PKV

Kooperation für mehr Marktmacht

Vier PKV-Unternehmen gründen ein Joint Venture, um sich selektivvertraglich besser aufzustellen.

Veröffentlicht: 03.03.2016, 05:00 Uhr

KÖLN. Vier private Krankenversicherer wollen ihre Kräfte im Bereich des Leistungsmanagements und im Einkauf bündeln: Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal haben dazu ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Die Initiative läuft unter dem Arbeitstitel "Leistungsmanagement Plus". Sie wird zurzeit in einem Fusionskontrollverfahren durch das Bundeskartellamt überprüft.

Da die vier Versicherer auch zusammen weit davon entfernt sind, im kleinen PKV-Markt eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen, dürfte der Genehmigung wohl nichts im Wege stehen. Wegen des laufenden Verfahrens wollen sich die Unternehmen im Moment nicht zu dem Projekt äußern.

Kunden fragen nach

Während Verträge mit Ärzten, Kliniken oder anderen Leistungserbringern zu Art, Qualität und Honorierung bestimmter Leistungen inzwischen zur Tagesordnung in der GKV gehören, hinkt die PKV hier noch hinterher. Das liegt vor allem an der viel zu geringen Größe der meisten Unternehmen. Verträge mit ihnen würden bei Ärzten und Kliniken nur eine Minderheit der Patienten erfassen. Mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen wollen Barmenia, Gothaer, Hallesche und Signal durch die Bündelung der Nachfrage für mehr Schlagkraft sorgen. Gemeinsam können sie bessere Konditionen für ihre Kunden aushandeln. Und: Über Selektivvereinbarungen könnten sie auch Vergütung und Qualität beeinflussen.

Die PKV-Anbieter verzeichnen ebenso wie die gesetzlichen Kassen den Trend, dass Versicherte sich immer öfter erkundigen, wo sie gute Leistungen erhalten. Damit eröffnet sich für die Versicherer die Chance, Kunden gezielt zu eigenen Angeboten zu leiten.

Offen für weitere Teilnehmer

Die vier PKV-Unternehmen wollen wohl auch im Einkauf kooperieren, um von Skaleneffekten zu profitieren. So kann es sinnvoll sein, für Hilfsmittel wie Rollstühle oder Hörgeräte mit Anbietern Verträge zu schließen. Experten können sich auch vorstellen, dass sie gemeinsam die digitale Leistungsabrechnung weiterentwickeln, die hohe Investitionen erfordert. Die Protagonisten der Idee, in der PKV beim Leistungsmanagement und der Beschaffung zusammenzuarbeiten, sind mit ihrem Konzept schon länger unterwegs. Ursprünglich wollten sie möglichst viele Anbieter ins Boot holen. Jetzt machen zunächst einmal die vier Unternehmen den Anfang, die alle als Versicherungsvereine organisiert sind. Sie wollen das "Leistungsmanagement Plus" aber weiterhin für andere Interessenten offenhalten, auch für Aktiengesellschaften.

Die PKV hat in einem Gutachten klären lassen, dass ein solches Gemeinschaftsunternehmen juristisch auf festem Grund steht. (iss)

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