Frühgeborene / Uniklinik Ulm

Krankenschwester bestreitet Vorwurf, Morphin verabreicht zu haben

In Ulm wurden Frühgeborenen ohne medizinische Notwendigkeit Morphin verabreicht. Gibt es Parallelen zu einem ähnlichen Fall in Marburg?

Veröffentlicht: 30.01.2020, 15:00 Uhr
Krankenschwester bestreitet Vorwurf, Morphin verabreicht zu haben

Eine Krankenschwester an der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm wird verdächtigt, hier Frühgeborenen ohne jede medizinische Notwendigkeit Morphin verabreicht zu haben.

© dpa

Ulm. Eine Krankenschwester des Uniklinikum Ulms bestreitet nach Angaben der Staatsanwaltschaft, mehreren Frühgeborenen ohne jede medizinische Notwendigkeit Morphin verabreicht zu haben. Im Spind der Frau im Universitätsklinikum sei allerdings eine Spritze entdeckt worden, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Ulm mit. Der Inhalt: Muttermilch mit Morphin vermischt.

Gegen die Frau sei Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erlassen worden, so der Leiter der Ulmer Staatsanwaltschaft, Christof Lehr. Sie habe „umfassende Angaben gemacht“. Ob ihr jemand die Spritze untergeschoben hat, sei nicht ausgeschlossen. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Bernhard Weber, Chef einer 35-köpfigen Ermittlungsgruppe beim Ulmer Polizeipräsidium.

Urinproben lösen Verdacht aus

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch das Universitätsklinikum – Wochen nach dem medizinischen Alarmfall. Am 17. Januar erstattete die Klinikleitung Anzeige, nachdem sich in Urinproben der Kinder Rückstände von Morphium fanden. „Das Universitätsklinikum kooperiert vollumfänglich mit den ermittelnden Behörden und stellt alle gewünschten Unterlagen zur Verfügung“, teilte die Uni mit. Es sei ein Krisenstab gebildet worden.

„Wir bedauern es sehr, dass es zu einem solchen Zwischenfall gekommen ist und entschuldigen uns ausdrücklich bei den Eltern und Kindern dafür“, erklärten die Ärztlichen Direktoren des Klinikums und der Kinderklinik, die Professoren Udo Kaisers und Klaus-Michael Debatin.

Motiv noch unklar

Doch was könnte die Verdächtige dazu getrieben haben, wehrlose Säuglinge mit Morphium in eine lebensbedrohliche Situation zu bringen und womöglich deren Tod billigend in Kauf zu nehmen? Das Motiv sei bislang nicht bekannt, erklären die Ermittler. „Wir stehen noch weitgehend am Anfang“, sagte Weber.

Anhaltspunkte könnten sich vielleicht aus dem Studium eines anscheinend ähnlichen Falls im Uniklinikum Marburg ergeben. Dort hatte eine Kinderkrankenschwester zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 drei frühgeborenen Mädchen ärztlich nicht verordnete Beruhigungs- und Narkosemittel verabreicht.

Ende November 2019 wurde sie wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. „Wir sind tatsächlich im Kontakt mit den dortigen Ermittlern, vielleicht helfen uns deren Erfahrungen“, sagte ein Sprecher der Ulmer Staatsanwaltschaft. (dpa)

Mehr zum Thema
Update

Masernschutzgesetz

Mehrfachrezept – Selbstverwaltung liefert nicht

Kommentar zum Masernschutzgesetz

Impf-Förderung auf Arztebene

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
„Sichere Apps auf Rezept gibt es nicht“

Digitale Gesundheitsanwendungen

„Sichere Apps auf Rezept gibt es nicht“

Geht der Arzt als Corona-Superspreader in die Praxis?

Schleswig-Holstein

Geht der Arzt als Corona-Superspreader in die Praxis?

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden