Börse

Lieber auf Papiere der Schwergewichte setzen

In den vergangenen Jahren warfen Aktien kleiner Unternehmen die höchsten Gewinne ab. Jetzt sehen Börsenstrategen die Trendwende - und raten zum Einstieg in die Papiere der Börsenschwergewichte.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Beim Blick auf Nebenwerte macht sich unter Börsianern allmählich Skepsis breit.

Beim Blick auf Nebenwerte macht sich unter Börsianern allmählich Skepsis breit.

© H-Gall/ iStock

NEU-ISENBURG. Small is beautiful - klein ist fein, lautete in den vergangenen elf Jahren das Credo vieler Börsenstrategen. Aktien kleiner Unternehmen, sogenannte Small Caps, würden deutlich höhere Kursgewinne verzeichnen als Papiere großer Konzerne, die Big Caps, weil die Mini-Gesellschaften wie kleine Schnellboote viel wendiger seien als die riesigen Schlachtschiffe und deshalb ihre Gewinne kräftiger steigern könnten.

Wer dem Ratschlag folgte, konnte viel Geld verdienen. Das zeigt eine neue Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PwC. Danach verdreifachten sich im Schnitt die Kurse der im SDax gelisteten 50 deutschen Börsenzwerge von 2003 bis 2013. Hingegen verzeichneten die 30 deutschen Schwergewichte im Top-Index Dax im selben Zeitraum im Schnitt nur einen Kursgewinn von 100,2 Prozent.

Bei den 50 Mittelgewichten im MDax lag das durchschnittliche Plus mit 103,6 Prozent in dieser Zeit kaum höher. "Investitionen in Aktien kleiner Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren die höchsten Renditen gebracht", sagt PwC-Vorstandsmitglied Petra Justenhoven.

Nicht anders war die Situation in den USA, wo die Werte im Small-Cap-Index Russell 2000 in den vergangenen Jahren deutlich höhere Kursgewinne verzeichneten als die Aktien in den Top-Indizes Dow Jones und S&P 500. Jetzt allerdings erwarten immer mehr Strategen, dass die Aktien der Giganten in den kommenden Jahren deutlich höhere Kursgewinne verzeichnen werden als die Zwergenpapiere.

Je größer der Konzern, desto besser?

"Es ist Zeit, in Aktien der großen Konzerne umzuschichten, weil sie viel höhere Chancen auf Kursgewinne bieten", schreiben Researcher der Investmentbank Morgan Stanley in einer neuen Studie. In Relation zu ihren Gewinnen würden Aktien großer europäischer Konzerne derzeit auf einem 30-Jahres-Tief gehandelt.

"Zugleich sind ihre durchschnittlichen Dividendenrenditen beinahe auf einem 30-Jahres-Hoch", haben die Analysten errechnet. Hingegen notierten die Börsenkurse der Small Caps nahe ihres historischen Höchststands.

Das bereitet inzwischen sogar Währungshütern Sorgen. Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, warnte jüngst vor dem amerikanischen Kongress, "es gibt deutliche Hinweise, dass Small Caps überbewertet sind".

Dieser Ansicht ist auch der unabhängige US-Finanzberater Dan Caplinger: "Die Aktien im Russell 2000 werden derzeit im Schnitt fast zum Hundertfachen des Jahresgewinns gehandelt, die im S&P 500 nur zum 18-Fachen."

Das könnte bald zu heftigen Kursverlusten bei den Small-Caps führen. Denn Börsianer achten immer strenger darauf, ob Gesellschaften ihre Gewinnerwartungen erfüllen oder nicht. "Die Spreu trennt sich vom Weizen", sagt Michael Beck, Leiter Portfolio-Management beim Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger.

"Unternehmen, die in ihren Ergebnisausweisen enttäuschen oder deren Ausblick nicht den Erwartungen der Investoren entspricht, müssen empfindliche Kursrückschläge verkraften."

Die Gefahr ist bei den Small Caps deutlich größer, weil sie so hoch bewertet sind. "Sollte die Konjunkturerholung aus dem Tal der Finanzkrise nicht so rasch erfolgen, wie erwartet, werden die Aktienkurse der kleineren Unternehmen besonders heftig einbrechen", prognostiziert Caplinger.

Potenzial bei Bank und Post?

Zu den attraktivsten großen europäischen Konzernen zählen die Morgan-Stanley-Researcher die niederländische ING Bank, deren Aktie lediglich zum Zehnfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns gehandelt wird, sowie das Papier der Deutschen Post. D

eren Dividende soll nach der Konsenserwartung der Analysten dieses Jahr von zuvor 0,80 Euro auf 0,86 Euro steigen und 2015 um weitere neun Prozent auf 0,94 Euro zulegen.

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