Pandemiemanagement

Luca-App und Impfungen: Menschen mit Behinderung oft „nicht im Blick“

Ob beim Recht auf einen frühen Impftermin oder der Entwicklung einer wichtigen App zur Kontaktnachverfolgung – Menschen mit Behinderung kritisieren, in der Pandemie teils vergessen worden zu sein.

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Die Hürden sind für Menschen mit Behinderung im Pandemie-Alltag noch höher geworden. Hilfen, diese zu umschiffen, sind zudem häufig nicht barrierefrei, kritisieren sie.

Die Hürden sind für Menschen mit Behinderung im Pandemie-Alltag noch höher geworden. Hilfen, diese zu umschiffen, sind zudem häufig nicht barrierefrei, kritisieren sie.

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Halle. Das Lippen-Ablesen gehört wohl zu einem der wichtigsten Werkzeuge, mit denen gehörlose Menschen durch ihren Alltag navigieren. Für sie wiegt deswegen die Maskenpflicht zur Pandemiebekämpfung besonders schwer, denn der versperrte Blick auf den Mund des Gegenübers macht auch die Kommunikation oft kaum möglich. Auch sonst stellt die aktuelle Situation blinde Menschen vor besondere Probleme: Wie erkennen sie beispielsweise Personenbeschränkungen oder Wegeführungen in Geschäften, Warteschlangenregelungen, Hinweistafeln oder Desinfektionsständer?

Es seien nahezu alle Menschen mit Beeinträchtigung auf unterschiedliche Art und Weise und je nach Einzelfall von der Pandemie betroffen, erklärt Katharina Brederlow, Beigeordnete für Bildung und Soziales in Halle. Sie stelle insbesondere die Reduzierung sozialer Kontakte durch Besuchs- und Kontakteinschränkungen und durch reduzierte Präsenzangebote für die Menschen in den Begegnungsstätten und Selbsthilfegruppen fest.

Menschen mit Behinderung fühlen sich ausgeschlossen

„Als Interessenvertreter der verschiedensten Behindertengruppen müssen wir immer wieder feststellen, dass bestimmte Gruppen nicht im Blick der gesellschaftlichen Prozesse sind“, sagt Jürgen Hildebrand, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbandes in Sachsen-Anhalt (Abisa). Das sei leider auch in dieser Pandemie so.

Er zielt damit auch auf eine Aussage ab, die Athletensprecherin Manuela Schmermund jüngst im Deutschlandfunk tätigte. Ihrer Ansicht nach seien bestimmte Gruppen von Menschen mit Behinderung bei der Impfpriorisierung „schlichtweg vergessen“ worden. Das seien unter anderem „Menschen mit Behinderung, die nicht in einer Einrichtung leben und trotz allem zusätzliche Erkrankungen haben“.

Zuletzt beschwerten sich im Zusammenhang mit der Pandemiebekämpfung verstärkt Menschen mit Sehbehinderung über die Nutzungsbarrieren der neu eingeführten Luca-App zur Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten. „Hier wurde im Vorfeld nicht bedacht, die Anwendung barrierefrei zu gestalten. Blinde Menschen werden von der Nutzung ausgeschlossen“, sagte Bernd Peters, Leiter der Geschäftsstelle des Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt. „Ich finde, die Barrierefreiheit hätte eine Bedingung für den Kauf der App sein müssen.“

Sachsen-Anhalt spekuliert auf Nachbesserung

Sachsen-Anhalt wird die App künftig einsetzen. Der Kritik der Sehbehinderten entgegnete eine Sprecherin des Sozialministeriums in Sachsen-Anhalt: „Wir gehen davon aus, dass die Entwicklerfirma die Barrierefreiheit kurzfristig implementiert.“ Man habe die App erst einmal schnellstmöglich einführen wollen, da die Anwendung ansonsten alle wichtigen Anforderungen erfülle.

Die Luca-App funktioniert mit einer Art virtuellen Visitenkarte: Nutzer müssen zunächst ihre Kontaktdaten eingeben, das Programm verschlüsselt die Informationen dann und generiert wechselnde QR-Codes. Mit den Codes können sich die Nutzer sodann in Restaurants, Kinos oder anderen Orten anmelden, ohne sich in eine Liste einzutragen.

Tritt im Umfeld des besuchten Ortes eine Infektion auf, kann das Gesundheitsamt die gefährdeten Besucher über die App ermitteln. Davon verspricht man sich eine schnellere und effektivere Nachverfolgung der Risikokontakte. Die App war zuletzt auch wegen Problemen beim Datenschutz in die Kritik geraten. (dpa)

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