Arznei

Medizinische Biotechnologie ist stark im Aufwind

Jeder vierte Euro wurde 2016 mit einem gentechnisch produzierten Arzneimittel erwirtschaftet. Tendenz steigend – denn die Pipeline der Biotech-Unternehmen ist gut gefüllt, vor allem in der Onkologie.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:

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BERLIN. Die Biotech-Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr Arzneimittel im Wert von 9,3 Milliarden Euro zu Herstellerabgabepreisen produziert. Mit einem Wachstum von 12,4 Prozent realisierten sie einen Marktanteil von 24,8 Prozent. Dies geht aus dem Branchenbericht "Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2017" hervor, den die Boston Consulting Group im Auftrag von vfa Bio erstellt hat.

Zwei Indikationsgebiete haben in der Biotechnologie herausragende Bedeutung: die Immunologie, wo gentechnisch erzeugte Präparate auf einen Umsatz von 2,86 Milliarden Euro (plus 18 Prozent) kommen und einen Marktanteil von 76 Prozent erreichen; und die Onkologie, wo ein Umsatz von 2,23 Milliarden Euro erreicht wird mit einem besonders dynamischen Wachstum von zuletzt 24 Prozent.

Wertmäßig erreichen die Gentechnik-Präparate unter allen Krebstherapeutika einen Marktanteil von inzwischen 42 Prozent. Der Report widmet dieses Jahr einen Schwerpunkt der Onkologie.

Der Grund: Die Onkologie hat sich zu einem besonders zukunfts- und innovationsträchtigen Therapiegebiet entwickelt. Von den insgesamt 598 gentechnischen Wirkstoffen, die sich derzeit in der klinischen Forschung befinden, entfallen 226 auf die Onkologie, das sind 38 Prozent aller Forschungsprojekte in der pharmazeutischen Gentechnik.

31 Wirkstoffe in der Phase III

31 Wirkstoffe werden in der Phase III erforscht, weitere 80 sind bis zur Phase II gediehen, 115 sind noch im frühen Stadium der klinischen Forschung (Phase I). Das heißt, dass auch auf längere Sicht gentechnische Innovationen für die Krebstherapie zu erwarten sind. Sie decken ein weites Spektrum an Krebserkrankungen ab.

Insgesamt standen Ende 2016 29 gentechnisch erzeugte Krebsarzneimittel zur Verfügung, zudem weitere acht zur Krebsbegleittherapie und vier Impfstoffe zur Prävention von Leberkrebs und des Gebärmutterhalskrebses.

Inzwischen lässt sich der Erfolg zeigen: Während die Zahl der Neuerkrankungen auf zuletzt 482.500 gestiegen ist, stagniert die Zahl der krebsbedingten Todesfälle bei 223.000. Die Fünf-Jahres-Überlebensraten sind teils beträchtlich gestiegen: beispielsweise bei der Leukämie (Männer von 16 auf 58 Prozent oder beim Nierenkarzinom (Frauen) von 35 auf 78 Prozent im Zeitraum von 1970/74 bis 2011/12.

Als besonders vielversprechend gilt der neue immunonkologische Therapieansatz. Weitere Neuentwicklungen könnten dazu führen, dass aus einer derzeit oft noch tödlichen Krankheit eine chronische wird.

Anteil nimmt kontinuierlich zu

Angesichts starker Forschungsanstrengungen und -erfolge sind Biopharmazeutika eine wichtige Grundlage wirtschaftlicher Dynamik der Pharmabranche: Ihr Anteil an den Neuzulassungen nimmt seit Jahren fast kontinuierlich zu.

Von insgesamt 38 Neuzulassungen im vergangenen Jahr entfielen 15 auf Biopharmazeutika, darunter drei Biosimilars. Die Bedeutung der biotechnischen "Nachahmer" dürfte in Zukunft rasant steigen – in Abhängigkeit von der Zahl gentechnischer Präparate, deren Patentschutz abläuft. Gegenwärtig sind 34 Biosimilars in der klinischen Prüfung der Stufe III.

Insgesamt arbeiten 365 Unternehmen in Deutschland mit biotechnologischen Methoden, darunter 116 Firmen, die eigene Medikamente entwickeln oder bereits vermarkten.

Weitere 249 Unternehmen arbeiten als Technologieplattformen, als Dienstleister, Zulieferer oder Diagnostikahersteller sowie in der präklinischen Wirkstoffentwicklung. Die Zahl der Mitarbeiter stieg erneut – um 8,1 Prozent auf inzwischen 44.100.

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