Kommentar zum Shared Decision Making

Keine Revolution, aber ein Wandel

Ein Innovationsfondsprojekt zum Shared Decision Making hat am Uniklinikum Schleswig-Holstein zu vielen positiven Erkenntnissen geführt. In der Praxis gibt es aber noch einige Baustellen.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:

Ärztliche Entscheidungen sind in aller Regel aus medizinischer Sicht die richtigen. Aber passen die aus fachlicher Sicht richtigen Entscheidungen auch zur individuellen Situation des Patienten? Diese Frage haben sich in der Vergangenheit längst nicht alle Ärzte gestellt. Bei Shared Decision Making wird diese Frage einbezogen und als Projekt erstmals in einem kompletten Krankenhaus umgesetzt. Die voraussichtlichen Ergebnisse aus dem UKSH in Kiel – offiziell stehen sie noch aus – sprechen dafür, dass die gemeinsame Entscheidungsfindung bei geringeren Kosten mehr Patientensicherheit und bessere Behandlungsqualität erzielt.

Das ist ein Ergebnis, das aufhorchen und die Frage aufkommen lässt, wie es mit der gemeinsamen Entscheidungsfindung weitergeht. Wenn das Innovationsfondsprojekt abgeschlossen ist, hat Shared Decision Making zwar ein wichtiges, aber eben erst ein Zwischenziel erreicht. Die anschließenden Selektivverträge sind ein weiterer wichtiger Schritt, bevor es – wie vom Projektleiter erwartet – in die Regelversorgung gehen könnte. Dies sind die formalen Schritte.

Genauso wichtig ist, dass sich bislang vielleicht noch skeptische Ärzte für das Thema öffnen, ihre Vorbehalte offen ansprechen und aufgeschlossen bleiben. Patienten müssen bereit sein, die für eine gemeinsame Entscheidungsfindung wichtigen Fragen auch tatsächlich zu stellen und offen zu kommunizieren, wenn sie sich überfordert fühlen. Darin liegt die eigentliche Herausforderung: Shared Decision Making wird die Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten nicht über Nacht revolutionieren – nötig ist ein Bewusstseinswandel, der Zeit braucht und im oft stressigen Klinik- und Praxisalltag bestehen kann.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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