Hauptstadt

Kommission plädiert für Klinik-Holding

Die Berliner Uniklinik Charité und der kommunale Klinikkonzern Vivantes sollen gemeinsames Dach erhalten.

Veröffentlicht: 29.03.2019, 09:02 Uhr

BERLIN. Die Zukunftskommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ unter Leitung des SPD-Gesundheitsexperten Professor Karl Lauterbach will Synergien in der Berliner Kliniklandschaft heben. In ihrem jetzt vorgelegten Bericht fordert die Kommission eine bessere Kooperation der Hauptstadtkliniken Charité und Vivantes.

Die „institutionelle Zusammenarbeit“ des Uniklinikums und des kommunalen Krankenhauskonzerns soll eine koordinierte Standortplanung und Aufgabenteilung ermöglichen – laut Lauterbach ein fusionsartiges Modell, aber keine Fusion.

Unter die Ägide der vorgeschlagenen Holding soll auch das eng mit der Charité verbundene Berlin Institute of Health (BIH) und das künftige Universitäre Herzzentrum gemeinsam mit dem Deutschen Herzzentrum eingebracht werden.

Geht es nach den Kommissionsplänen, soll sich die Charité auf Hochleistungsmedizin konzentrieren und Vivantes die Massenversorgung übernehmen. Gleichzeitig sollen Vivantes-Patienten an Charité-Studien teilnehmen können und Vivantes-Daten der Charité zur Verfügung stehen. Als Basis ist eine gemeinsame IT- und Dateninfrastruktur mit einer digitalen Patientenakte vorgesehen.

Die Holding solle als 100-prozentige Landestochter aufgestellt sein. Zugleich soll beim Senat ein Beauftragter für die Kooperation der beiden Klinikriesen angesiedelt werden. Im Gespräch für den Posten ist unbestätigten Berichten zufolge der von Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) in den Vorruhestand versetzte ehemalige Staatssekretär Boris Velter.

Die Charité und Vivantes versorgen mit 9600 von insgesamt 22.000 Berliner Krankenhausbetten 42 Prozent der stationären Patienten in der Hauptstadt. Eine Dachstruktur könnte die Klinikversorgung in Berlin maßgeblich steuern. „Das ist ein Mammutvorhaben, das eine breite Beteiligung, gute Koordination und einen langen Atem benötigen wird“, so Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der den Bericht vor etwa einem Jahr in Auftrag gegeben hat.

Auch bei der Aus- und Weiterbildung sollen die beiden Großkliniken enger zusammenarbeiten. Für die Ärzteausbildung sieht der Bericht vor, dass bereits im Medizinstudium die Möglichkeit geschaffen wird, Schwerpunkte auf Chirurgie, Allgemeinmedizin oder Forschung zu setzen. Zudem soll die geplante gemeinsame Akademie für Gesundheitsberufe von Charité und Vivantes vorangetrieben werden.

Um die biomedizinische Forschung in der Hauptstadt voranzubringen, fordert die Kommission eine gemeinsame Forschungsstrategie mit dem Schwerpunkt translationaler Forschung. Daran sollen neben der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin auch die Max-Planck-Institute für Infektionsbiologie und Molekulare Genetik mitwirken. Das BIH soll in diesem Rahmen als Exzellenzsäule innerhalb der Charité etabliert werden. An der Charité sind aus Sicht der Kommission dafür deutliche Investitionen nötig. Der Berliner Senat will die Ergebnisse des Berichts nun diskutieren. (ami)

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