Deloitte-Studie

Kliniken in NRW unter Druck

Untersuchung von Deloitte stellt große Unterschiede zwischen Ballungsräumen und dünner besiedelten Regionen heraus. Die Zahl der kleinen Häuser sinkt durch Fusionen.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 06.04.2019, 12:34 Uhr

KÖLN. In Nordrhein-Westfalen erreichen rund 98 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 15 Minuten ein Krankenhaus der Grundversorgung.

In einzelnen Regionen mit geringerer Versorgungsdichte kann es auch länger dauern – überall liegen die Fahrtzeiten aber unter 30 Minuten. Das zeigt eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte.

Die Unterschiede zwischen Ballungsräumen und schwächer besiedelten Gebieten könnten sich nach Einschätzung der Autoren insbesondere in der Notfallversorgung als Herausforderung erweisen.

Wie eine gezielte Analyse der Situation in den Regionen Bonn und Münster zeigt, haben sich hierfür aber schon Lösungen entwickelt: Die Kliniken in den großen Städten übernehmen eine Mitversorger-Rolle für die umliegenden Kreise.

Weniger Allgemeinkrankenhäuser, weniger Betten

Deloitte hatte für die Studienreihe „Regionale Gesundheitsversorgung“ die Kliniklandschaft im bevölkerungsreichsten Bundesland unter die Lupe genommen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits einen Bericht zu den Verhältnissen in Bayern veröffentlicht.

Die Autoren verstehen die Studie als „Beitrag zur Objektivierung der aktuellen Diskussion“. Generell verlange die Heterogenität der Verhältnisse passgenaue Strategien für einzelne Regionen, so ihr Fazit.

Die Zahl der Allgemeinkrankenhäuser in NRW ist in den Jahren 2007 bis 2016 um 20 Prozent auf 288 zurückgegangen, die Zahl der Betten hat sich im selben Zeitraum nur um drei Prozent auf gut 109.000 verringert.

Während die Zahl der kleineren und mittelgroßen Häuser abnimmt, gibt es bei den Einrichtungen ab 500 Betten einen deutlichen Anstieg. „Demnach ist der Trend zur Fusionierung beziehungsweise zum Ausbau von größeren Gesundheitseinrichtungen unverkennbar“, heißt es in der Studie.

In den Ballungsgebieten sorgen starker Wettbewerb und eine hohe Versorgungsdichte für eine schlechtere Wirtschaftlichkeit größerer Kliniken, so Deloitte. „Davon ausgehend, dass die größeren Krankenhäuser höhere Investitionsbedarfe für ihre Infrastruktur haben, ist der Druck gerade auf diese Häuser massiv.“

Schwerpunktbildung empfohlen

Die Autoren sprechen sich für eine klare Schwerpunktbildung der Kliniken in den Ballungsgebieten aus, sowie für intersektorale und klinik- und trägerübergreifende Kooperationen. Dabei sollten die großen Einrichtungen auch überregionale Versorgungsaufgaben übernehmen.

In ländlichen Regionen misst Deloitte der Förderung der Vernetzung durch Digitalisierung und Telemedizin einen hohen Stellenwert bei.

Die Autoren der Studie plädieren unter anderem für den Aufbau von Zentren für die internistische und chirurgische Grundversorgung der Patienten sowie für die Erstversorgung von Notfällen.

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