Umfrage

Mehrheit will komplettes Tabakwerbeverbot – und höhere Steuern

Die große Mehrheit der Deutschen möchte keine Tabakwerbung mehr sehen. Bei Alkoholwerbung sieht es ähnlich aus – jedoch nicht ganz so deutlich.

Veröffentlicht: 25.02.2019, 11:14 Uhr
Mehrheit will komplettes Tabakwerbeverbot – und höhere Steuern

Aus der Zeit gefallen? In der Werbung wurde lange Zeit Rauchen als cool dargestellt. Die Deutschen wünschen sich inzwischen mehrheitlich allerdings ein komplettes Werbeverbot.

© alexkich / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

BERLIN. In der Diskussion um Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ist laut einer Umfrage eine große Mehrheit der Bundesbürger für ein Ende der Tabakwerbung. Ein vollständiges Verbot befürworten 69 Prozent, wie die Umfrage im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft ergab. Gegen ein Verbot sind 27 Prozent.

Eine Mehrheit würde auch ein Komplettverbot von Alkoholwerbung begrüßen, allerdings ist sie nicht ganz so groß wie beim Tabak: 58 Prozent der Befragten sprachen sich für ein Verbot aus, 36 Prozent lehnten dies ab.

Steuern hoch!

Auch eine höhere Besteuerung fände der Umfrage zufolge Unterstützung. Für Tabak befürworten dies 75 Prozent (23 Prozent dagegen), für Alkohol 59 Prozent (37 Prozent dagegen). Befragt wurden vom 4. bis 8. Februar 1003 Menschen ab 18 Jahren vom Institut Forsa.

In die lange festgefahrene Debatte um ein Verbot der Tabakwerbung auf Plakatflächen ist Bewegung gekommen. Die Fachpolitiker der Koalition einigten sich darauf, dass die bestehenden Beschränkungen auch auf Außenwerbung ausgeweitet werden sollten. Es soll aber nicht um ein Pauschalverbot gehen.

In der vorigen Wahlperiode war ein Anlauf am Widerstand der Union gescheitert. Das Kabinett stimmte 2016 einem Entwurf zu, ein Gesetz wurde daraus nie. Verboten ist Tabakwerbung etwa schon in Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften.

Junge für Werbeverbot

Am größten ist die Zustimmung zu einem vollständigen Werbeverbot laut der Umfrage nun bei den 18- bis 29-Jährigen mit 77 Prozent. Geringer fällt sie mit 66 Prozent bei den Befragten ab 45 aus. Ein komplettes Verbot findet bei Frauen (72 Prozent) größere Unterstützung als bei Männern (66 Prozent) – und auch bei Nichtrauchern (72 Prozent) als bei Rauchern (59 Prozent), wie die Umfrage ergab. Befragt wurden vom 4. bis 8. Februar 1003 Menschen ab 18 Jahren vom Institut Forsa.

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach erklärte am Montag, seine Partei wolle seit langem ein Tabakwerbeverbot, scheitere aber immer wieder an der CDU. „Wann sind die Kollegen endlich so weit, das Überleben der Kinder von heute durch Umwelt- und Verbraucherschutz höher zu werten als Lobby- und Wirtschaftspolitik?“, schrieb er bei Twitter.

Legal – also ist Werbung erlaubt?

Auch andere Gesundheitsexperten fordern seit längerem schärfere Werberegeln. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) argumentiert, sie könne den Satz nicht mehr hören, Tabak sei legal, deshalb müsse Werbung erlaubt sein.

Bei 120.000 Tabaktoten im Jahr könne man sich nicht zurücklehnen. Der Deutsche Zigarettenverband warnte dagegen kürzlich anlässlich einer Anhörung im Bundestag, ein vollständiges Verbot wäre ein „unverhältnismäßiger Grundrechtseingriff“ in die Freiheit zu werben. Maßgebend für den Rauchbeginn besonders von Minderjährigen sei das Rauchverhalten in Freundeskreis und Familie – nicht die Werbung für Tabakerzeugnisse.

Eine Ausdehnung von Rauchverboten auf den gesamten öffentlichen Raum – also etwa Parks, Straßen und Plätze – findet laut der Umfrage für die Versicherungswirtschaft dagegen keine Mehrheit. Dafür sprachen sich 42 Prozent der Befragten aus, 54 Prozent lehnten dies aber ab.

58 Prozent für vollständiges Alkoholverbot

Eine Mehrheit der Bundesbürger würde demnach aber auch ein völliges Verbot von Alkoholwerbung begrüßen. Dafür sprachen sich 58 Prozent der Befragten aus, 36 Prozent lehnten das ab. Eine höhere Besteuerung von Alkohol befürworten 59 Prozent, 37 Prozent sind dagegen.

Deutschland hat bereits 2004 die WHO-Konvention zur Tabakkontrolle ratifiziert und sich so verpflichtet, die WHO-Regularien in nationales Recht umzusetzen, erinnerte kürzlich Professor Daniel Kotz vom Institut für Allgemeinmedizin der Uni Düsseldorf.

In Artikel 13 ist dort ein umfassendes Werbeverbot kodifiziert. Die 180 Unterzeichnerstaaten waren verpflichtet, dieses bis spätestens 2010 umzusetzen. Kotz drängte darauf, auch E-Zigaretten in das Werbeverbot einzubeziehen. Diese enthielten in der Regel Nikotin und könnten jungen Nichtrauchern den Einstieg in das Rauchen von herkömmlichem Tabak erleichtern. (dpa/eb)

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