Dritte ist der Auffassung, seine Lebensqualität sei schlechter als die seiner Patienten.

Ein wichtiger Grund dürfte die hohe zeitliche Belastung sein, die der Chirurgenberuf auch in Zeiten europäischer Arbeitszeitbestimmungen noch immer bedeutet: "74 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zu wenig bis fast gar keine Zeit für ihr Familienleben hätten", so Bohrer.

Trotz schlechter Bedingungen hängen die deutschen Chirurgen aber an ihrem Beruf. Etwa vier von fünf Befragten würden den Beruf des Chirurgen wieder wählen. Die endgültigen Ergebnisse der Studie sollen beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie im April 2010 in Berlin vorgestellt werden.

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