Sanierungsfall

Klinikum in Rendsburg-Eckernförde muss rund 100 Millionen Euro investieren

Hoher Sanierungsbedarf bei den imland Kliniken in Schleswig-Holstein: Zur Debatte steht sogar eine Schließung des Klinikstandorts Eckernförde – mit Umwandlung in ein ambulantes Zentrum.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Stellte drei Szenarien für die Sanierung der imland Kliniken vor: Geschäftsführer Markus Funk.

Stellte drei Szenarien für die Sanierung der imland Kliniken vor: Geschäftsführer Markus Funk.

© Dirk Schnack

Eckernförde. Den imland Kliniken im Kreis Rendsburg-Eckernförde stehen harte Einschnitte bevor. Hauptgrund ist die schlechte Bausubstanz an beiden Klinikgebäuden in Rendsburg und in Eckernförde. Die Pandemie hat bestehende wirtschaftliche Probleme verschärft. Das wurde am Freitagnachmittag bei einer Pressekonferenz mit imland-Geschäftsführer Markus Funk bekannt.

Der Kreis als Eigner muss in den kommenden Wochen über Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, einen schmerzhaften Arbeitsplatzabbau und eine Anpassung des medizinischen Leistungsangebotes am Standort Eckernförde entscheiden. Für die Kreistagspolitiker geht es dabei nur um die Frage, in welcher Dimension sie Einschnitte vornehmen werden, nicht ob.

Derzeit ist der Klinikbetrieb nicht kostendeckend, hat seit Jahresbeginn 13 Millionen Euro an Zuschüssen des Kreises erfordert. Zudem ist das Haus offenbar nicht kreditfähig. Da nach Einschätzung von imland-Geschäftsführer Markus Funk weder ein Verkauf noch die Insolvenz ein Thema sind, bleibt nur die Sanierung. Dafür haben Wirtschaftsprüfer von KPMG ein Gutachten erstellt, das drei Szenarien beinhaltet. Diese drei Szenarien liegen dem Kreistag zur Entscheidung vor:

  • Erhalt des Status quo: An beiden Standorten bleibt die medizinische Versorgung im gewohnten Umfang erhalten. Dies würde Investitionen in einer Gesamthöhe von 125 Millionen Euro erfordern, von denen 46 Millionen Euro an den Gesellschaftern oder zusätzlich vom Land getragen werden müssen. 100 Vollzeitstellen müssten abgebaut werden. In diesem Fall erwarten die Gutachter ab 2026 wieder Gewinne aus dem operativen Betrieb, die Kreditfähigkeit könnte 2028 wieder hergestellt sein. Die wohnortnahe Versorgung bliebe erhalten.
  • Verkleinerung in Eckernförde: Das stationäre Angebot in Eckernförde würde erheblich verkleinert. Es bliebe nur eine stationäre Basis-Notfallversorgung mit Innerer Medizin, Unfallchirurgie und elektivem Gelenkzentrum. Allgemeine Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Geriatrie und Schmerztherapie müssten nach Rendsburg verlagert werden. Aufbau der Kapazitäten in Rendsburg und Abbau in Eckernförde würden erhebliche bauliche Veränderungen bedeuten. Von den Gesamtinvestitionen in Höhe von 101 Millionen Euro blieben über 42 Millionen Euro, die von den Gesellschaftern zu tragen wären. 250 Vollzeitstellen müssten abgebaut werden. Ab 2024 könnten laut Gutachten wieder Gewinne realisiert werden, mit der Kreditfähigkeit rechnen sie in diesem Fall ab 2025. Die wohnortnahe Versorgung würde leiden.
  • Ambulantes Versorgungszentrum in Eckernförde: Keine stationäre Versorgung mehr in Eckernförde, stattdessen Umbau in ein ambulantes Versorgungszentrum. Rendsburg müsste in diesem Fall das stationäre Angebot deutlich aufstocken. Die Gesamtinvestitionen für dieses Szenario liegen bei 99 Millionen Euro, von denen die Gesellschafter mehr als 55 Millionen Euro tragen müssten. 420 Vollzeitstellen würden abgebaut. Gewinne wären schon 2023 wieder möglich, die Kreditfähigkeit 2024 wieder hergestellt. Die wohnortnahe Versorgung würde am stärksten leiden.

Droht ein „Sterben auf Raten?“

Die Wirtschaftsprüfer und auch Funk persönlich halten das zweite Szenario für unwahrscheinlich, weil sie den Rückbau auf ein 60-Betten Krankenhaus nicht für zukunftsträchtig erachten. „Das wäre ein Sterben auf Raten“, sagte Funk.

Vom Arbeitsplatzabbau im dritten Szenario wäre jeder vierte „Imländer“ betroffen, gab Funk zu bedenken. In welche Richtung die Kommunalpolitiker tendieren – darüber wollte Funk nicht spekulieren. Für ihn ist wichtig, dass die mit der Entscheidung verbundenen Investitionen gesichert sein müssen, damit die Lösung auch umgesetzt werden kann.

Der vor einem Jahr nach Rendsburg geholte Funk machte deutlich, dass die bauliche Situation an beiden Standorten der Grund für die betriebswirtschaftliche Schieflage ist. Allerdings hat Corona die Probleme verschärft: Die Vorhaltekosten haben sich erhöht, zugleich gingen die Erlöse deutlich zurück.

Nur geringe Corona-Ausgleichszahlungen

Wegen der niedrigen Inzidenz in Schleswig-Holstein bekam das Haus, wie berichtet, nur geringe Ausgleichszahlungen. Hinzu kommt die Wettbewerbssituation: Nur 60 Prozent der Patienten aus dem Kreis lassen sich in einem imland-Krankenhaus behandeln, die Häuser in Neumünster, Schleswig und Kiel sind ebenfalls schnell erreichbar.

Politiker und Mitarbeiter waren nach Angaben Funks schockiert von den Zahlen. Zugleich seien viele dankbar für die Transparenz gewesen, mit der die derzeitige Situation geschildert wurde.

Funk ist wichtig, dass sein Haus eine Perspektive für die Mitarbeiter und Patienten bieten kann. Er ist überzeugt, dass imland langfristig wieder erfolgreich wird arbeiten können: „Wir haben ein attraktives medizinisches Portfolio.“

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