Hygiene

Klinikkeime: Silber als Wunderwaffe?

Krankenhäuser verfolgen allerlei Strategien im Kampf gegen nosokomiale Infektionen. Das Uniklinikum Regensburg testet nun im Rahmen der "NE-Offensive" den Einsatz antimikrobieller Oberflächenbeschichtungen in der Notaufnahme.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Antimikrobielle Oberflächen – zum Beispiel bei Mülleimerklappen – sollen am Uniklinikum Regensburg nosokomialen Infektionen vorbeugen helfen.

Antimikrobielle Oberflächen – zum Beispiel bei Mülleimerklappen – sollen am Uniklinikum Regensburg nosokomialen Infektionen vorbeugen helfen.

© UKR

REGENSBURG. Kliniken scheuen – nicht zuletzt wegen potenzieller Imageschäden – nosokomiale Infektionen wie der Teufel das Weihwasser. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) taxiert die Zahl der Krankenhausinfektionen auf 700.000 bis eine Million pro Jahr – mit bis zu 30.000 darauf zurückzuführenden Todesfällen. Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) will nun mittels Nanosilberpartikeln den nosokomialen Infektionen den Garaus machen – und so für mehr Patientensicherheit sorgen.

Dieser Tage hat das UKR, an dem die bayernweit erste Professur für Krankenhaushygiene angesiedelt ist, nun die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 648.000 Euro geförderte "NE-Offensive" gestartet. Ziel ist es, innerhalb der nächsten zwei Jahre zu untersuchen, ob Patienten durch den Einsatz antimikrobieller Oberflächenbeschichtungen künftig besser vor nosokomialen Erregern und Infektionen geschützt werden können.

Regelmäßige Erfolgskontrolle

Für das Forschungsprojekt sollen auf Nanosilberpartikeln basierende antimikrobielle Oberflächenbeschichtungen getestet werden. Diese werden laut UKR – zunächst beschränkt auf stark frequentierte Bereiche der Notaufnahme – auf besonders keimbelastete oder schwer zu reinigende Oberflächen wie Türgriffe, Schubladen oder Mülleimerdeckel angebracht. Dort sollen sie bereits beim Erstkontakt des Patienten mit dem Krankenhaus aggressiven Erregern entgegenwirken. Durch eine regelmäßige Bestimmung der Keimbelastung auf den beschichteten und unbeschichteten Oberflächen könne der Erfolg gemessen werden.

Die Beschichtungen werden dabei ergänzend zu den bereits bestehenden, umfangreichen Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen am UKR implementiert, um die Anzahl an Keimen speziell an besonders kritischen Stellen von vornherein gering zu halten, so das UKR.

Das Forschungsprojekt ist nach Angaben der Universität von der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am UKR in Kooperation mit der Interdisziplinären Notaufnahme, dem Institut für Mikrobiologie und Hygiene, der Klinik und Poliklinik für Dermatologie sowie dem Zentrum für Klinische Studien entwickelt worden. Mit dabei ist auch das Regensburger Nanotechnologieunternehmen RAS

Finnische Klinik setzt auf Kupfer

Silber ist nicht der einzige Hoffnungsträger im Kampf gegen Klinikkeime. So setzt zum Beispiel das Jorvi Hospital im finnischen Espoo nach Angaben des Deutschen Kupferinstituts in Düsseldorf als erste Klinik weltweit auf Kupfer, um die Keimübertragung im patientennahen Umfeld zu reduzieren.

In Saarbrücken haben Forscher des INM - Leibniz-Instituts für Neue Materialien vor Kurzem nach eigener Aussage antimikrobielle, abriebfeste Beschichtungen sowohl mit Silber-, als auch mit Kupferkolloiden hergestellt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Europäische Chemiepolitik

Ethanol bleibt in der EU als Desinfektionsmittel zulässig

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

Differenzialdiagnosen im Blick

Hängendes Augenlid – Schauen Sie auch auf die Pupillen!

Lesetipps
Symbol für Augenspülung und Notfall-Augenspülvorrichtung für Chemieunfälle.

© navintar / stock.adobe.com

Neue S1-Leitlinie

Verätzung am Auge: Erst spülen, und dann?

Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist