Direkt zum Inhaltsbereich

DEGAM-Kongress

Mehr Delegation, bessere Kommunikation, erweiterte Kompetenzen: So sieht die Hausarztpraxis von morgen aus

Was macht die hausärztliche Praxis im neuen Primärversorgungssystem aus? Ärztinnen und Ärzte skizzierten auf dem DEGAM-Kongress ihre Wünsche und Aufgaben.

Kathrin HandschuhVon Kathrin Handschuh Veröffentlicht:
Lisa Degener und die Workshop-Teilnehmer.

Hausärztin Lisa Degener (m.) spricht mit den Workshop-Teilnehmern über das Thema Delegation in der Arztpraxis.

© Rolf Schulten

Göttingen. Delegation, Kommunikation mit Gebietsärzten, erweiterte Kompetenzen – diese drei Aspekte prägen die Hausarztpraxis im geplanten Primärversorgungssystem. Wie das konkret aussehen könnte, damit beschäftigte sich ein Workshop beim DEGAM-Kongress.

  • Delegation: Gemeinsam mit Hausärztin Lisa Degener, stellvertretende Sprecherin der Sektion Hausärztliche Praxis der DEGAM, sprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber, wie gut Delegation bereits heute in den Praxen funktioniert. Die meisten nutzen die Möglichkeit, nicht-ärztliche Aufgaben an das Personal abzugeben. Am häufigsten werden DMP, Infektsprechstunden oder die Wunderversorgung delegiert. Viele Ärztinnen und Ärzte zeigten sich besonders erleichtert darüber, Hausbesuche zum großen Teil nicht mehr selbst übernehmen zu müssen, dafür gebe es VERAH und NäPA. „Während diese zu den Patienten fahren, kann ich vieles andere abarbeiten“, sagte eine Teilnehmerin. Aber: Um die Arzt-Patientenbeziehung nicht zu gefährden, sollten nicht alle kleinen Anlässe an das Personal abgegeben werden. „Dies sind gute Gelegenheiten, um mit den Patienten in Kontakt zu bleiben“, betonte Lisa Degener.
  • Kommunikation mit den Gebietsärzten: Hier zeigte sich, dass sich die meisten Hausärztinnen und Hausärzte verbindliche bzw. definierte Versorgungspfade wünschen. Großes Thema war der gegenseitige Respekt, der aus Sicht einiger Teilnehmer nicht immer vorhanden ist. Häufig finde keine Kommunikation mit den Gebietsärzten statt. „Das sieht man daran, dass manche Fachärzte auf meine Anfragen gar nicht antworten“, berichtete eine Ärztin. Andere dagegen sind mit den Gebietsärzten in der Region auf „du und du“ und verfügen über alle Telefonnummern. Wichtig: Gemeinsame Fallkonferenzen müssten unbedingt vergütet werden. „Sonst macht es keiner“, war eine Workshopteilnehmerin überzeugt.
  • Erweiterte Kompetenzen: Die gemeinsam erarbeitete Liste, was Hausärzt gerne selbst machen und nicht an die fachärztlichen Kollegen abgeben wollen, war lang – angefangen von der kleinen Chirurgie, über Thrombose-Ausschluss bis zum Ultraschall. Einige plädierten auch für Tätigkeiten im gynäkologischen Bereich. „Erst wenn es nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, soll weitervermittelt werden“, lautete ein Statement. Grundsätzlich sei es wünschenswert, die Weiterbildung breiter aufzustellen, Weiterbildungsassistenten sollten die Möglichkeit bekommen, in viele Bereiche hineinzuschnuppern, hieß es. Natürlich nur, wenn dies auch entsprechend finanziert werde.
Lesen sie auch

DEGAM-Kongress 2026

Indian-Summer in Göttingen! Auf dem Campus treffen sich rund 1.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses "Gesundheit gestalten", den die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin zusammen mit DGSMP, DGMS und EbM-Netzwerk ausrichtet.
/
Herbstfarben beim Wilden Wein auf dem Uni-Campus in Göttingen, aber sommerliches...
Herbstfarben beim Wilden Wein auf dem Uni-Campus in Göttingen, aber sommerliches Wetter beim Kongress "Gesundheit gestalten" von DEGAM & Co. Unter blauem Himmel lassen sich Themen wie Primärversorgung und Teampraxis eher entspannt diskutieren als bei Sturm und Regen.

© [M] Michaela Illian | DEGAM

DEGAM, DGSMP, DGMS und EbM-Netzwerk gestalten gemeinsam den Kongress in Göttinge...
DEGAM, DGSMP, DGMS und EbM-Netzwerk gestalten gemeinsam den Kongress in Göttingen. Im Hörsaal ist zur Eröffnung dann auch kaum noch ein Platz frei.

© Rolf Schulten

Skeptisch? Nur interessiert! Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Phil...
Skeptisch? Nur interessiert! Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi richtet auf dem Podium bei der Eröffnung das Wort direkt an DEGAM-Präsidentin Professorin Eva Hummers.

© Rolf Schulten

Primärarztsystem, oder doch lieber Primärversorgungssystem? Dazu hat auch der Ha...
Primärarztsystem, oder doch lieber Primärversorgungssystem? Dazu hat auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband eine Position, hier vertreten durch Professorin Nicola Buhlinger-Göpfarth (rechts).

© Rolf Schulten

Netzwerken gehört natürlich auch zum Kongress, live und auf Social Media.
Netzwerken gehört natürlich auch zum Kongress, live und auf Social Media.

© Rolf Schulten

Die Institute für Allgemeinmedizin aus ganz Deutschland treffen sich beim DEGAM-...
Die Institute für Allgemeinmedizin aus ganz Deutschland treffen sich beim DEGAM-Kongress. Hier: Professor Marco Roos aus Augsburg und Professorin Stefanie Joos aus Tübingen.

© Heike Bökenkötter

Ganz schön viele fachliche Infos - da lohnt zur Erholung der Blick auf den Tomic...
Ganz schön viele fachliche Infos - da lohnt zur Erholung der Blick auf den Tomicek-Cartoon, den die Ärzte Zeitung mitgebracht hat.

© Rolf Schulten

Übrigens auch als Sammel-Tasse! Karikaturen mit Praxis-Motiven gibt es auf den Ä...
Übrigens auch als Sammel-Tasse! Karikaturen mit Praxis-Motiven gibt es auf den Ärzte Zeitung-Tassen, die sich Kongress-Besucher kostenlos am DEGAM-Stand mitnehmen können.

© Michaela Illian

Zeit zum Austausch, hier mit Professor Jean-François Chenot, Direktor der Abteil...
Zeit zum Austausch, hier mit Professor Jean-François Chenot, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Greifswald.

© Rolf Schulten

Zeit für eine Pause und für Gespräche - der Kongress ist auch ein jährlicher Tre...
Zeit für eine Pause und für Gespräche - der Kongress ist auch ein jährlicher Treffpunkt für Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner - und solche, die es werden wollen.

© Rolf Schulten

Stärkung nicht vergessen! Dann fällt die nächste Session leichter - und der Kong...
Stärkung nicht vergessen! Dann fällt die nächste Session leichter - und der Kongress dauert sogar noch zwei Tage!

© Rolf Schulten

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Shared Decision Making ist gerade bei der Diagnostik und Therapie seltener Erkrankungen ein wichtiges Versorgungsprinzip. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

Seltene Erkrankungen

Was auch Patienten tun können

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)

Kampf dem Zervixkarzinom

Ärzte sind sich einig: eine Impfung schützt!

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.

Eine Krebspatientin erzählt

„Meine Kinder? Klar sind die geimpft!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Komplexe Gemengelage

COVID-Prophylaxe 2.0: Das gilt bei der Abrechnung

Lesetipps
Viele Gespräche, sich viel Zeit nehmen – das setzt eine Suizidassistenz voraus.

© Lumos sp / stock.adobe.com

Begleitetes Sterben

Suizidassistenz gewinnt Bedeutung in deutschen Hausarztpraxen